Düsseldorfer Rotlichtskandal Ex-Bordellboss muss für mehr als acht Jahre in Haft

In Düsseldorfer Bordellen wurden reihenweise Freier mit Drogen betäubt und ausgeraubt. Nach einem jahrelangen Prozess ist der Hauptangeklagte nun schuldig gesprochen worden - unter anderem wegen räuberischer Erpressung.

Bordelle an der Düsseldorfer Rethelstraße (Archiv)
DPA

Bordelle an der Düsseldorfer Rethelstraße (Archiv)


Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des Düsseldorfer Rotlichtskandals ist ein ehemaliger Bordellchef zu acht Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Landgericht Düsseldorf sprach den damaligen Eigentümer der Bordelle, Rotlichtgröße Thomas M., nach mehr als vier Jahren Verhandlungsdauer wegen räuberischer Erpressung, Betrugs und gefährlicher Körperverletzung schuldig.

In Bordellen in Düsseldorf waren zahlreiche Freier mit Drogen betäubt und ausgeraubt worden. Die Stadt hatte danach vier Establishments geschlossen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Thomas M. neun Jahre und einen Monat Haft beantragt, seine Verteidiger einen Freispruch. Ein mitangeklagter Komplize wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte ein Teilgeständnis abgelegt. Die Haftbefehle gegen beide Männer wurden aufgehoben.

Anstiftung zur Falschaussage

Die Staatsanwaltschaft warf dem Ex-Rotlicht-Boss Zeugenbeeinflussung vor. Er habe aus der Untersuchungshaft heraus Zeugen zu Falschaussagen angestiftet und ein Millionenvermögen beiseitegeschafft. Ermittler hatten aus dem Gefängnis geschmuggelte Briefe sichergestellt, in denen der 52-Jährige Mittelsmänner anwies, Zeugen zu kontaktieren, damit sie vor Gericht ihre Aussagen abschwächen.

Im vergangenen Oktober war bereits ein ehemaliger Bordellmitarbeiter zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Verfahren gegen fünf weitere Angeklagte war abgetrennt worden. Eine Bardame wurde freigesprochen. Der Strafprozess hatte am 1. Juli 2013 begonnen. Seither waren rund 200 Zeugen vernommen worden.

Um die Stammkunden nicht zu verprellen, waren offenbar gezielt weit gereiste Freier wie etwa Messebesucher aus Übersee ausgewählt worden. Zeitweise hatte die Polizei eine Telefon-Hotline geschaltet, unter der sich Bordellbesucher melden konnten, die den Verdacht hatten, betäubt worden zu sein.

asasapa



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