Zehn Jahre Haft: "Heiliger" ließ Frauen für sich anschaffen

Er nannte sich "Heiliger" oder "Gesandter" und zwang vier Frauen zur Prostitution. Ein 30-jähriger Mann und sein Helfer müssen nun lange ins Gefängnis - der Richter bezeichnete die Tat als "abartig".

Der Angeklagte (links) sitzt neben seinem Helfer im Düsseldorfer Landgericht.
DPA

Der Angeklagte (links) sitzt neben seinem Helfer im Düsseldorfer Landgericht.


Sie verkauften ihre Körper - und mussten das Geld abgeben. Sie schafften bis zu 18 Stunden am Tag an, lebten isoliert in Bordellen. Und dafür mussten sich die Frauen auch noch bei ihrem Peiniger bedanken. Mit den Worten: "Gesandter, darf ich dir meine Hingabe erweisen. Mein Körper ist dir. Danke, was du aus mir gemacht hast."

Das Düsseldorfer Landgericht hat einen selbst ernannten "Heiligen" wegen schweren Menschenhandels und Zuhälterei zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Helfer muss acht Jahre in Haft. Das Duo habe Frauen mit Druck, Gewalt und einem "hinterlistigen Schauspiel" in die Prostitution getrieben und sexuell ausgebeutet.

Vor Gericht hatten die Angeklagten zugegeben, sich die Masche mit der "Heiligen-Scheiße" ausgedacht zu haben, um noch mehr Geld mit den Frauen zu verdienen. Waren die Zuhälter mit der Arbeitsleistung nicht zufrieden, wurden die Frauen nach den Schilderungen misshandelt, eine auf einem Waldparkplatz bewusstlos geschlagen.

An Wochenenden blieben den Frauen manchmal nur zwei Stunden Schlaf; auch bei starken Schmerzen wurde ihnen der Arztbesuch verweigert. Der Vorsitzende Richter bezeichnet die Tatumstände als "abstoßend" und "abartig".

Eigenen Finger abgeschnitten

Der 27-jähriger Gehilfe habe sich auf Geheiß des Gurus nach einem Fehler sogar einen Finger abgeschnitten, um seinem Gebieter "ein Opfer zu bringen", berichteten Ermittler. Die Polizei war dem Duo durch einen Streit zwischen einer der Frauen und ihrem Zuhälter auf die Schliche gekommen. Zwar hatte die Frau zunächst beteuert, freiwillig anzuschaffen, eine Telefonüberwachung habe den Ermittlern dann aber einen ganz anderen Eindruck vermittelt.

Die Männer waren schließlich in Köln und Stuttgart festgenommen worden. Gut 600.000 Euro beschlagnahmtes Vermögen bleiben bis auf Weiteres eingefroren, ordnete der Richter an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

jpz/dpa



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