Drohung zum Nikolaustag Toter 18-Jähriger - keine Hinweise auf Amoktat

Intensiv war im Zuge der Amoklauf-Warnungen nach ihm gefahndet worden. Dann fand man Johannes F.s Leiche in einem Wald - dem Augenschein nach Selbstmord. Jetzt stellt sich heraus: Der 18-Jährige war vermutlich nicht derjenige, der im Web eine Bluttat an einer Schule in Offenburg angekündigt hatte.


Offenburg - Er war allein unterwegs, weg von Zuhause, eine scharfe Waffe im Gepäck, die Polizei auf seinen Fersen. Und er war, so befürchtete sein Vater, suizidgefährdet.

Seine letzte Nachricht hatte der junge Mann am Dienstagabend per Handy-Kurzmitteilung einem Freund geschickt: "Ich gehe morgen nicht zur Schule. Es geht mir dreckig." Auf die Antwort seines Freundes hatte Johannes F. nicht mehr reagiert. Sein Handy war bereits ausgeschaltet.

Am Mittwochnachmittag wurde Johannes F. von der Offenburger Polizei im "Haargarten", einem Waldstück bei Meißenheim, entdeckt. Der Jugendliche hatte sich erschossen - mit einer Waffe aus dem Zweiten Weltkrieg, die sein verstorbener Großvater seinem Vater vermacht hatte.

Jetzt stellt sich heraus: Die Polizei sieht keine Verbindung zwischen dem für den Nikolaustag angedrohten Amoklauf an einer Schule in Baden-Württemberg und Johannes F., der sich in der Nähe von Offenburg umgebracht hat. Der Jugendliche sei vermutlich nicht der Verfasser der Amoklauf-Drohung im Internet, sagte ein Polizeisprecher in Offenburg. Die Auswertung des Computers des Schülers habe keine Hinweise auf eine mögliche Gewalttat ergeben. Sogenannte Killerspiele seien auch nicht gefunden worden.

Rund 300 Polizisten hatten gestern nach dem Jugendlichen gefahndet, weil sie einen möglichen Amoklauf befürchteten und der Vater seinen Sohn als vermisst gemeldet hatte. Spezialkräfte und Hubschrauber waren im Einsatz. In Offenburg und Umgebung herrschte Ausnahmezustand.

Die Polizei beschlagnahmte den Computer von Johannes F. und begann bereits während der Fahndung nach ihm mit der Suche nach Hinweisen, ob der junge Mann die Drohung in einem Internetchat verfasst hat. Während der Suche wurde bekannt, dass der Junge ein introvertierter Einzelgänger war und Probleme in der Schule hatte. Sein Vater sagte, er habe in letzter Zeit den Eindruck gemacht, dass er sich etwas antun wolle.

Seine Familie, die in einer kleinen Gemeinde im Ortenaukreis lebt, wird psychologisch betreut.

jjc/dpa



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