Dresdner Marwa-Prozess "Unser Sohn vermisst seine Mutter, er leidet"

Klar und gefasst machte Elwi Okaz im Prozess um den Tod seiner Frau seine Aussage. Der Witwer der Ägypterin Marwa al-Schirbini schilderte, wie die 31-Jährige im Gerichtssaal mit einem Küchenmesser attackiert wurde und vor den Augen ihres Sohnes starb.


Dresden - Auf zwei Krücken gestützt kam der 32-jährige Elwi Ali Okaz im Dresdner Landgericht zum Zeugentisch, um über den Tag zu berichten, der sein Leben völlig aus der Bahn geworfen hat.

Am 1. Juli dieses Jahres wurde seine Frau Marwa al-Schirbini von dem 28-jährigen Russlanddeutschen Alex W. erstochen. Okaz selbst überlebte schwerverletzt. Fast vier Monate nach der Tat hat am Montag am Ort der Tat, im Landgericht Dresden, der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin begonnen. Das Verfahren wird vor allem in islamischen Ländern, wo die Bluttat Entsetzen, aber auch wütende Proteste auslöste, genau verfolgt.

Elwi Okaz beobachtet den mutmaßlichen Mörder seiner Frau mit unbewegtem Gesicht. Als er das Geschehen an jenem 1. Juli schildert, wirkt er nach außen hin gefasst.

"Nur wenige Minuten"

In dem damaligen Prozess ging es um eine Beleidigung aus dem Jahr 2008. Alex W. hatte auf einem Spielplatz in Dresden die kopftuchtragende Marwa al-Schirbini als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beschimpft. Der jetzt Angeklagte war damals in der Sache wegen eines gegen ihn verhängten Bußgeldes in Berufung gegangen. Elwi Ali Okaz stellte am Montag klar, dass seine Frau Alex W. nicht selbst angezeigt hatte. "Sie selbst hat ihn nicht angezeigt, wir haben von unserer Seite keine Schritte unternommen", sagte er. Offensichtlich wurde von Amts wegen ermittelt, denn die Frau hatte damals die Polizei gerufen.

Am Tag der Verhandlung habe das Paar zusammen mit dem dreijährigen Sohn gerade den Gerichtssaal verlassen wollen, als es vom Angeklagten Alex W. angegriffen wurde, sagte Okaz.

Zunächst sei seine schwangere Frau geschlagen und geschubst worden. Als er sie verteidigen wollte, sei auch er vom Täter geschlagen worden. Als er bemerkt habe, dass der Angreifer ein Messer hatte, habe er es ihm wegnehmen wollen. In diesem Moment seien "Leute" in den Saal gekommen, es sei ein Schuss gefallen, kurz danach habe er das Bewusstsein verloren. Alles habe nach Aussage von Okaz, der an seinem dunkelblauen Kapuzenpulli ein Bild seiner Frau trug, "nur wenige Minuten" gedauert. Der Sohn des Paares lebt heute bei Verwandten in Ägypten. "Er vermisst seine Mutter, und er leidet auch", so Okaz.

Elwi Ali Okaz hatte im Sommer am Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik seine Doktorarbeit geschrieben.

Nach allem, was passiert sei, habe er kein gutes Gefühl mehr für eine Zukunft in der Stadt, sagte der Witwer.

"Bloßer Hass auf Nichteuropäer und Moslems"

Alex W. war am Vormittag in Handschellen von bewaffneten Justizbeamten in den Saal geführt worden, sein Gesicht fast völlig verhüllt. Erst nach mehrfacher Ermahnung durch die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand zog er das schwarze Basecape und die Kapuze seines Pullovers vom Kopf, nicht aber die Sonnenbrille.

Alex W. folgte der Verhandlung weitgehend teilnahmslos, sein Gesicht verbarg er hinter den Händen. Blicke in den Zuschauerraum und zur gegenüberliegenden Nebenklägerbank, wo Okaz und Marwa al-Schirbinis Bruder Tarek mit ihren Anwälten aus Deutschland und Frankreich saßen, mied er.

Der Staatsanwalt warf W. in der Anklageschrift vor, Schirbini aus Heimtücke und niederen Beweggründen getötet und versucht habe, einen weiteren Menschen zu töten.

"Der Angeklagte wusste, dass die beiden keinen Angriff erwarteten und ihm hilflos ausgesetzt waren", so der Staatsanwalt zum Geschehen am 1. Juli. Die Tat sei durch die räumliche Enge des Gerichtssaales begünstigt worden. Alex W. "nutzte bewusst diese Umstände aus, um aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems, denen er kein Lebensrecht zubilligt, das Leben der beiden auszulöschen".

pad/dpa/AP/AFP



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Seite 1
tomac_stamp, 26.10.2009
1. Unverständlich
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Ehrlich gesagt verstehe ich es überhaupt nicht, wie jemand bei seinem eigenen Prozess bewaffnet in einen Gerichtssaal kommen und ganz in Ruhe und genüsslich eine Person niedermetzeln kann. So teuer können Metalldetektoren doch nicht sein, oder? Und wo war die Polizei? Man liest wenig darüber und statt dessen viel von der angestachelten und unverhältnismäßigen Empörung in Ägypten. Dass man jetzt so eine Heckmeck veranstalten muss um einen Durchgeknallten zu beschützen und den eigenen guten Ruf zu waren, hat man sich selbst zuzuschreiben! Und wer kümmert sich eigentlich um die Familie des Opfers?
trendy_randy 26.10.2009
2. Rechtsstaat
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Wie heißt es doch gleich: 80% glauben an den Rechtsstaat; 20% haben schon mit ihm zu tun gehabt.
newright 26.10.2009
3. Presse neutralität
"Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?" Scheinbar nicht mehr. Hauptsache im letzten Satz die arabische Rhetorik eingeführt. Vielleicht ist das Schariagesetz ja viel fairer. Lasst uns Dieben die Hand abhaken und Frauen die Hosen tragen auspeitschen. Die Scharia-Leute haben überhaupt kein Recht zu urteilen. Aber wie immer die deutsche Justiz kuscht vor den arabischen Massen.
donbilbo 26.10.2009
4. Oh
Natürlich ist das Recht in deutschen Gerichtssälen nicht mehr sicher. Schliesslich werden pro Jahr nur 10(00000) Verhandlungen in ganz Deutschland geführt und wenn dann alle 60 Jahre bei einer simplen Verhandlung jemand im Gericht zu Schaden kommt, ist das ein Skandal. Genauso unsicher wie deutsche Krankenhäuser. Täglicher Ärztepfusch... Flugzeuge, ständig stürzen sie ab... Hochhäuser, ständig fliegen Flugzeuge in sie... Atomkraft, andauernd Unfälle mit tausenden Toten... Nazis, kein Tag ohne ermordete Migranten... Klimawandel, die Gefahr in einer Sintflut zu ertrinken, im Winter von 40 Grad Gluthitze gegrillt zu werden oder ein kinderkopfgrosses Hagelkorn auf den Kopf zu bekommen war noch nie so gross... Internet, man muss nur online gehen schon wird man ausgeraubt, betrogen oder mit Kinderpornos traumatisiert... Als Deutscher also am besten einen ausländischen Vormund beantragen der einen durch die ständigen Gefahren begleitet und im Zweifelsfall für sämtliche (natur)Ereignisse die Verantwortung übernehmen muss.
Daniel Freuers, 26.10.2009
5.
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Die Frage erübrigt sich doch von selbst bei Einsatz von Scharfschützen, Spezialeinsatzkräften usw. Wir haben zu unseren Gästen eben vollstes Vertrauen, ....erinnert mich irgendwie an Baader-Meinhof Zeiten
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