Mitbewohner von Khaled B. "Es ist hier in Dresden zu gefährlich"

Mit eindringlichen Worten haben sich die Mitbewohner des erstochenen Flüchtlings Khaled B. an die Öffentlichkeit gewandt. "Wir brauchen schnelle Hilfe."

Blumen und Kerzen am Wohnhaus von Khaled B.: Mitbewohner haben Angst
DPA

Blumen und Kerzen am Wohnhaus von Khaled B.: Mitbewohner haben Angst


Dresden - Mit einem Hilferuf haben sich Mitbewohner des in Dresden getöteten Asylbewerbers an Stadt, Politik, Polizei und Bürger gewandt. "Wir brauchen schnelle Hilfe", heißt es in einem nun veröffentlichten Schreiben. Täglich habe man mit Anfeindungen, Aggressionen und tätlichen Angriffen zu tun. "Es ist hier in Dresden zu gefährlich, wir haben Angst", sagte einer der Mitbewohner von Khaled B.

Die Leiche des 20-jährigen Flüchtlings aus Eritrea war vor gut einer Woche in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Dort lebte er zusammen mit sieben anderen Eritreern in einer Vierzimmerwohnung. Laut Staatsanwaltschaft starb Khaled B. durch Messerstiche in Hals und Brust. Motiv und Hintergrund der Tat sind unklar.

Die Ermittler hatten zu dem Fall zunächst mitgeteilt, es gebe für eine Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte. Die ersten Beamten vor Ort waren von einem Sturz ausgegangen, die Stichkanäle wurden den Angaben zufolge erst bei der Obduktion entdeckt. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt.

Derweil ist am Mittwoch ein weiterer Überfall auf einen Asylbewerber bekannt geworden, diesmal in Sachsen-Anhalt. In Magdeburg wurde ein Flüchtling aus Eritrea von zwei Jugendlichen angegriffen. Die beiden 14- und 15-Jährigen sollen den 21 Jahre alten Asylbewerber zunächst angespuckt und dann geschlagen und getreten haben, wie die Polizei mitteilte. Zudem sollen sie ihrem Opfer eine Kette vom Hals gerissen haben. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend in einer Straßenbahn.

Andere Asylbewerber kamen dem Opfer zur Hilfe, die Täter flüchteten. Die Polizei spürte die beiden Tatverdächtigen jedoch kurze Zeit später auf. Sie müssen sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung verantworten. Der angegriffene Flüchtling wurde bei dem Angriff leicht verletzt.

"Die Augen sind kalt geworden"

jbe/dpa



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