Urteil in Düsseldorf Dreijähriger darf laut Richtern allein aufs Klo

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte einen kuriosen Fall zu entscheiden: Müssen Eltern ihr dreijähriges Kind ununterbrochen beobachten? Auch wenn sie es schon ins Bett gebracht haben?

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Ein dreijähriges Kind muss in einer geschlossenen Wohnung nicht dauerhaft unter Beobachtung stehen. Das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden. Die Aufsichtsperson müsse lediglich in Hörweite bleiben. In dem konkreten Fall ging es um einen Jungen, der beim Toilettengang eine Überschwemmung im Badezimmer auslöste. Seine Mutter muss dem Beschluss zufolge nicht für den entstandenen Wasserschaden haften.

Sie hatte ihren dreieinhalbjährigen Sohn demnach zu Bett gebracht. Das Kind sei jedoch unbemerkt wieder aufgestanden, um auf die Toilette zu gehen. Dabei benutzte es so viel Toilettenpapier, dass der Abfluss verstopfte. Zudem verhakte sich der Spülknopf, wodurch ununterbrochen Wasser nachlief. Es verteilte sich über den Boden und tropfte schließlich aus der Decke der darunterliegenden Wohnung.

Dabei entstand ein Schaden von 15.000 Euro. Die Wohngebäudeversicherung wollte einen Teil davon von der Mutter wiederhaben. Diese habe ihre Aufsichtspflicht verletzt.

Eltern müssen Dreijährigen nicht ununterbrochen beobachten

Das sahen Richter des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes anders: In einer geschlossenen Wohnung müssten Eltern ein dreijähriges Kind nicht ununterbrochen beobachten. Auch den Gang zur Toilette könne ein Dreijähriger allein bewältigen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe habe bereits 2009 in einem Urteil festgestellt, dass eine lückenlose Überwachung die Entwicklung des Kindes hemme.

Dass sich der Spülknopf verhakte, führe zu keinem anderen Ergebnis. Im Normalfall hätte das nur zu einem erhöhten Wasserverbrauch geführt. Zu der Überschwemmung sei es nur wegen der zusätzlichen Verstopfung der Toilette gekommen, heißt es in dem Beschluss.

Auch eine elterliche Kontrolle nach jedem Toilettengang sei nicht erforderlich. "Eine solche Absicherung würde dem Entwicklungszustand des dreieinhalb Jahre alten Kindes nicht mehr gerecht werden", befanden die Düsseldorfer Richter.

bbr/AFP/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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ned divine 24.07.2018
1. Wie bitte????
Das ist unerhört und unglaublich. Erstens geht kaum ein Dreijähriger nachts allein aufs Klo und was genauso wenig glaubwürdig ist, dass weder der eine noch der andere Elternteil nichts gehört haben will? Hallo, geht's noch? Ausser sie waren z.b. alkoholisiert oder ähnliches. Hätten die denn auch nix gehört, wenn das Kind auf die Fensterbank gestiegen wäre und rausgefallen oder aus der Haustüre spaziert? So ein Quatsch, bei den Richtern fragt man sich manchmal auch, was die so rauchen..... Aber egal, bezahlt werden sie ja trotzdem. Die Versicherung sollte das Urteil anfechten schon wegen der nicht nachgekommenen Sorgfaltspflicht.
erdmann.rs 24.07.2018
2. Allein aufs Klo gehen?
Über diese Entscheidung des OLG Düsseldorf kann man durchaus geteilter Meinung sein. Grundsätzlich haften natürlich Eltern minderjähriger Kinder für die Schäden, die ihre Sprößlinge angerichtet haben. In der Regel tritt dann eine Privathaftpflichtversicherung ein, wenn Vorsatz/grobe Fahrlässigkeit nicht nachzuweisen sind. Zu einer Privathaftpflichtversicherung ist daher dringend zu raten. Dass aber überhaupt ein Oberlandesgericht mit einem derartigen Fall befasst wird, ist schon irgendwie kurios, selbst wenn durch die Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände ein Wasserschaden in Höhe von 15.000 Euro entstanden ist, für den die Eltern des Dreijährigen jetzt haften sollten. Bedenkt man aber, mit welcher Unzahl von Klagen sich deutsche Verwaltungsgerichte - alleine wegen abgelehnter Asylanträge - zu befassen haben oder mit welchem "totalen Pipifax " sogar der Bundesgerichtshof behelligt wird, geht es im o.a. Fall doch eher um echte Not (-durft).
m.m.s. 24.07.2018
3. Die Spinnen, die Deutschen Versicherer
Nüchtern betrachtet klatscht man sich an die Birne. Da hat jemand eine Gebäudeversicherung abgeschlossen, um eben genau gegen sowas abgesichert zu sein, und stattdessen muss der Versicherungsnehmer die Versicherung verklagen wenn der Versicherungsfall eintritt. Der Versicherer glaubt auch, dass Eltern so eine Art Überwachungslager für Kleinkinder betreiben müssten. Hoffentlich gibt es für den Sachbearbeiter Abstriche bei der Einkommensprämie.
swandue 24.07.2018
4.
Für sowas wurden Versicherungen erfunden! Oder nicht? Kinder dürfen kein unkalkulierbares Risiko für die Eltern darstellen. Es gibt sowieso schon zu wenig von ihnen. Es darf aber auch nicht sein, dass andere, hier der Haus- oder Wohnungseigentümer, auf einem fetten Schaden sitzen bleiben (und dann nicht mehr an Familien mit Kindern vermieten). Ich finde es schlimm, wenn Kinder einen Mist bauen, was vorkommen kann, dann gerichtlich festgestellt wird, dass den Eltern kein Vorwurf gemacht werden kann, was in Ordnung sein mag - Aber deswegen ihre Haftpflichtversicherung nicht zahlen muss und ein anderer, der auch überhaupt nichts gemacht hat, was man ihm vorwerfen kann, dann dasteht mit zigtausend Euro Schaden, für die er selbst aufkommen muss.
andreasclevert 24.07.2018
5. Eigentlich wollte ich...
... den Beitrag nur lesen, für mich schmunzeln und leise und bescheiden die Thematik auf meinem Blog bringen (ja, das habe ich gemacht, aber dafür jetzt mal keine Werbung). ABER: Nachdem ich die zwei Vorredner hier im Forum lesen musste. Nein, besser gesagt, nur das erste, eher unflätige Kommentar, ganz kurz auch meinen Senf dazu: Wie schön, dass mal wieder ein Richter auch einfach mit gesundem Menschenverstand geurteilt hat. Und an den Foristen ned divine: Sie mögen vielleicht in der Kindererziehung nicht so firm sein, aber ich versichere Ihnen, die allermeisten Eltern verschließen nachts die Fenster, damit keine Kinder herausfallen. Die Toilettentüren lassen sie aber offen. Und, wir schlafdefizitären Eltern hören in der Tat nicht jedes leise Plätschern...
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