Prozess in Düsseldorf Mutmaßlicher Wehrhahn-Bomber bestreitet Anschlag

Ralf S. steht vor Gericht, weil er im Sommer 2000 eine Rohrbombe an einem Düsseldorfer S-Bahnhof gezündet haben soll. Er habe die Tat nicht begangen, sagte der rechtsradikale 51-Jährige zu Prozessbeginn.

Angeklagter Ralf S.
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Angeklagter Ralf S.


17 Jahre und sechs Monate nach dem Sprengstoffanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter begonnen. Ralf S. muss sich wegen zwölffachen Mordversuchs und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Bei der Explosion waren zehn Menschen verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib.

Zum Auftakt des Verfahrens stritt S. die Tat ab. Er habe sie nicht begangen und wisse auch nicht, wer es gewesen sei, sagte der 51-Jährige. Er sei am Tattag in einem Tätowierstudio gewesen, mit dem Hund spazieren gegangen und zur Tatzeit wieder zu Hause gewesen. Gleich nach dem Anschlag habe ihn ein Polizist gewarnt: "Da rufen jede Menge Leute an und beschuldigen dich."

Am 27. Juli 2000 war am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn eine ferngezündete Rohrbombe explodiert. Die überwiegend jüdischen Opfer, Zuwanderer aus Osteuropa, kamen vom Deutschunterricht an einer Sprachschule. Zehn Menschen aus der zwölfköpfigen Gruppe wurden verletzt.

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Düsseldorf: Der Anschlag am S-Bahnhof Wehrhahn

Wären die 250 Gramm TNT nicht verunreinigt gewesen, hätte es Tote gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück. Die Ermittler sind sich sicher, den Richtigen gefasst zu haben. Wenn man alle belastenden Indizien gegen den Angeklagten zusammen sehe, "ist die Beweislast erdrückend", so Herrenbrück vor dem Prozess. In der Wohnung des Angeklagten waren beispielsweise eine Anleitung für den Bau eines Zünders und der Splint einer Handgranate entdeckt worden.

S., der nach eigener Aussage als Security-Mitarbeiter und Detektiv tätig war, war bereits direkt nach der Tat unter Verdacht geraten. Er hatte in der Nähe einen Militaria-Laden betrieben. 2014 soll er sich dann gegenüber einem Mitgefangenen verraten haben, als er wegen einer anderen Sache im Gefängnis saß.

Für den Prozess beraumte die Düsseldorfer Strafkammer 37 Verhandlungstage bis zum 17. Juli an. Die Anklageschrift ist 270 Seiten lang. Bei einer Verurteilung droht S. eine langjährige Freiheitsstrafe, womöglich sogar lebenslange Haft.

wit/dpa/AFP

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