Dresdner Messerstecher Haftbefehl wegen Mordes erlassen

Er stach mehr als 18-mal auf sein Opfer ein: Gegen den 28 Jahre alten Angreifer aus dem Dresdner Landgericht ist Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden. Die Ermittler schließen einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat nicht aus.


Dresden - Es war ein Berufungsverfahren wegen Beleidigung, das vor dem Dresdner Landgericht eskalierte: 18-mal stach der Angeklagte auf sein Opfer ein, die Frau erlag noch im Gerichtsgebäude ihren schweren Verletzungen. Gegen den 28-Jährigen wurde nun Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Der Mann hatte die Frau im vergangenen Jahr auf einem Spielplatz beschimpft und war zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden. Bei der Berufungsverhandlung wollte er nun einen Freispruch erreichen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft trat er bei der Hauptverhandlung im Amtsgericht diszipliniert auf, zeigte sich aber uneinsichtig. Warum er nun ausrastete, ist bislang unklar.

Der sächsische Polizeipräsident Bernd Merbitz sagte, es gebe Anhaltspunkte, dass die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe. Er verwies darauf, dass es sich bei dem Opfer um eine Muslimin handelt. Das Landeskriminalamt werde daher auch in diese Richtung ermitteln.

Der mutmaßliche Täter, ein deutscher Staatsbürger russischer Herkunft, sollte noch im Laufe des Donnerstags dem Haftrichter vorgeführt werden.

Vor einem Jahr soll der Angeklagte die aus Ägypten stammende Frau in Dresden als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft haben, nachdem sie ihn für ihr kleines Kind um einen Platz auf einer Schaukel gebeten hatte. Bislang habe der Mann sich nicht zur Tat geäußert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der Beschuldigte verletzte auch den Ehemann seines Opfers mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich, sein Zustand ist noch immer kritisch.

Bei der Überwältigung des mutmaßlichen Täters habe ein Beamter der Bundespolizei zudem versehentlich auf den 32-jährigen Ehemann des Opfers geschossen, weil er ihn zunächst für den Angreifer hielt. Er war herbeigeeilt, um seine Frau in zu schützen.

Die Frau hinterlässt einen dreijährigen Sohn. Nach einem Bericht der "Dresdner Morgenpost" soll sie außerdem im dritten Monat schwanger gewesen sein.

Wie sicher sind deutsche Gerichte?

Einen Tag nach der Bluttat entbrannte eine Debatte über die Sicherheit an Gerichten. Der sächsische Justizminister Geert Mackenroth, CDU, erklärte, "nach allem, was wir bisher wissen, waren in dem tragischen Fall am Landgericht Dresden keine besonderen Sicherheitsrisiken erkennbar". Er kündigte zugleich die Überprüfung der Sicherheitsstandards an Gerichten im Freistaat an, warnte aber vor vorschnellen Maßnahmen. Diese würden allenfalls eine trügerische Sicherheit bringen.

Mackenroth schloss nicht aus, dass Sicherheitsschleusen in sächsischen Gerichten künftig häufiger als bislang zum Einsatz kommen. Darüber sollte aber erst gesprochen werden, wenn der Hintergrund der Tat und die Persönlichkeit des Täters aufgeklärt seien. An Gerichten im Freistaat gibt es generell keine Personenkontrollen. Sie werden nur bei Hinweisen auf eine mögliche Gefährdung im Einzelfall angeordnet.

Der Deutsche Richterbund sprach von einer "insgesamt verbesserungswürdigen" Situation. Der sächsische Richterverein und die Strafverteidigervereinigung forderten schärfere Sicherheitsvorkehrungen insbesondere in größeren Städten.

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Christoph Frank, sagte im ZDF, zwar gebe es bundesweit vor allem in vielen Großstädten bereits Sicherheitskontrollen wie am Flughafen, dies sei aber nicht bei allen Gerichten möglich.

han/APD/ddp/AP

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