Duisburg: Spezialkräfte nehmen Rockerchefs fest

Von , Düsseldorf

Duisburger Satudarah-Chef Yildiray K.: Festnahme am frühen Morgen Zur Großansicht
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Duisburger Satudarah-Chef Yildiray K.: Festnahme am frühen Morgen

Spezialeinheiten der Polizei haben die beiden Anführer des Duisburger Rockerclubs Satudarah festgenommen. Bei einem der Männer fanden die Beamten eine geladene Kalaschnikow und eine Pistole.

Die Beamten rückten in aller Herrgottsfrühe an: Um 5 Uhr stürmten Spezialkräfte der Polizei das Duisburger Vereinsheim des Motorradclubs Satudarah sowie die Bleiben der Bandenchefs Yildiray K., 37, und Baris T., 25. Gegen die beiden Männer wird seit einiger Zeit wegen Drogen- und Waffenhandels ermittelt. Es soll unter anderem um 10.000 Ecstasy-Pillen und mehrere Kilogramm Marihuana gehen.

Tatsächlich fanden die Beamten in dem grauen Flachbau im Stadtbezirk Rheinhausen, in dem K. alias Ali Osman lebt, ein geladenes Sturmgewehr vom Typ AK-47 sowie eine Pistole Walther P99. Einen mutmaßlichen Komplizen und Clubkameraden der Duisburger Satudarah-Rocker konnten die Behörden wenig später im niederländischen Venlo fassen. in der Wohnung des 36-Jährigen wurde nach offiziellen Angaben eine Hanfplantage mit etwa 240 Pflanzen entdeckt.

Bereits Mitte März hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei auf der Autobahn 40 die beiden Duisburger Satudarah-Rocker M., 23, und Vukadin U., 27, gestellt. Die beiden Gang-Mitglieder waren auf der Rückreise aus den Niederlanden und hatten ebenfalls ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 im Auto, zwei gefüllte Magazine und eine Kiste mit Munition. In der Wohnung von Vukadin U. fanden die Beamten anschließend noch eine Maschinenpistole.

Ein Sprecher des Satudarah MC wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.

Eskalation im Rockerkrieg

Die brisanten Waffenfunde belegen jedoch eine weitere Eskalation im Rockerkrieg am Rhein. In den vergangenen Monaten kam es bereits zu Schießereien, Handgranatenattacken und Massenschlägereien. Was ist der Grund für die Straßenkämpfe in Duisburg?

Wie aus einem vertraulichen Lagebericht der Polizei hervorgeht, vermuten die Ermittler Revierstreitigkeiten als Auslöser der Konflikte. Demnach haben Satudarah-Anhänger im Internet die Platzhirsche der Hells Angels beleidigt. Hinzu kommt, dass sich einige mutmaßlich beteiligte Höllenengel offenbar vor den eigenen Leuten unbedingt mit Gewaltakten beweisen wollen.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler könnten sie zu den Krefelder Hells Angels gehören, die im November unter Führung des Deutsch-Iraners Ramin Y., 24, von den Bandidos zur Konkurrenz übergelaufen waren. Die Polizei mutmaßt, dass die Männer in Duisburg "Konflikt verschärfend" wirkten, weil sie sich in den Strukturen ihres neuen Clubs profilieren wollten. Auch Szenekenner aus dem Rockermilieu äußern diesen Verdacht.

"Zugang zu Waffen"

Der Polizei zufolge ist die Situation jedenfalls brisant. "Mitglieder beider Gruppierungen haben Zugang zu Waffen unterschiedlichster Art", notierte ein Kriminaloberrat des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts in einem Bericht. Im Konfliktfall sei mit dem Einsatz dieser Waffen zu rechnen. Im Vorfeld von Auseinandersetzungen erfolge mitunter eine verdeckte Deponierung der Messer, Pistolen und Knüppel. Insgesamt gelte derzeit für die Rockerszene im Westen: "Die Gesamtlage bleibt dynamisch."

Duisburg gilt nach Berlin als meistumkämpfte Rockerhochburg in Deutschland. In dem ebenso großen wie umsatzstarken Rotlichtviertel der Stadt stehen sich die verfeindeten Motorradgangs seit Jahren auf den Füßen, hier erschoss der Hells Angel Timur A. im Oktober 2009 den Bandido "Eschli" Elten. Im Anschluss kam es immer wieder zu brutalen Revierstreitigkeiten und Vergeltungsaktionen.

Verschärft wurde die Situation zuletzt noch dadurch, dass sich weitere Banden formierten. So schloss sich der MC Brotherhood Clown-Town im Frühjahr 2012 schließlich dem berüchtigten Satudarah MC aus den Niederlanden an. Laut nordrhein-westfälischem Innenministerium gehören der Bande etwa 30 Rocker an. "Die Mitglieder sind überwiegend keine deutschen Staatsangehörigen", heißt es in einem Bericht des Innenausschusses.

Satudarah wiederum ist der größte niederländische Bikerclub und wird laut Polizei immer wieder mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Nach Erkenntnissen der Behörden expandiert der Club derzeit vor allem nach NRW. In Deutschland steht die Gruppierung den Bandidos nahe. "Gemeinsamer Feind sind die Hells Angels", so ein Beamter. "Bei einem Aufeinandertreffen der Rockergruppierung Satudarah und der Hells Angels sind Auseinandersetzungen nicht auszuschließen", heißt es in einem vertraulichen Vermerk der Beamten.

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1. Fürs Protokoll:
lecker 09.04.2013
Hallo SPON: Ich wollte nur drauf hinweisen, dass die gefundenen Waffen allesamt illegale Waffen sind. Aber selbst wenn die damit rumgeballert hätten, bliebe der Aufschrei wohl aus. Kann man ja eh nix dagegen tun. Aber bei Eigentümern legaler Waffen ist das natürlich was anderes. Da kann man Einzelvorfälle genüsslich medial ausschlachten und publikumswirksam fordern, das Waffenrecht weiter zu verschärfen.
2. In meiner Unkenntnis
elwu 09.04.2013
habe ich bislang angenommen, dass Rocker Leute sind, die als gemeinsamen Bezug ihre Motorräder und das drumherum haben. Aber es handelt sich, dem Bericht zufolge, um kriminelle Vereinigungen? Ach ja, bin gespannt, ob sich die politisch korrekten Kommentatoren echauffieren über den Hinweis auf die Staatsangehörigkeit vieler Mitglieder des Saturdarah MC.
3. ...
nick115 09.04.2013
Alle MC Vereine verbieten bei denen aktuelle Straftäter Mitglied sind und aus denen heraus überdurchschnittlich viele Strafentaten vorliegen. Vereinsvermögen einziehen. Fertig. Die übriggeblieben Ausländer ausweisen, die Innländer vor Gericht und dann in den Knast. ENDE! Immer diese weichgespülte herangehensweise durch Herrn Jäger und seine engsten Mannen! Und wenns nicht reicht, Herr Jäger, stellen Sie mehr Personal ein!
4. Das sind keine Rocker!
Tom Joad 09.04.2013
Wenn, dann sind das kriminelle Motorradfahrer und in diesem Fall wahrscheinlich eher Rapper als Rocker.
5. kriminelle Vereinigungen
kalzifer 09.04.2013
Was muss man eigentlich tun, um in Deutschland als kriminelle Vereinigung verboten zu werden? Wenn es einen Verein gibt, bei dem jedes dritte Mitglied eine illegale Kriegswaffe zuhause hat, ist er dann illegal? Warum werden solche Clubs nicht verboten? Oder ist es nur kriminell, mit einer ungeladenen Softair-Pistole herumzulaufen?
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Die großen Rockerclubs
Hells Angels
Hells Angels ist die Abkürzung für den berüchtigten Hells Angels Motorcycle Club und zugleich die Bezeichnung für ihre Mitglieder. Von den Rockern, die typischerweise Harley-Davidson-Motorräder fahren, gelten viele als gewalttätig und kriminell; die Angels sind eine der umstrittensten Biker-Vereinigungen.
Bandidos
Die Bandidos sind ein Rocker- und Motorradclan, der aufgrund nachgewiesener Nähe einzelner Mitglieder zur Organisierten Kriminalität umstritten ist. Die langjährige Feindschaft zwischen den Bandidos und den Hells Angels führte immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Rockern.
Outlaws MC
Einer der größten und ältesten Motorradclubs der Welt. Der Outlaws MC taucht, wie alle anderen großen Bikergangs auch, regelmäßig in den Verfassungsschutzberichten der Länder auf.
Gremium MC
Der letzte große Motorradclub deutschen Ursprungs, der sich bisher keiner internationalen Biker-Vereinigung, wie z. B. den Hells Angels, Bandidos oder den Outlaws, angeschlossen hat. Laut Berichten des Verfassungsschutzes steht der Verein immer wieder in Verbindung mit illegalem Menschen-, Drogen- und Waffenhandel.