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Drogenhandel: Freispruch im Bremer "Brechmittel-Prozess"

Er hatte einem mutmaßlichen Dealer Brechmittel und Wasser eingeflößt, um an verschluckte Drogenportionen zu kommen: Das Landgericht Bremen hat einen Arzt freigesprochen, obwohl es dessen Fehler als ursächlich für den Tod eines mutmaßlichen Kokainkuriers wertete. Im Gerichtssaal kam es zu Tumulten.

Bremen - Als der Richter im sogenannten Bremer "Brechmittel-Prozess" den Freispruch verkündete, gab es lauten Protest im Gerichtssaal. "Das ist Mord", schrien einige Zuschauer und entrollten ein Plakat. Der 44-jährige Mediziner hatte am 27. Dezember 2004 im Auftrag der Polizei einem mutmaßlichen Drogendealer Brechmittel über eine Sonde eingeflößt. Der 35-Jährige aus Sierra Leone fiel ins Koma und starb wenige Tage später.

Der Einsatz des Brechmittels durch den Mediziner war nach Ansicht der Kammer objektiv Auslöser für den Tod des Mannes im Jahr 2004, sagte ein Gerichtssprecher. Subjektiv seien die Folgen für den wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Arzt aber nicht vorhersehbar gewesen. Der Mann sei schlicht zu schlecht ausgebildet und unerfahren gewesen, um die Folgen seines Handelns abzusehen, urteilte das Gericht.

Ein erfahrener Arzt hätte nach Ansicht der Gerichts den Einsatz abgebrochen. Der Angeklagte "war weit entfernt von dem Leitbild eines erfahrenen Facharztes", sagte Richter Bernd Asbrock. Es sei ein organisatorischer Mangel, dass Bremen diesem Mediziner eine solche Aufgabe übertragen habe.

Mit dem Freispruch folgte das Gericht den Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Allerdings hatten diese argumentiert, dass nicht klar sei, ob die Fehler des Arztes für den Tod verantwortlich waren, weshalb er freizusprechen sei.

Die Angehörigen des toten Afrikaners hatten als Nebenkläger eine Verurteilung gefordert. Sie erwägen, Revision einzulegen.

Nach dem Freispruch kam es im Gerichtssaal zu Protesten einiger Zuschauer und kurzen Tumulten. Die Protestierenden wurden daraufhin von Polizisten aus dem Saal gebracht.

han/AFP/dpa

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