Mexiko-Stadt - Die mexikanischen Behörden haben den mutmaßlichen Anführer der gefürchteten Bande "Mano con Ojos" ("Hand mit Augen") festgenommen. Die in die Drogenkriminalität verwickelte Bande wurde nach Behördenangaben in Guatemala trainiert und soll in Mexiko mehr als 900 Menschen ermordet haben. Allein im Bereich der mexikanischen Hauptstadt soll Oscar García Montoya, alias "Carlos", "Ricardo" oder "El Compayito" selbst 20 Menschen getötet und enthauptet haben.
Die mexikanische Polizei präsentiert immer wieder spektakuläre Festnahmen - doch der blutige Drogenkrieg tobt unvermindert weiter. Seitdem Präsident Felipe Calderón nach seinem Amtsantritt im Dezember 2006 eine groß angelegte Militäroffensive gegen die rivalisierenden Drogenbanden ausrief, wurden nach Angaben der Behörden landesweit mehr als 41.000 Menschen getötet. Tatsächlich sind es jedes Jahr mehr Tote. Im vergangenen Jahr wurden 15.273 Menschen ermordet.
Eine wirkliche Lösung für den Konflikt scheint nicht in Sicht. Kritiker Calderóns argumentieren, dass sich mit jedem getöteten Bandenchef der Krieg der Kartelle untereinander verschärft. Anfang August hatten die Fahnder einen weiteren Boss festgesetzt, der 1500 Morde in Auftrag gegeben haben soll.
Nun also wurde García Montoya gefasst, ein ehemaliger Soldat der Marine. Er habe in ersten Erklärungen bereits gestanden, im ganzen Land 600 Morde selbst ausgeführt oder angeordnet zu haben, teilte der Staatsanwalt des Staates Mexiko, Alfredo Castillo, am Donnerstagabend (Ortszeit) weiter mit. Demnach war der 36-jährige Bandenchef in der Nacht zum Donnerstag in Tlalpan, einem Stadtteil im Süden von Mexiko-Stadt, festgenommen worden. Er habe geplant, an diesem Wochenende sechs Mitglieder seiner Organisation zu enthaupten, weil diese die kriminelle Gruppe verlassen wollten.
Bei dem Polizeieinsatz am Donnerstag drangen die Beamten im Süden der mexikanischen Hauptstadt zunächst irrtümlich in das Haus des bekannten Dichters Efraín Bartolomé und seiner Frau, der Schriftstellerin Guadalupe Belmontes, sowie in die Häuser mehrerer Nachbarn ein, wie das Ehepaar der Nachrichtenagentur AFP sagte. Castillo entschuldigte sich später bei der Familie und sagte, es habe "einige Fehler" bei dem Einsatz gegeben.
ffr/dpa/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Justiz | RSS |
| alles zum Thema Mexiko | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH