Doppelter Fahndungserfolg Hochrangige Mafia-Bosse festgenommen

Erfolgreicher Samstag für Italiens Mafiajäger: Gleich zwei der meistgesuchten Bosse der Cosa Nostra sind verhaftet worden. Ministerpräsident Berlusconi, derzeit selbst wegen angeblicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen in der Kritik, lobte die Festnahmen.

Giovanni Nicchi: "Der letzte noch flüchtige große Kriminelle aus Palermo"
AFP

Giovanni Nicchi: "Der letzte noch flüchtige große Kriminelle aus Palermo"


Rom - Die italienische Polizei hat der Mafia am Samstag einen schweren Doppelschlag verpasst. Regierungschef Silvio Berlusconi bestätigte Medienberichte, wonach in Palermo und in Mailand gleich zwei hochrangige Bosse des organisierten Verbrechens gefasst wurden. Laut Berlusconi handelt es sich um die "Nummern zwei und drei der Cosa Nostra".

In Palermo auf Sizilien ging den Mafiajägern der 28-jährige Gianni Nicchi ins Netz, Italiens oberstem Anti-Mafia-Ermittler, Staatsanwalt Piero Grasso, zufolge der "letzte noch flüchtige große Kriminelle aus Palermo". Nicchi versuchte laut Medienberichten zu fliehen. Im vergangenen Jahr war er von einem Gericht in Abwesenheit wegen Erpressung zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll nach der Verhaftung des Cosa-Nostra-Bosses Salvatore Lo Piccolo vor wenigen Jahren rasch an die Spitze des Verbrecherklans aufgestiegen sein.

Bei einem Spaziergang durch Mailand wurde unterdessen der seit zwei Jahren flüchtige Mafioso Gaetano Fidanzati gefasst. Der 74-Jährige gilt als der Anführer eines wichtigen Zweigs der Cosa Nostra in Palermo. Laut Innenminister Roberto Maroni sind damit in den vergangenen Monaten 17 der 30 meistgesuchten Verbrecher Italiens gefasst worden. "Wenn wir so weiter machen, wird es bald keinen einzigen Namen mehr auf der Liste der 30 meistgesuchten Kriminellen geben", sagte Staatsanwalt Grasso hinzu. Ganz oben auf dieser Liste steht Matteo Messina Denaro, der nach Ansicht der Polizei inzwischen der oberste Boss der Cosa Nostra ist.

Ministerpräsident Berlusconi bezeichnete die Festnahmen als die "beste Antwort auf die Verleumdungen" gegen seine Person. Er bezog sich damit auf die Aussagen des abtrünnigen Mafioso Gaspare Spatuzza, der am Freitag schwere Vorwürfe gegen Berlusconi erhoben hatte.Spatuzza hatte in einem Prozess in Turin gegen Berlusconis Vertrauten Marcello Dell'Utri ausgeführt, Berlusconi und Dell'Utri seien Anfang der neunziger Jahre wichtige Ansprechpartner seines früheren Chefs, des sizilianischen Mafia-Bosses Giuseppe Graviano, gewesen.

can/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.