Affäre um Sexpartys Ermittlungsverfahren gegen Strauss-Kahn eingeleitet

Von Prostituierten will er nichts gewusst haben: In der Affäre um Sexpartys weist Dominique Strauss-Kahn alle Anschuldigungen zurück. Doch die französische Justiz sieht das anders, spricht gar von "organisierter Zuhälterei". Nach einer Befragung wurde jetzt vorläufige Anklage erhoben.

Strauss-Kahn am 26. März 2012 in Lille: Weist alle Vorwürfe entschieden zurück
REUTERS

Strauss-Kahn am 26. März 2012 in Lille: Weist alle Vorwürfe entschieden zurück


Lille - Die Vorwürfe lauten auf "organisierte Zuhälterei". Das erklärte die zuständige Staatsanwaltschaft am Montag nach einer stundenlangen Befragung des früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, durch Untersuchungsrichter in Lille. In der Affäre um Sexpartys hat die französische Justiz nun vorläufige Anklage gegen den 62-Jährigen erhoben.

Nach französischem Recht bedeutet eine vorläufige Anklage, dass die Behörden Grund zur Annahme haben, dass eine Straftat begangen worden ist. Diese Regelung soll ihnen mehr Zeit für die Ermittlungen einräumen.

Strauss-Kahns Anwälte teilten mit, dieser habe alle Vorwürfe "mit größter Entschiedenheit" zurückgewiesen. Er habe nichts von Prostituierten gewusst. Laut Staatsanwaltschaft wurde Strauss-Kahn gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, aber unter Polizeiaufsicht gestellt.

Strauss-Kahn sollte eigentlich am 28. März vor die Untersuchungsrichter geladen werden. Es wurde erwartet, dass bei diesem Termin dann ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet wird, das in eine Anklage münden könnte. Es gab zunächst keine Begründung, weshalb die Befragung vorgezogen wurde. Der einstige Chef des IWF hatte sich Ende Februar wegen der Callgirl-Affäre bereits zwei Tage lang in Polizeigewahrsam befunden.

Strauss-Kahn hatte an einer Reihe von Sexpartys in Luxushotels in Paris und in den USA teilgenommen. Für die Prostituierten sollen Unternehmer bezahlt haben. Unklar ist, ob Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den zu den Partys eingeladenen Frauen um Prostituierte handelte. Er bestreitet dies. Außerdem versuchen die Ermittler herauszufinden, ob der frühere IWF-Chef sich über die Herkunft des Geldes im Klaren war, mit dem die Partys bezahlt wurden.

Auf Beteiligung an Zuhälterei stehen in Frankreich bis zu 20 Jahre Haft, für Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. An den Sexpartys hatte auch die Nummer zwei der Polizei für Nordfrankreich, Jean-Christophe Lagarde, teilgenommen.

Im Vorjahr hatte Strauss-Kahn nach Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Zimmermädchens nicht nur den IWF-Chefposten, sondern auch seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten aufgegeben. Die US-Justiz stellte das strafrechtliche Verfahren zwar wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau ein, eine zivilrechtliche Klage ist aber noch anhängig. Eine erste Anhörung findet am Mittwoch vor einem Gericht in New Yorker statt. Dabei muss Richter Douglas McKeon über einen Antrag von Strauss-Kahns Anwälten befinden, das Verfahren einzustellen.

bos/AFP/AP



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