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Nach Skandalurteil: Dubai begnadigt vergewaltigte Norwegerin

Marte Deborah Dalelv in Dubai: Fragen zum Rechtssystem Dubais aufgeworfen Zur Großansicht
REUTERS

Marte Deborah Dalelv in Dubai: Fragen zum Rechtssystem Dubais aufgeworfen

Ihr Fall hatte in der westlichen Welt für Entsetzen gesorgt: Marte Deborah Dalelv wurde in Dubai zu 16 Monaten Haft verurteilt, nachdem sie ihre eigene Vergewaltigung angezeigt hatte. Jetzt wurde die 24-Jährige begnadigt - wohl auch auf Druck der norwegischen Regierung.

Dubai - Für Marte Deborah Dalelv endet ein Alptraum: 16 Monate sollte die Norwegerin in einem arabischen Gefängnis verbringen, nachdem sie ihre eigene Vergewaltigung bei der Polizei angezeigt hatte. Wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr war sie von einem Gericht zu der Haftstrafe verurteilt worden. Nachdem der Fall in den vergangenen Tagen teils heftige Reaktionen in der westlichen Welt hervorgerufen hatte, wurde Dalelv nun begnadigt.

Auf Anfrage bestätigte die Norwegerin, sie dürfe das Land verlassen. Das Büro der Staatsanwaltschaft in Dubai habe ihr ihren Reisepass zurückgegen; die Haftstrafe sei fallengelassen worden. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Von den Behörden in Dubai gab es zunächst keine Stellungnahme.

Verurteilt worden war Dalelv laut der Zeitung "Aftenposten" wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs, Meineids und Alkoholkonsums. Weder Polizisten noch Richter hätten der jungen Frau geglaubt, dass sie vergewaltigt worden sei, berichtete die norwegische Nachrichtenagentur NTB.

"Du weißt, dass dir niemand glauben wird"

Die 24-Jährige aus Tønsberg hatte offenbar seit 2011 für eine Inneneinrichtungsfirma in Katar gearbeitet. Sie sei im März nach einer Feier in Dubai gemeinsam mit Kollegen auf dem Rückweg in ein Hotel gewesen, sagte sie der Boulevardzeitung "Verdens Gang". Sie sei angetrunken gewesen, ein männlicher Kollege habe sie in sein Hotelzimmer gezerrt, statt sie in ihr eigenes zu bringen. Dort soll es zu der Vergewaltigung gekommen sein. Als Dalelv den Übergriff bei der Polizei angezeigt habe, habe man ihr gesagt: "Du weißt, dass dir niemand glauben wird." Dann sei sie festgenommen worden.

Laut NTB hatte Dalelv Berufung gegen das Urteil eingelegt. Bis zum Beginn des Verfahrens im September hatte sie ihren Pass abgeben müssen, blieb aber auf freiem Fuß.

Die Geschichte der jungen Frau hatte vor allem in Norwegen die Titelseiten beherrscht und Fragen zum Rechtssystem Dubais aufgeworfen. Überraschend deutlich hatte sich Norwegens Außenminister Espen Barth Eide zu Wort gemeldet: "Wir glauben, dass dies ein völlig inakzeptables Urteil ist, das den Menschenrechten und dem grundlegenden Rechtsverständnis widerspricht."

In den Vereinigten Arabischen Emiraten und einigen anderen Staaten mit islamischem Rechtssystem ist es für Frauen enorm schwer, eine Vergewaltigung vor Gericht nachzuweisen. Nötig ist entweder ein Geständnis des Täters oder die Aussage von mindestens vier männlichen Zeugen.

rls/dpa/AP

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