Bandenkrieg: Polizeichef mexikanischer Grenzstadt ist verschwunden

Der Polizeichef der mexikanischen Grenzstadt Nuevo Laredo ist verschwunden. Zwei seiner Brüder wurden Medienberichten zufolge erschossen im Kofferraum eines Autos aufgefunden. In der Region tobt seit Anfang des Jahres ein blutiger Bandenkrieg.

Mexiko-Stadt - Nuevo Laredo gilt als eine Hochburg des Rauschgiftkartells Zetas. Seit Anfang des Jahres tobt in der mexikanischen Grenzstadt, die gegenüber der texanischen Stadt Laredo liegt, ein blutiger Bandenkrieg. Nun ist der Polizeichef von Nuevo Laredo verschwunden. Polizeichef Roberto Balmori Garza werde seit dem Wochenende vermisst, teilte die Staatsanwaltschaft des mexikanischen Staates Tamaulipas am Montag mit.

Örtliche Medien berichteten außerdem, dass zwei von Garzas Brüdern getötet worden seien. Die beiden sollen demnach erschossen im Kofferraum eines Autos aufgefunden worden sein. Einer der Brüder sei ein Bundesermittler gewesen. Die Berichte über den Tod der Brüder konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Sie habe Ermittlungen aufgenommen.

Vor zwei Jahren waren in Nuevo Laredo Balmori Garzas Vorgänger, ein pensionierter General, und zwei seiner Leibwächter erschossen worden. Die für ihre Brutalität berüchtigten Zetas bekämpfen seit Anfang 2010 ihre einstigen Verbündeten, das Golf-Kartell, im Nordosten Mexikos.

Drogenbanden verbreiten seit langem Angst und Schrecken in Mexiko. Im Kampf gegen die Drogenkartelle wurden 2006 rund 50.000 Soldaten im ganzen Land stationiert. Seither starben mehr als 70.000 Menschen bei skrupellosen Revierkämpfen.

Im Bundesstaat Guerrero greifen Bürgerwehren nun zur Selbstjustiz: Sie gehen Streife, nehmen Verdächtige fest und lassen diese von eigenen Gerichten aburteilen. "Es gibt kein anderes Mittel", sagen sie.

siu/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Wahnsinnig interessant
Stelzi 19.02.2013
Klingt ja fast wie der Plot eines schlechten Hollywood Streifens.
2.
247spyz 19.02.2013
Schön, dass Sie 70.000 tote Menschen "wahnsinnig interessant" finden und mit Hollywood in Verbindung bringen...wie mitfühlend....
3. So ist das...
vhe 19.02.2013
Zitat von sysopDer Polizeichef der mexikanischen Grenzstadt Nuevo Laredo ist verschwunden. Zwei seiner Brüder wurden Medienberichten zufolge erschossen im Kofferraum eines Autos aufgefunden. In der Region tobt seit Anfang des Jahres ein blutiger Bandenkrieg.
wenn eine Kultur an ihren eigenen Ansprüchen scheitert. Rechte, wie das auf die Unschuldsvermutung oder einen fairen Prozess muß man sich leisten können und ein paar schwerbewaffnete Verbrecherbanden können das ganz schnell kippen lassen. Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, das mit der Zentralregierung zu lassen und das Land in eine Ansammlung befestige Kibbuz-artige Dörfer zerfallen zu lassen. Oder man guckt sich an, wie damals im Vietnamkrieg die Bäuerinnen mit der Kalashnikow auf dem Rücken ihre Felder bestellt haben. Vielleicht noch ein paar USAF Hubschrauber- oder Drohnenstützpunkte, die auf Anforderung der Dörfler Luftunterstützung geben. In Mexiko wäre so ein Einsatz mit Sicherheit sinnvoller als in Afghanistan und vermutlich auch beliebter.
4. EU-Waffenlieferungen
Pelao 19.02.2013
Eigentlich ist jetzt der Zeitpunkt, in der EU über Waffenlieferungen an die Rebellen und Kämpfer in Mexiko zu diskutieren. Vielleicht kommt dann ja auch der mexikanische Frühlung (Pelao aus Mexiko).
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Mexiko: Opfer und Täter im Drogenkrieg

Mexikos Kartelle
Sinaloa-Kartell
Das Sinaloa-Kartell ist eine der mächtigsten Organisationen in Mexiko und Lateinamerika. Sie kämpft erbittert gegen das Juárez-Kartell, um die Kontrolle über die Grenzstadt Ciudad Juárez zu den USA zu übernehmen. Legendäre Führungsfigur ist Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", dem 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang und der es vergangenes Jahr mit seinem Milliardenvermögen auf Platz 41 der 67 "mächtigsten Menschen der Welt" des US-Magazins "Forbes" schaffte. Nachdem er 13 Jahre im Untergrund lebte, konnte "El Chapo" im Februar 2014 von der mexikanischen Polizei geschnappt werden.
Golf-Kartell
Das berüchtigte Golf-Kartell aus dem Bundesstaat Tamaulipas war einst die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos, ist nun durch die Abspaltung der Zeta-Bande geschwächt. Außerdem wurden zahlreiche Mitglieder festgenommen.
Los Zetas
Los Zetas ist eine der mächtigsten und brutalsten Organisationen. Sie ist an der mexikanischen Golfküste aktiv und soll für viele Hunderte Tote verantwortlich sein. Sie besteht aus ehemaligen Drogenbekämpfern der Polizei und des Militärs, die zunächst zum Golf-Kartell überliefen und dann ihr eigenes Kartell gründeten. Sie befinden sich in einem blutigen Machtkampf gegen das Golf- und Sinaloa-Kartell und La Familia.
Juárez-Kartell
Das Juárez-Kartell aus der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Chihuahua firmiert auch unter dem Namen "Allianz des goldenen Dreiecks". Es wurde 1997 gegründet und hat wegen der andauernden Kämpfe gegen das Sinaloa-Kartell in den vergangenen Jahren stark an Einfluss verloren.
Tijuana-Kartell
Das Tijuana-Kartell im äußersten Nordwesten Mexikos ist dafür bekannt, ausgezeichnete Kontakte zu hochrangigen Vertretern von Sicherheitskräften und Justiz zu pflegen. Es wurde 1989 von der Familie Arellano Felix gegründet. Nun kämpft die Organisation um die Kontrolle in Tijuana. Die Führung ist geschwächt, 2008 spaltete sich die Organisation in zwei Flügel. Einer der Chefs, Eduardo Teodoro García Simental alias "El Teo", wurde im Januar gefasst.
Beltrán-Leyva-Organisation
Das Einflussgebiet der Beltrán-Leyva-Organisation erstreckt sich vor allem an der Pazifikküste. Die Gruppe hat sich 2008 von dem Sinaloa-Kartell abgespalten, ihre Macht wuchs. Doch seit Ende 2009 ist die Organisation geschwächt durch die Ermordung von zwei der fünf Beltrán-Leyva-Brüder. So starb Arturo Beltrán-Leyva (genannt "Boss der Bosse") in einem Gefecht mit Sicherheitskräften.
La Familia Michoacana
La Familia stammt aus dem Bundesstaat Michoacán, operiert aber in vielen weiteren Regionen. 2006 spaltete sich La Familie von Golf-Kartell und Los Zetas ab, mit denen es heute konkurriert und sich heftig bekämpft. La Familia ist bekannt für Enthauptungen und ihre quasi-religiöse Ideologie. Eine Führungsfigur heißt "El Más Loco" - der Verrückteste. (Quelle: World Drug Report 2010, Stratfor)
Fotostrecke
Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg