Anschlag in Düsseldorf Neuer Zeuge meldet sich - und berichtet von Geständnis

Im Fall des Bombenanschlags auf eine Düsseldorfer S-Bahn-Station hat sich ein neuer Zeuge an die Behörden gewandt. Er belastet den Angeklagten, der die Tat vor knapp 18 Jahren begangen haben soll.

S-Bahnhof Wehrhahn (Archiv)
DPA

S-Bahnhof Wehrhahn (Archiv)


Im Düsseldorfer Wehrhahn-Prozess hat sich nach der Freilassung des Angeklagten ein neuer Zeuge gemeldet. Er ist laut Gericht ein früherer Mithäftling des mutmaßlichen Bombenlegers Ralf S. und behauptet, dieser habe ihm die Tat in der Untersuchungshaft gestanden. Der Mann soll am kommenden Freitag im Gerichtssaal vernommen werden.

Das Landgericht hatte S. nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft vor knapp drei Wochen auf freien Fuß gesetzt, weil kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Der Prozess geht aber weiter.

Noch kurz zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in einer Zwischenbilanz argumentiert, S. habe sich vor Gericht selbst verraten. Er habe mehrfach Wissen offenbart, das nur der Täter gehabt habe, sagte Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. Der Angeklagte habe zudem mehrfach nachweislich die Unwahrheit gesagt und sich in Widersprüche verwickelt. Auch die Nebenkläger zeigten sich von seiner Schuld überzeugt. (Lesen Sie hier: Wie sich der mutmaßliche Wehrhahn-Bomber vor Gericht verteidigt.)

Anklage wegen zwölffachen Mordversuchs

Bereits 2014 hatte sich ein anderer Mithäftling aus dem Gefängnis in Castrop-Rauxel gemeldet und berichtet, der Verdächtige habe ihm die Tat gestanden. Er hatte die Ermittlungen damit nach jahrelangem Stillstand erneut ins Rollen gebracht.

Bei dem Bombenanschlag waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib.

Bei den Opfern handelt es sich um Zuwanderer aus Osteuropa, viele von ihnen jüdischen Glaubens. Die Staatsanwaltschaft hatte den 51-jährigen Ralf S. wegen zwölffachen Mordversuchs aus Fremdenhass angeklagt. Der Anschlag galt demnach einer Gruppe sogenannter Kontingentflüchtlinge, die in der Nähe der Haltestelle eine Sprachschule besuchten.

Er war bereits direkt nach dem Attentat in den Fokus der Polizei gerückt. Der frühere Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma bestreitet die Tat. Er war im Januar 2017 von Spezialkräften festgenommen worden.

wit/dpa

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