Urteil gegen "Freie Kameradschaft" Dresdner Neonazis zu Haftstrafen verurteilt

Sie bildeten eine kriminelle Vereinigung und attackierten Ausländer: Zwei Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" müssen jeweils mehr als dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Weitere Urteile könnten folgen.

Gerichtssaal am Landgericht in Dresden (Archiv)
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Gerichtssaal am Landgericht in Dresden (Archiv)


Seit Jahren ermitteln die Behörden gegen die "Freie Kameradschaft Dresden" (FKD). Nun hat das Dresdner Landgericht erstmals zwei Mitglieder der Neonazi-Gruppe schuldig gesprochen. Die Staatsschutzkammer verurteilte sie wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion zu jeweils drei Jahren und acht Monaten Haft.

Die 19 und 27 Jahre alten Männer hatten die Vorwürfe zum Prozessauftakt im April eingeräumt. Als Teil eines sogenannten Deals im Strafprozess gestanden sie für eine mildere Strafe. Laut Gericht waren die beiden 2015 und 2016 an Angriffen auf Flüchtlinge und politische Gegner beteiligt. Bei den fremdenfeindlichen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau im August 2015 hätten sie Steine und Flaschen gegen Polizisten geworfen. Mehr als 30 Beamte wurden damals verletzt.

Die FKD sei gebildet worden, um Angst und Schrecken unter Flüchtlingen zu verbreiten, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Kubista. Alle Gewalttaten seien geplant worden, das Vorgehen sei konspirativ gewesen, mit speziellem Handy, Austausch in separaten Chats und unter einem einheitlichen Logo. "Sie nahmen sich als Organisation wahr, die bis mindestens Februar 2016 bestand." Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die beiden Rechtsextremen überfielen laut Gericht zudem eine Flüchtlingsunterkunft und ein alternatives Wohnprojekt in Dresden. Der ältere der beiden Verurteilten sei auch wegen eines rechtsextremen Überfalls im alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz 2016 schuldig gesprochen worden. Der jüngere agierte zudem in einer selbst ernannten Bürgerwehr auf dem Dresdner Stadtfest 2016.

Ab Herbst müssen sich weitere mutmaßliche Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" wegen ähnlicher Vorwürfe vor dem Landgericht verantworten. Angeklagt sind eine 27-Jährige und fünf Männer zwischen 22 und 29 Jahren.

Bereits seit Juni 2015 laufen die Ermittlungen gegen die Neonazigruppe, die auch enge Verbindungen zur sogenannten Gruppe Freital haben soll. Seit März müssen sich acht mutmaßliche Mitglieder der Freitaler Gruppe wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht in Dresden verantworten.

apr/AFP/dpa



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