Duisburger Mafia-Morde Ermittler haben zweiten Killer im Visier

Mehr als ein halbes Jahr nach den Mafia-Morden von Duisburg haben die Ermittler einen zweiten Verdächtigen im Visier. Der Schwager des Hauptverdächtigen soll an der Bluttat beteiligt gewesen sein - er ist auf der Flucht.


Duisburg - Ein aus zwei Männern bestehendes Mordkommando hatte am 15. August 2007 sechs Italiener eines verfeindeten Mafia-Clans aus Rache vor einem Restaurant in der Duisburger Innenstadt erschossen. Einer der beiden Täter konnte schnell identifiziert werden. Bereits im August erließ die Staatsanwaltschaft Duisburg Haftbefehl wegen Mordes gegen den aus dem kalabrischen Siderno stammenden Giovanni Strangio.

Tatort Duisburger Innenstadt: Fahndung nach dem zweiten Killer dauert an
DPA

Tatort Duisburger Innenstadt: Fahndung nach dem zweiten Killer dauert an

Sein mutmaßlicher Komplize soll dem gleichen Clan angehören. Die Duisburger Staatsanwaltschaft bestätigte einen Bericht des "Focus". Bei dem mutmaßlichen Mittäter soll es sich um den Schwager Giovanni Strangios, den 44 Jahre alten Giuseppe Nirta, handeln. "Es spricht etwas dafür, dass er tatverdächtig ist", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Detlef Nowotsch. Um sicher zu gehen, benötigen die Duisburger Ermittler nun einen Abgleich mit DNA- Material von Verwandten in Italien. Ein Rechtshilfeersuchen ist beantragt.

Fingerabdrücke, die zu Nirta passen sollen, wurden in einer konspirativen Wohnung von Strangio in Düsseldorf gefunden. Außerdem könnten Spuren aus dem Fluchtauto, das im Oktober in Belgien entdeckt wurde, zu ihm passen. Nirta wird von den italienischen Behörden bereits mit internationalem Haftbefehl wegen Drogengeschäften und Zugehörigkeit zur Mafia gesucht.

Hintergrund der Bluttaten ist ein seit Jahren tobender Kampf zwischen den beiden rivalisierenden Familienclans Nirta-Strangio und Vottari-Pelle-Romeo, der im Gebiet Kalabriens bereits zu mehreren Tötungsdelikten geführt hat. Höhepunkt war Weihnachten 2006 der Mord an der Ehefrau eines Clanchefs der Nirta-Strangios. Ein Sohn wurde dabei verletzt. Am 15. August waren dann vor einer Pizzeria in der Duisburger Innenstadt sechs italienische Mitglieder des Vottari-Pelle-Romeo-Clans mit Kopfschüssen getötet worden. Die Männer waren zwischen 16 und 39 Jahren alt.

Nach den Erkenntnissen der italienischen Ermittler haben die Bosse der verfeindeten Mafia-Familien in San Luca, das als Hochburg der kalabrischen Mafia gilt, inzwischen einen "Waffenstillstand" durchgesetzt. Dieser sei Mitte September auf einem Clan-Gipfel ausgerufen worden, um sich wieder kriminellen Geschäften wie dem Drogenhandel zuwenden zu können.

han/dpa



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