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Deutschlands Langzeit-Häftling: Hans-Georg Neumann muss im Gefängnis bleiben

Hans-Georg Neumann in der JVA Bruchsal (Archiv): Mehr als 50 Jahre hinter Gittern Zur Großansicht
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Hans-Georg Neumann in der JVA Bruchsal (Archiv): Mehr als 50 Jahre hinter Gittern

Seit mehr als 52 Jahren sitzt Hans-Georg Neumann wegen Doppelmordes im Gefängnis - so lange wie kein anderer deutscher Häftling. Das wird sich so schnell auch nicht ändern: Das Oberlandesgericht Karlsruhe wies nun eine Beschwerde des 77-Jährigen ab.

Karlsruhe - Hans-Georg Neumann sitzt so lange wie kein anderer Häftling in Deutschland im Gefängnis - mehr als 52 Jahre. Und er wird wohl auch weiterhin hinter Gittern bleiben. Der 77-Jährige scheiterte mit seiner Haftbeschwerde an der Einschätzung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (OLG), das ihn nach wie vor für gefährlich hält.

Neumann hatte als junger Mann im Januar 1962 ein Liebespaar in Berlin erschossen. 1963 wurde er wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Seither sitzt er im Gefängnis, mehrfach hat er Bewährung beantragt, die jedoch immer wieder abgelehnt wurde. Im Dezember 2013 hatte eine gerichtliche Anhörung stattgefunden. Neumanns Verteidiger forderte eine Übergangsphase, die seinen Mandanten auf die Freiheit vorbereiten sollte. Doch der 1. Strafsenat wies die Beschwerde gegen die weitere Haftdauer ab.

In einer persönlichen Anhörung des Gefangenen sei das Gericht zu dem Ergebnis gelangt, dass der Häftling trotz seines fortgeschrittenen Alters "vital und agil" sei, hieß es nun. Im Falle einer bedingten Entlassung aus der Strafhaft sei "die Begehung schwerer Gewaltdelikte oder ähnlich schwerwiegender Straftaten zu erwarten".

Nach Prüfung eines psychiatrischen Gutachtens gelangte der Strafsenat zu der Überzeugung, dass die "problematische Persönlichkeitsstruktur des Verurteilten" unverändert fortbestehe. Es sei zu befürchten, dass der Verurteilte im Falle einer Entlassung in die kriminelle Subkultur, "in die er bereits während der Haft durchgehend eingebunden" gewesen sei, sowie in das Drogenmilieu abgleiten werde. Der Häftling habe zudem "keinerlei tragfähige und ihn stabilisierenden sozialen Kontakte". Neumann ist im Gefängnis Bruchsal nördlich von Karlsruhe inhaftiert.

Das OLG bestätigte damit die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Karlsruhe. Der Senat wies allerdings zu seiner rechtskräftigen Entscheidung darauf hin, dass eine Entlassung im Fall einer "erheblichen Veränderung der gesundheitlichen Situation des Verurteilten" oder aufgrund zunehmender Alterung doch noch in Betracht kommen könne. Voraussetzung wäre dann eine Umgebung, "welche eine ständige Beobachtung und langfristige Betreuung gewährleistet".

gam/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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1. oho!
ambulans 28.03.2014
der häftling sei "während seiner haftzeit durchgehend in eine kriminelle sub-kultur eingebunden" gewesen - tja, da erwarte ich aber schleunigst zielführende ermittlungen, dementsprechende anklagen und natürlich auch prozesse. gegen wen? nun - wer ist denn seit über 50 jahren "für ihn" verantwortlich?
2. In Klartext
gantenbein3 28.03.2014
Zitat von sysopDPASeit mehr als 52 Jahren sitzt Hans-Georg Neumann wegen Doppelmordes im Gefängnis - so lange wie kein anderer deutscher Häftling. Das wird sich so schnell auch nicht ändern: Das Oberlandesgericht Karlsruhe wies nun eine Beschwerde des 77-Jährigen ab. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/doppelmoerder-hans-georg-neumann-muss-im-gefaengnis-bleiben-a-961366.html
Will heißen: Zum Sterben kann man ihn - vielleicht - rauslassen. Und was für ein grandioses Armutszeugnis für den deutschen Strafvollzug: In 52 Jahren nichts an dem Mann zum Besseren gewendet.
3. Merkwürdig
kabian 28.03.2014
Wenn ich das richtig verstehe ist er im Gefängniss und nicht in einer geschlossenen Psychatrie. Wie kann das sein? 52 Jahre lang? Da kann etwas nicht stimmen. Natürlich in einer kriminelle Subkultur während Haft durchgehend eingebunden. Wer hat den diese Begründung verfasst? Der sollte mal ganz dringend zum Arzt. Und das der Häftling "keinerlei tragfähige und ihn stabilisierenden sozialen Kontakte" hat, dafür ist doch wohl die JVA verantwortlich. Ich verstehe die Begründung beim besten Willen nicht.
4. Welch Wunder.
riekem 28.03.2014
Das wundert einen jetzt ja.. dass jemand der seit 52 Jahren im Gefängnis sitzt eine "problematische Persönlichkeitsstruktur" und "keinerlei tragfähige und ihn stabilisierende Kontakte" hat... wenn jemand mit 25 ins Gefängnis kommt und 52 Jahre später immernoch drin ist wird der sowieso kein 'anständiges' leben führen können... ich bezweifle, dass er irgendwen hat der ihn besucht und auf dem laufenden hält was Technik, Kultur & lifestyle angeht, also wird er vor schock umfallen wenn er in die 'Freiheit' entlassen wird.. und selbst wenn er entlassen wird, wird dies für ihn keine Freiheit bedeuten, er wird sein leben lang von anderen abhängig sein! Einerseits nachvollziehbar, wenn er wirklich.gefährlich ist, allerdings sollte.man darüber nachdenken ob langzeitstrafen wirklich das bewirken was sie bewirken sollten.. anscheinend ja nicht wenn jemand nach 52 Jahren immernoch als gefährlich eingestuft wird...
5. Kriminielle Subkultur
markus.pfeiffer@gmx.com 28.03.2014
Ja in welche andere Subkultur soll er denn nach 52 Jahren Haft auch eingebunden sein??? Für jedwede andere Einbindung müsste er erstmal eine Chance bekommen und die bekommt er nun mal nur draußen.
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