Mutmaßliche Vergewaltigung in Dubai "Eine Hochzeit würde den Strafrahmen mildern"

Seit Wochen sitzt eine österreichische Touristin in Dubai fest. Sie gibt an, vergewaltigt worden zu sein. Nun droht dem mutmaßlichen Opfer eine lange Haft - wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Nur eine Hochzeit mit dem Peiniger könnte das mögliche Strafmaß senken.

Von

Dubai: Österreicherin sitzt nach Vergewaltigung fest
DPA

Dubai: Österreicherin sitzt nach Vergewaltigung fest


Hamburg - Sie wollte für ein paar Tage Freunde in Dubai besuchen, Sonne tanken. Doch der Traumurlaub am Persischen Golf wurde für eine österreichische Touristin zum Horrortrip. Sie wurde nach eigenen Angaben in einer Parkgarage vergewaltigt. Seit die Polizei davon erfahren hat, muss sie jetzt auch noch eine Gefängnisstrafe fürchten - wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Der ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten streng verboten.

Wie die Zeitung "Gulf News" berichtet, verhören Dubais Strafverfolgungsbehörden die Österreicherin wegen des Vorfalls, der sich schon Anfang Dezember ereignete. Demnach lernte die Touristin aus Wien in der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels einen Mann aus dem Jemen kennen. Dieser bot ihr an, sie zu einer Party mitzunehmen. Kaum aber habe sich die Österreicherin in seinen Wagen gesetzt, habe der Mann die Türen versperrt und sie vergewaltigt. Die Frau habe um Hilfe geschrien, ihre Rufe seien durch die geschlossenen Fenster des Wagens aber kaum nach außen gedrungen. Als der Mann später die Türen entriegelte, flüchtete die Österreicherin laut "Gulf News" aus dem Auto und rannte zu einer Gruppe von Passanten, sie riefen die Polizei.

Der beschuldigte Jemenit stritt alle Vorwürfe ab. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, die Österreicherin habe sogar Geld von ihm dafür bekommen. Daraufhin beschlagnahmte die Polizei den Pass der 29-Jährigen und leitete Untersuchungen gegen sie ein. "Wenn es keine Vergewaltigung gewesen sein sollte, fällt der Vorfall in den Vereinigten Arabischen Emiraten unter das Strafrecht", sagte ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums zu SPIEGEL ONLINE.

"Einvernehmlicher außerehelicher Geschlechtsverkehr ist dort mit einer Strafe von mindestens einem Jahr bedroht." Zudem werde gegen die Wienerin wegen des Trinkens von Alkohol ermittelt. Hier sehe das Gesetz zwischen einem und sechs Monaten Haft vor.

Zusammenprall der Kulturen

Es wäre nicht der erste derartige Prozess in Dubai. Seit Jahren verurteilen Dubais Gerichte immer wieder Ausländer zu drakonischen Strafen wegen sexueller Handlungen und Alkoholkonsums.

Es ist das Resultat eines Zusammenpralls von Kulturen und Werten. Auf den ersten Blick wirkt Dubai liberal: Tausende westliche Fachkräfte wohnen in dem Wüstenemirat, Zehntausende Touristen kommen Tag für Tag hierher, man vergnügt sich in Nachtclubs, einige Hotelbars schenken großzügig Schnaps aus. Doch zugleich gilt in Dubai noch immer das islamische Rechtssystem, die Scharia. Das bekam vergangenes Jahr eine Norwegerin zu spüren, die ihre eigene Vergewaltigung anzeigte. Sie wurde wegen "Unzucht" zunächst zu 16 Monaten Haft verurteilt. Erst als Norwegens Regierung intervenierte, wurde die Strafe fallengelassen.

Laut "Gulf News" rieten örtliche Ermittler der Österreicherin, ihren möglichen Peiniger zu heiraten. "Wenn es keine Vergewaltigung war, würde eine Hochzeit den Strafrahmen mildern", sagte der österreichische Ministeriumssprecher SPIEGEL ONLINE. "Das ist ein völlig anderes Rechtsverständnis als bei uns." Die Touristin sei in Dubai nicht inhaftiert, dürfe aber das Land nicht verlassen. Sie werde von Anwälten vertreten, auch die österreichische Botschaft stehe ihr mit Rat zur Seite.

Die Polizei sucht nun nach Bildern einer Überwachungskamera in der Parkgarage. "Wenn die Frau vergewaltigt wurde, droht ihr keine Strafe", sagte der Sprecher. Die Untersuchung werde sich allerdings wohl noch mindestens bis Ende Februar hinziehen. Frühestens dann darf die Österreicherin zurück in ihre Heimat.



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.