Duisburger Mafia-Mord Haftbefehl gegen Giovanni Strangio erlassen

Die deutschen Ermittler jagen den mutmaßlichen Mafiakiller von Duisburg: Gegen den 28 Jahre alten Giovanni Strangio wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Der Mann ist auf der Flucht.


Duisburg - Der aus dem kalabrischen Siderno stammende Italiener Giovanni Strangio steht unter dringendem Verdacht, für das Massaker in der Ruhrgebietsstadt verantwortlich zu sein. Das Amtsgericht Duisburg erließ heute Haftbefehl wegen Mordes. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Gesuchten und leitete eine Großfahndung ein.

Gesuchter Giovanni Strangio: Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesetzt

Gesuchter Giovanni Strangio: Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesetzt

Im Dunkeln tappt die Polizei nach wie vor, was die Identität des zweiten Täters angeht. Ballistische Untersuchungen am Tatort hatten ergeben, dass der Anschlag von zwei Killern ausgeführt worden war.

Das Tatmotiv könnte Blutrache sein. Denn eines der Opfer des Duisburger Blutbades, der 25-jährige Marco Marmo, soll am 25. Dezember im kalabrischen San Luca im Zusammenhang mit einer Mafia-Fehde eine Verwandte von Giovanni Strangio erschossen haben. Die Ermordung der 33-jährigen Maria Strangio hatte den seit 1991 schwelenden Mafia-Krieg zwischen den 'Ndrangheta-Clans der Strangio/Nirta und der Vottari/Romeo Pelle wiederaufflammen lassen.

Die Duisburger Polizei berichtete, Giovanni Strangio sei bereits im Zusammenhang mit der Beerdigung von Maria Strangio von der italienischen Polizei kontrolliert und festgenommen worden, weil er eine Schusswaffe mit sich geführt habe. Deswegen habe er bis Mitte dieses Jahres in Italien in Haft gesessen.

Auf Grund ihrer Ermittlungen sieht die Mordkommission "Mülheimer Straße" Anhaltspunkte dafür, dass der in Kaarst bei Düsseldorf gemeldete Italiener nach seiner Rückkehr hier den Anschlag von Duisburg plante. So steht fest, dass sich Giovanni Strangio seit dem 8. August in Deutschland aufgehalten hat und sich zwei Tage später einen Mietwagen nahm. Seine Wohnung in Kaarst wirkte wie fluchtartig verlassen, als sie in der vergangenen Woche von der Polizei durchsucht wurde.

Strangio ist 1,74 Meter groß, hat eine schlanke Figur, dunkle Haare und blaue Augen. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Ergreifung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Duisburg eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Gefahndet wird auch nach Strangios Mietwagen einem schwarzen Renault Clio mit dem amtlichen Kennzeichen HH - BM 7070.

Ein Polizeisprecher sagte, es gebe derzeit keine Hinweise auf den Aufenthaltsort des 28-Jährigen. Es sei offen, ob er sich noch in Deutschland aufhalte, oder sich inzwischen ins Ausland abgesetzt habe. Unter den gestern in Italien festgenommenen 32 'Ndrangheta-Mitgliedern war zwar ebenfalls ein Verdächtiger namens Giovanni Strangio, der aber 41 Jahre alt ist.

Bei dem Duisburger Massaker waren am 15. August in Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs vor dem Restaurant "Da Bruno" sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren erschossen worden.

Ausgelöst worden war die Tat offenbar durch einen seit 1991 in San Luca schwelenden Mafia-Krieg zwischen den konkurrierenden Clans. Ziel des Anschlags soll Marco Marmo gewesen sein. Er wird verdächtigt, am ersten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres die 33 Jahre alte Maria Strangio erschossen zu haben, als diese versuchte, ihr fünf Jahre altes Kind zu schützen. Bei der Tat, die vermutlich gegen ihren Ehemann Giovanni Nirta, ein ranghohes Clanmitglied, gerichtet war, wurden drei weitere Personen verletzt, darunter auch das Kind. Mit dieser Tat flammte die Fehde wieder in aller Brutalität auf.

ffr/AP



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