Anschläge auf Asylbewerber Lange Haftstrafen für rechte Terrorgruppe Freital

Nach 73 Verhandlungstagen hat das Gericht im Prozess gegen die rechtsterroristische Gruppe Freital das Urteil gesprochen. Die Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen zwischen vier und zehn Jahren.

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Wegen Sprengstoffanschlägen auf Unterkünfte von Asylbewerbern und auf politische Gegner in Sachsen sind acht Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Freital zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Das Oberlandesgericht Dresden sprach nach einjährigem Prozess sämtliche Angeklagte unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung schuldig und verhängte Gefängnisstrafen zwischen vier und zehn Jahren. Wegen Rädelsführerschaft erhielten die Angeklagten Timo S. und Patrick F. mit zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahren die höchsten Strafen.

Die acht Angeklagten wurden auch wegen des Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen und versuchten Mordes beziehungsweise Beihilfe dazu schuldig gesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Terrorprozess in Dresden: Gewalt und Hass in Freital

Der zur Tatzeit erst 18 Jahre alte Justin S., der im Prozess umfangreich ausgesagt hatte, erhielt eine Jugendfreiheitsstrafe von vier Jahren. Die einzige Frau in der Gruppe, die 29-jährige Maria K., wurde zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Die übrigen vier Verurteilten im Alter von 27, 30, 39 und 40 Jahren erhielten Freiheitsstrafen zwischen acht und fünf Jahren. Sie alle sitzen bereits seit November 2015 beziehungsweise Frühjahr 2016 in Untersuchungshaft.

"Klima der Angst und Repression"

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Gruppe aufgrund rechtsextremer Gesinnung in wechselnder Besetzung und Tatbeteiligung 2015 insgesamt fünf Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden verübt hat.

Mitglieder der Gruppe hatten das Auto eines Freitaler Linke-Stadtrats gesprengt und das Parteibüro der Linken in dem Dresdner Vorort angegriffen. In Deutschland nicht zugelassene Pyrotechnik aus Tschechien wurde an Fenstern zweier Flüchtlingsunterkünfte in Freital zur Explosion gebracht. Gemeinsam mit Vertretern der rechtsextremen "Freien Kameradschaft Dresden" überfielen einige Angeklagte außerdem ein alternatives Wohnprojekt von Flüchtlingsunterstützern in Dresden.

Nur glücklichen Umständen sei es zu verdanken gewesen, dass bei den Anschlägen Menschen nicht schwer verletzt oder gar getötet wurden, hatte die Bundesanwaltschaft ausgeführt. Die Gruppe habe "ein Klima der Angst und Repression" schaffen wollen. Ziel sei es gewesen, Ausländer zu vertreiben. Den Taten habe eine fremdenfeindliche, rechtsextreme und zum Teil nationalsozialistische Ideologie zugrunde gelegen.

Die Bundesanwaltschaft hatte für die acht Angeklagten zwischen fünf Jahren Jugendstrafe und elf Jahren Haft gefordert. Die Verteidigung hatte den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des versuchten Mordes hingegen zurückgewiesen und deutlich geringere Strafen verlangt.

Im Video: Die Hassprediger aus Freital

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ala/wit/dpa/AFP

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