Nach Fernsehbericht Verhaftungswelle im chinesischen Rotlichtmilieu

Ein Fernsehbericht im chinesischen Staatssender CCTV hat zu einer massiven Polizeiaktion gegen das illegale Rotlichtmilieu in der Stadt Dongguan geführt. 67 Verdächtige wurden dabei verhaftet, zwölf Bordelle geschlossen.

Einsatzkräfte mit Verdächtigen in Dongguan: "Machen Sie sich keine Sorgen, die Polizei wird nicht kommen"
REUTERS

Einsatzkräfte mit Verdächtigen in Dongguan: "Machen Sie sich keine Sorgen, die Polizei wird nicht kommen"


Peking/Dongguan - Eine Enthüllungs-Reportage des chinesischen Staatssenders CCTV über die Sex-Industrie in der Stadt Dongguan hat zu einer Welle von Verhaftungen geführt. Mehr als sechstausend Polizisten durchsuchten nach dem Bericht vom Sonntag Hunderte Hotels, Saunas und Karaoke-Bars in der südlichen Provinz Guangdong, wie Staatsmedien berichteten. 67 Menschen seien verhaftet, zwölf Bordelle geschlossen und zwei Polizeichefs suspendiert worden.

Für den Rotlicht-Report von CCTV hatten Journalisten mit versteckten Kameras zahlreiche Etablissements aufgesucht. Zu sehen waren Scharen von Prostituierten. Reporter fragten nach den Preisen für Sex und sprachen mit den Bordellbetreibern. Ein Angestellter beschwichtigte die zur Schau gestellte Sorge eines Journalisten vor Ärger mit den Behörden: "Machen Sie sich keine Sorgen, die Polizei wird nicht kommen."

Prostitution ist in China illegal. Trotzdem soll es im Land zwischen vier und sechs Millionen Prostituierte geben. In der Industriemetropole Dongguan ist Schätzungen zufolge einer von zehn Einwanderern im Rotlichtmilieu tätig.

Während die örtlichen Behörden als Reaktion auf den Bericht ein hartes Vorgehen gegen Prostitution ankündigten, reagierten viele Menschen im Internet mit Spott und Verärgerung. So wurde CCTV vorgeworfen, Huren an den Pranger zu stellen, statt über die Hintergründe zu berichten.

"Weine nicht, Dongguan! CCTV ist skrupellos, aber die Welt ist voller Liebe", lautete ein weit verbreiteter Eintrag auf dem Kurzbotschaftendienst Sina Weibo. Viele Internet-Nutzer stellten rote Kerzen in Form von Kondomen ins Netz, um ihre Solidarität mit den Sexarbeiterinnen zu zeigen. Andere bezichtigten den Sender der Heuchelei, weil er verdeckte Reporter losschickte, um über eine Szene zu berichten, die für keinen Besucher der Stadt ein Geheimnis sei.

rls/AFP/dpa



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