Doppelmord in Herne Marcel H. soll im Namen des zweiten Opfers gechattet haben

Marcel H. hat gestanden, erst den neunjährigen Jaden und später einen früheren Schulfreund getötet zu haben. Laut einem Zeugen schrieb er anschließend im Namen des zweiten Opfers Handy-Nachrichten.

Angeklagte Marcel H. (M) und sein Anwalt Michael Emde im Bochumer Landgericht
DPA

Angeklagte Marcel H. (M) und sein Anwalt Michael Emde im Bochumer Landgericht


Im Glauben, er schreibe mit seinem Freund Christopher, hat ein 30 Jahre alter Zeuge nach dem Doppelmord von Herne mit dem Angeklagten Marcel H. gechattet. Das berichtete der Mann vor dem Bochumer Landgericht. Demnach hatte Macrel H. nach der Tötung seines früheren Schulfreundes mit dessen Handy auf Nachrichten geantwortet.

Empfänger der Nachrichten war der vor Gericht geladene Zeuge. Er war zunächst davon ausgegangen, dass er mit seinem Freund Christopher kommunizierte. Dieser war zum Zeitpunkt der Unterhaltung bereits tot.

"Irgendwann kam mir alles so ungereimt vor", sagte der Zeuge den Richtern. Der Schreibstil habe so gar nicht zu seinem Freund Christopher gepasst. Alles sei so kurz und abweisend gewesen. "Ich dachte mir: Was hat den denn jetzt gebissen?" Als er später von der Polizei erfahren habe, dass sein Freund umgebracht worden war, sei für ihn eine Welt zusammengebrochen. "Er war ein hilfsbereiter und sehr lebensfröhlicher Mensch", sagte der 30-Jährige.

In den vergangenen Prozesstagen hatten verschiedenen Zeugen den Angeklagten als aggressiv und gewaltbereit beschrieben. In der Schule war Marcel H. einer Zeugin zufolge hingegen eher ruhig. "Er war ein höflicher, angepasster Schüler", sagte eine ehemalige Lehrerin des Angeklagten. "Er konnte unheimlich gut reden, kam aber nie auf den Punkt." In Klassenarbeiten habe er daher häufig am Thema vorbeigeschrieben. Außerdem habe er sehr viele Fehlstunden gehabt. Angst habe man vor Marcel H. aber nicht haben müssen. "Da gab es ganz andere Kandidaten", sagte die Lehrerin.

Marcel H. hat über seinen Verteidiger bereits eingeräumt, Anfang März zunächst den neunjährigen Nachbarjungen Jaden und anschließend seinen Ex-Schulfreund Christopher umgebracht zu haben. Das Motiv für die Tötung des kleinen Jaden soll Mordlust gewesen sein. Der 22-jährige Christopher musste laut Anklage sterben, weil er mitbekommen hatte, dass nach Marcel H. gefahndet wird und er deshalb die Polizei rufen wollte.

asc/dpa

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