Drogenkrieg in Mexiko: Erstickt und verbrannt in der Spielhölle

Von , Mexiko-Stadt

Es war der bislang verheerendste Anschlag auf die Zivilbevölkerung im brutalen mexikanischen Drogenkrieg: Rund ein halbes Dutzend Männer überfiel in Monterrey ein Casino, vergoss Benzin und ließ das Gebäude in Flammen aufgehen. 53 Menschen starben, die meisten an Rauchvergiftungen.

Es war am hellichten Tag, kurz nach 15 Uhr, als die Mörder vorfuhren. Das Casino Royale in Mexikos Vier-Millionen-Metropole Monterrey war wie jeden Tag um diese Uhrzeit gut besucht. Rund ein halbes Dutzend Männer stieg aus Pick-ups und SUV. Die Männer hatten Benzinkanister in den Händen, Flüche auf den Lippen und drangen in die Spielhölle ein. Die meisten Gäste an den Poker- und Bingotischen, den einarmigen Banditen und dem Roulette erstarrten vor Schreck. Andere flohen auf die Toiletten und drückten sich in die Ecken, während die Angreifer Benzin ausgossen, Handgranaten zündeten und das zweistöckige Casino in Flammen aufgehen ließen.

Vorläufige Bilanz: 53 Tote. Schaden in Millionenhöhe und ein Land in Schockstarre.

Es war der verheerendste Anschlag auf die Zivilbevölkerung, seit Präsident Felipe Calderón vor fünf Jahren den Krieg gegen die Kartelle ausrief. "Das ist ein sehr trauriger Abend für Mexiko", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Alejandro Poiré, in einer landesweit übertragenen Rede im mexikanischen Fernsehen. "Es ist ein Terroranschlag ungeheuren Ausmaßes."

Der Anschlag trägt die Handschrift des organisierten Verbrechens. In Monterrey, der drittgrößten Stadt Mexikos, kämpfen das Golf-Kartell und die Zetas erbittert um die Hoheit. Beide Mafiabanden erpressen Schutzgelder und zwingen die Bar- und Kneipenbesitzer, in ihren Etablissements Drogen zu verkaufen.

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Fotostrecke: Mit Handgranaten gegen Spieler
Wenn sich ein Wirt weigert, wird sein Geschäft überfallen, werden Gäste und Angestellte ermordet. Am 2. Juli hatten mutmaßlich Pistoleros des Golf-Kartells das Striptease-Lokal Sabino Gordo im Stadtzentrum Monterreys überfallen und 21 Menschen ermordet. Der Wirt hatte die Zetas in seinem Vergnügungsschuppen Drogen verkaufen lassen.

Mehr als 40.000 Tote - Drogenbosse, Pistoleros, Unschuldige

Bei dem Anschlag auf das Casino Royale am Donnerstag starben ersten Ermittlungen zufolge die meisten Opfer an Rauchvergiftungen auf den Toiletten und in den Büros. Ausgerechnet in den Räumen, in denen sie sich sicher wähnten vor den Mördern. Der Brand konnte erst nach drei Stunden gelöscht werden. Die Feuerwehr riss die Mauern des Gebäudes ein, um leichter zu den Eingeschlossenen vorzudringen. Die Rettungskräfte konnten aber fast nur noch Tote bergen. Der Einsatzleiter Ángel Flores sagte, man habe Dutzende Menschen erstickt auf den Toiletten gefunden. Manche hätten offensichtlich noch versucht, über Handy Hilfe zu holen.

Der Zeitung "El Norte" sagte eine Überlebende, die Gäste des Casinos hätten in Panik zu fliehen versucht. Viele seien dabei niedergetrampelt worden. "Die Angreifer zielten auf uns und sagten, wir sollten verschwinden, sonst würden wir mit zum Teufel gehen. Der Notausgang war viel zu klein und ich sah viele, die hinfielen und das Bewusstsein verloren."

Das Casino, das zur gleichnamigen Gruppe Royale gehört, war erst vor drei Jahren eröffnet worden. Die Spielcasinos sind gerade in Monterrey und anderen Städten im Norden Mexikos in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Behörden verdächtigen die Drogenkartelle, in den Vergnügungsgeschäften das Geld aus dem Handel mit Drogen und anderen Schmuggelwaren zu waschen.

Mexikos Regierung führt seit Ende 2006 einen aussichtslosen Kampf gegen die Drogenkartelle des Landes. Präsident Calderón hat Zehntausende Soldaten und Bundespolizisten in die Schlacht gegen die Mafiosi geworfen. Das Resultat ist verheerend. Mehr als 40.000 Tote - Drogenbosse, Dealer, Pistoleros, Soldaten und Polizisten. Zunehmend wird die Zivilbevölkerung in diesen Krieg hineingezogen, in dem keine Seite mehr Rücksicht auf Verluste nimmt. Immer mehr Unschuldige sterben, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind oder schlicht bei Rachefeldzügen der Mafia-Mörder verwechselt werden.

Monterrey schien immun gegen das Durcheinander des Drogenkriegs

Seit einem Jahr ist vor allem Monterrey Schauplatz grausiger Morde. Vergangenes Jahr zählten die Behörden hier 828 Mordopfer im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität. Dies entsprach einem Anstieg von 210 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis Juli 2011 starben in der Metropole und den angrenzenden Gemeinden bereits mehr als tausend Menschen einen gewaltsamen Tod, ungefähr so viele wie in Afghanistan.

Ausgerechnet Monterrey. Die Stadt ist das wirtschaftliche Herz Mexikos. Sie steht wie keine andere des nordamerikanischen Landes für den Aufstieg Mexikos zur 14. größten Wirtschaftsmacht der Welt. Monterrey ist einer der wichtigsten Industriestandorte Lateinamerikas, Dienstleistungszentrale und Handelszentrum. Hier haben Bierbrauer, Banken und global tätige Baustoffmultis wie Cemex ihre Heimat. Der globale Automobilzulieferer Nemak stammt aus Monterrey, genauso wie Stahlfirmen und Glashersteller.

Die Stadt, rund 200 Kilometer von der US-Grenze entfernt, war über Jahrzehnte Inbegriff von Lebensqualität, Sicherheit und Prosperität, scheinbar immun gegen das Durcheinander im Rest des Landes. Aber seit Zetas und Golfos, zwei der brutalsten Mafiabanden Mexikos, hier um die Macht kämpfen und sich um Reviere und Routen für ihr Rauschgift streiten, liegt die Stadt in einer kollektiven Depression.

Lorenzo Zambrano, CEO des Zementkonzerns Cemex, fürchtet nicht nur um seine Stadt, sondern sein Land: "Wir können nicht erlauben, dass Monterrey vollständig in die Hände des organisierten Verbrechens fällt. Wenn wir Monterrey verlieren, ist auch Mexiko verloren."

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1. Ratzinger on Tour!
overcomer 26.08.2011
Zitat von sysopEs war der bislang verheerendste Anschlag auf die Zivilbevölkerung im brutalen mexikanischen Drogenkrieg: Rund ein halbes Dutzend Männer überfielen in Monterrey ein Casino, vergossen Benzin und ließen das Gebäude in Flammen aufgehen. 53 Menschen starben, die meisten an Rauchvergiftungen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,782541,00.html
Wie wäre es denn, wenn Ratzinger mal zur Abwechslung seinen selbsternannten und -auferlegten Pflichten nach ginge, anstatt sich in Europa wie wie ein Popstar feiern zu lassen. Warum ist diese elende Kirche und ihr reaktionnäres Oberhaupt nicht dort, wo ihre Schäfchen sie brauchen, warum nicht dort, wo es nichts zu holen gibt? Zum Beispiel in Mexiko: 87 % der Mexikaner sind Katholiken.
2. traurig
brotzeitholer 26.08.2011
ich frag mich wie viele noch sterben müssen, bis wir begreifen dass wir mit unserer drogenpolitik auf auf dem holzweg sind! schärfere gesetze führen nur zu höheren gewinnen bei der mafia, da dies den preis auf dem drogenmarkt erhöht. weniger wirds dadurch nicht. wir würden der mafia weltweit den großteil ihres geschäfts zerstören, wenn wir den drogenhandel den ärzten und apotheken überlassen. zumindest für die ganzen abhängigen.
3. .
GlenMoray 26.08.2011
Zitat von brotzeitholerich frag mich wie viele noch sterben müssen, bis wir begreifen dass wir mit unserer drogenpolitik auf auf dem holzweg sind! schärfere gesetze führen nur zu höheren gewinnen bei der mafia, da dies den preis auf dem drogenmarkt erhöht. weniger wirds dadurch nicht. wir würden der mafia weltweit den großteil ihres geschäfts zerstören, wenn wir den drogenhandel den ärzten und apotheken überlassen. zumindest für die ganzen abhängigen.
Genau! Dann sagen bestimmt alle Mafiosi "Och Menno!", gehen friedlich nach Hause und spielen Playstation für den Rest ihres Lebens.
4. Absolut richtig
Mark (London) 26.08.2011
Zitat von brotzeitholerich frag mich wie viele noch sterben müssen, bis wir begreifen dass wir mit unserer drogenpolitik auf auf dem holzweg sind! schärfere gesetze führen nur zu höheren gewinnen bei der mafia, da dies den preis auf dem drogenmarkt erhöht. weniger wirds dadurch nicht. wir würden der mafia weltweit den großteil ihres geschäfts zerstören, wenn wir den drogenhandel den ärzten und apotheken überlassen. zumindest für die ganzen abhängigen.
Dem kan ich nur beipflichten. Drogen sollten eine Zeitlang umsonst angeboten werden, made in the USA und sonstwo. Dann löste sich das Geschäft der Drogenkartelle über Nacht in Luft auf. Und ohne Geld, auch keine Waffen. Dann löst die Armee die Bandenstrukturen auf - und der Spuk ist vorbei.
5. Reizender Titel
derMaulheld 26.08.2011
taz.de: 53 Tote bei Anschlag auf Spielkasino zeit.de: Viele Tote durch Mordanschlag in Casino SpOn: Erstickt und verbrannt in der Spielhölle Eure Headlines erinnern immer mehr an die Springerpresse... schade, war schon mal besser.
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Mexikos Kartelle
Sinaloa-Kartell
Das Sinaloa-Kartell ist eine der mächtigsten Organisationen in Mexiko und Lateinamerika. Sie kämpft erbittert gegen das Juárez-Kartell, um die Kontrolle über die Grenzstadt Ciudad Juárez zu den USA zu übernehmen. Legendäre Führungsfigur ist Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", dem 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang und der es vergangenes Jahr mit seinem Milliardenvermögen auf Platz 41 der 67 "mächtigsten Menschen der Welt" des US-Magazins "Forbes" schaffte. Nachdem er 13 Jahre im Untergrund lebte, konnte "El Chapo" im Februar 2014 von der mexikanischen Polizei geschnappt werden.
Golf-Kartell
Das berüchtigte Golf-Kartell aus dem Bundesstaat Tamaulipas war einst die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos, ist nun durch die Abspaltung der Zeta-Bande geschwächt. Außerdem wurden zahlreiche Mitglieder festgenommen.
Los Zetas
Los Zetas ist eine der mächtigsten und brutalsten Organisationen. Sie ist an der mexikanischen Golfküste aktiv und soll für viele Hunderte Tote verantwortlich sein. Sie besteht aus ehemaligen Drogenbekämpfern der Polizei und des Militärs, die zunächst zum Golf-Kartell überliefen und dann ihr eigenes Kartell gründeten. Sie befinden sich in einem blutigen Machtkampf gegen das Golf- und Sinaloa-Kartell und La Familia.
Juárez-Kartell
Das Juárez-Kartell aus der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Chihuahua firmiert auch unter dem Namen "Allianz des goldenen Dreiecks". Es wurde 1997 gegründet und hat wegen der andauernden Kämpfe gegen das Sinaloa-Kartell in den vergangenen Jahren stark an Einfluss verloren.
Tijuana-Kartell
Das Tijuana-Kartell im äußersten Nordwesten Mexikos ist dafür bekannt, ausgezeichnete Kontakte zu hochrangigen Vertretern von Sicherheitskräften und Justiz zu pflegen. Es wurde 1989 von der Familie Arellano Felix gegründet. Nun kämpft die Organisation um die Kontrolle in Tijuana. Die Führung ist geschwächt, 2008 spaltete sich die Organisation in zwei Flügel. Einer der Chefs, Eduardo Teodoro García Simental alias "El Teo", wurde im Januar gefasst.
Beltrán-Leyva-Organisation
Das Einflussgebiet der Beltrán-Leyva-Organisation erstreckt sich vor allem an der Pazifikküste. Die Gruppe hat sich 2008 von dem Sinaloa-Kartell abgespalten, ihre Macht wuchs. Doch seit Ende 2009 ist die Organisation geschwächt durch die Ermordung von zwei der fünf Beltrán-Leyva-Brüder. So starb Arturo Beltrán-Leyva (genannt "Boss der Bosse") in einem Gefecht mit Sicherheitskräften.
La Familia Michoacana
La Familia stammt aus dem Bundesstaat Michoacán, operiert aber in vielen weiteren Regionen. 2006 spaltete sich La Familie von Golf-Kartell und Los Zetas ab, mit denen es heute konkurriert und sich heftig bekämpft. La Familia ist bekannt für Enthauptungen und ihre quasi-religiöse Ideologie. Eine Führungsfigur heißt "El Más Loco" - der Verrückteste. (Quelle: World Drug Report 2010, Stratfor)

Fotostrecke
Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg

Fläche: 1.964.375 km²

Bevölkerung: 113,423 Mio.

Hauptstadt: Mexiko-Stadt

Staats- und Regierungschef: Enrique Peña Nieto

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