Missglückte Überfälle: Dümmer als die Polizei erlaubt

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Wenn Filmheld Danny Ocean mit seinen Jungs einen Coup plant, ist kriminelle Genialität am Werk. In der Realität geben sich viele Verbrecher weniger Mühe. Man muss nicht doof sein, um als Krimineller weltberühmt zu werden - aber es hilft. Ein Überblick.

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Nachspiel: Viele Kriminelle sehen in Handschellen ernstzunehmender aus, als sie verdienen

Im Film gibt es Verbrecher, die Helden sind, weil sie einen mit genialen Coups zum Staunen und Lachen bringen. Und weil die Opfer entweder fiese, finstere Gestalten sind oder unsympathische übermächtige Autoritäten, stehen die Danny Oceans dieser Filmwelt in der Tradition von schelmischen Helden wie Robin Hood Gespielt werden sie von Sympathieträgern wie Frank Sinatra oder George Clooney, Paul Newman oder Steve McQueen, Peter Ustinov oder Bruce Willis, Kim Basinger oder Robert DeNiro.

Selten sind Filme weiter von der Realität entfernt als in diesen sogenannten Heist-Movies. Die Legende vom cleveren, stilvollen, fast edlen und genialen Gentleman-Gangster findet in der Realität keine Entsprechung. Weit normaler - wenn man das so nennen will - sind Straftäter, die reichlich verpeilt und ohne großen Plan ihr Ding durchziehen. Im Alltag ist Kriminalität oft die Wahl der Brutalen und Skrupellosen - oder der letzte Ausweg für Leute, die es nicht schaffen, ihr Leben mit legalen Mitteln zu bestreiten.

Die Dümmsten von ihnen machen weltweit Schlagzeilen. Vor allem Möchtegern-Gangster aus den USA und Großbritannien, wo Überwachungskameras besonders weit verbreitet sind, versorgen die Videoportale im Internet mit einem Strom schier unglaublicher Zeugnisse kriminellen Unvermögens.

Zu den Klassikern gehören Videos, die dokumentieren, dass sich Kriminelle oft weit mehr Gedanken darüber machen, wie sie eine Tat verüben sollen, als darüber, wie sie nachher wieder vom Tatort verschwinden können. Oft hält sich der Planungsaufwand in ohnehin engen Grenzen.

Reinkommen ist leicht...
Am 15. April 2012 machte der Einbrecher Michael C. im kalifornischen Joshua Tree weltweit Schlagzeilen. Der 25-jährige brach erfolgreich in ein Haus ein, bediente sich ausgiebig und köpfte zur Feier des Tages eine Flasche Champagner. Da der auf nüchternen Magen nicht schmeckt, kochte er sich ein leckeres Häppchen dazu, worauf ihn die Lust auf eine ausgiebige Dusche übermannte. Der Hausbesitzer hörte das Wasser rauschen, als er nach Hause kam. Michael C. hingegen hörte die Polizisten, die die Dusche umstellten, nicht. Sie erwischten ihn im Wortsinn mit heruntergelassener Hose und reichlich bedröppelt.

Ein paar Kostproben ähnlich dusseliger Krimineller:

  • Im Herbst 2010 wurde im amerikanischen Oak Hill ein Einbrecher gefasst, der sich im Obergeschoss versteckt hatte, nachdem die Hausbesitzer zurückgekommen waren. Er fiel auf, weil er so herzlich Lachen musste, als der Hausbesitzer im Wohnzimmer einen Witz erzählte.
  • Zu den beliebtesten deutschen Klassikern gehört ein Fall aus dem August 1995: In Saarmund bei Potsdam hatten fünf ganz besonders Clevere akribisch geplant, wie sie gewaltfrei eine Bank berauben wollten. Mit einem geklauten Lkw fuhren sie nachts vor der Bank vor, wickelten ein Stahlseil um einen Automaten, gaben kurz Gas - und weg waren sie. Sie entkamen erfolgreich mit dem Kontoauszugsdrucker.
  • Dass Kriminelle Twitter und Facebook nutzen, weil viele Menschen dumm genug sind, dort Klarnamen, Adressen und Urlaubszeiten ("Juchu! Ich bin dann mal weg!") zu veröffentlichen, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Dass sie Facebook aber auch am Arbeitsplatz nutzen, ist nach wie vor die Ausnahme: Im September 2009 wurde ein Einbrecher gefasst, weil er sich auf dem Rechner des Hausbesitzers schnell noch in seinen Facebook-Account einloggte, um den Stand der Dinge zu checken, bevor er mit seiner Diebesbeute abhaute. Die anschließende Fahndung war schnell beendet.
  • Der Fall erinnert an einen Banküberfall in Wuppertal. Dort wurde ein erfolgreicher Täter gefasst, weil er besonders leise sein wollte: Statt mit viel Lärm für Panik zu sorgen, legte er einen "Das ist ein Überfall!"-Zettel auf den Tresen. Die bedrohliche Botschaft hatte er auf die Rückseite eines Briefumschlags geschrieben, der an ihn adressiert war.
  • Matthew und Joey M. versuchten 2009, eine Wohnung in Carroll, Iowa, auszuräumen. Sie wurden beobachtet und flohen. Kurz darauf griffen Polizisten die zwei jungen Männer auf, weil sie der Zeugenbeschreibung so perfekt entsprachen: Zwei weiße Männer mit geschwärzten Gesichtern. Matthew und Joey hatten ihre Gesichter versehentlich mit nicht abwaschbaren Markern bekritzelt.

Matthew M. und Joey M.: Leider etwas permanent maskiert Zur Großansicht
AP/ Carroll Police Department

Matthew M. und Joey M.: Leider etwas permanent maskiert

Kriminelle Blödheit ist in jeder Hinsicht grenzenlos. Es gibt eine ganze Reihe von Überwachungsvideos, die zeigen, wie Verbrecher vergeblich versuchen, aus dem überfallenen Objekt zu entkommen - weil die Türen nicht nach außen, sondern nach innen aufgehen. Es gibt Fälle, da geben sie entkräftet auf und setzen sich vor die Tür, um auf die Polizei zu warten. Mitunter sorgen sie aber auch anderweitig dafür, dass man sie schnappt:

  • Christopher Allen K. hatte alles genau geplant: Um 11:40 Uhr fuhr er vor der Bank vor. Er wartete geduldig auf dem Parkplatz, bis alles ruhig war. Dann nahm er seine Waffe, zog eine Skimaske über und wieselte hinüber zum Eingang. Dort entdeckten ihn die Angestellten durchs Fenster und riefen die Polizei. Ruhig war es um die Bank geworden, weil die kurz davor für die Mittagszeit geschlossen hatte. Der maskierte Möchtegern-Bankräuber bekam die Tür nicht auf.
  • Im April 2002 raubte Junior A. einen Getränkeladen in London aus. Er lief ganz cool hinein, kaufte eine Dose Bier und handelte schnell, als der chancenlose Kassierer die Kasse öffnete: A. bediente sich und verschwand, bevor jemand reagieren konnte. Seine Brieftasche, die er zur Bezahlung der Bierdose gezückt hatte, ließ er in der Hektik zurück - samt Ausweis.
  • Im März 2012 räumte ein 18-Jähriger ein Haus in Münster aus und ließ unter anderem die Online-Banking-Unterlagen der Bestohlenen mitgehen. Mit deren Hilfe überwies er Geld von deren Konten - und zwar auf sein eigenes.
  • Schlagzeilen machte im April 2012 auch der "tanzende Einbrecher" von Galveston: Eine Überwachungskamera hatte ihn nach dem Einbruch in einen Lkw bei einem spontanen Tänzchen beobachtet. Er wurde innerhalb Stunden aufgrund seiner höchst individuellen "Moves" identifiziert. Seine Beute: ein Feuerlöscher.

Der "tanzende Einbrecher" von Galveston

  • Im Januar 2011 riefen Diebe in Köln selbst die Polizei zu Hilfe: Sie waren im Aufzug steckengeblieben. Im gleichen Monat versteigerte ein Einbrecher aus Kiel seine Beute bei Ebay - und zwar an den Besitzer. Der brachte die Polizei mit, als er seine Ware abholte.
  • Im Februar 2012 brachte es ein Einbrecher im nordirischen Belfast zu einiger Prominenz: Er war beim Versuch, eine Haustür zu öffnen, mit dem Arm im Briefkastenschlitz der Tür stecken geblieben. Die Polizei musste beides mitnehmen, die Befreiung gelang erst hinter Gittern.
  • Im September 2007 verwüsteten die Bandenmitglieder Peter A. und Mark R. das Gemeinschaftsgebäude eines englischen Jugendzeltplatzes und ließen alles Wertvolle mitgehen. Wie sich das gehört, sprühten sie vorher mit Farbdosen nicht nur den Namen ihrer Gang an die Wand, sondern auch ihre eigenen: "Peter was here!" - inklusive Nachnamen. Respekt!
  • Im Dezember 2011 brachen fünf Mitglieder einer Gang in ein Haus in Silver Springs, Florida, ein und stahlen drei Urnen, in einer die Asche des Vaters des Hausbesitzers, in den beiden anderen die Asche zweier verstorbener Hunde. Erst bei der späteren Verhaftung stellte sich heraus, was die Diebe damit wollten. Sie hatten geglaubt, das komische Puder sei Kokain. Das Zeug habe aber gar nicht gewirkt.
  • Am gleichen Ort wurde im Februar 2011 Cody W. verhaftet. Identifiziert wurde der Einbrecher dank seines Handys. Er hatte es am Tatort vergessen, nachdem er es zum kostenlosen Aufladen an die Steckdose gehängt hatte.

So weit, so blöd: Man könnte endlos weitermachen. Zum Schluss ein Video-Highlight von gerade einmal 17 Sekunden Länge, das zwei Spezialisten bei der Arbeit zeigt, die sich gleich selbst bestrafen. Man sieht: Verbrechen macht mitunter nicht nur im Kino Spaß. Mit "Ocean's Eleven" hat all das aber rein gar nichts zu tun.

Instant Justice: Bestrafen kann man sich auch selbst

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1.
uchawi 25.04.2012
Liegt's an mir? Ich finde keinen Link zum Video.
2.
Flo12 25.04.2012
Fehlt da nicht das versprochene Video-Highlight?
3.
katera 25.04.2012
Zitat von Flo12Fehlt da nicht das versprochene Video-Highlight?
Das wurde geklaut... :)=)
4.
winne27 25.04.2012
Ein besonders cleverer Räuber hat vor etwa 20 Jahren morgens kurz nach 6 eine Tankstelle in Tübingen überfallen. Er war der erste "Kunde" und erbeutete 200 DM Wechselgeld. Als Fluchtfahrzeug benutzte er einen vollkommen "unauffälligen" goldfarben lackierten VW-Käfer! Etwa 20 Minuten konnte er sich über seine reiche Beute freuen bevor er geschnappt wurde.
5. Mir ist folgendes passiert:
carbonist 25.04.2012
Morgens komme ich aus dem Haus und sehe, dass mein Auto einen Schaden am Heck hat. Rücklicht kaputt, Stoßstange verbeult, Blech verbogen. Ich rufe die Polizei, die dann auch kommt und den Schaden aufnimmt. Da sich niemand zu der Tat bekennt erstatte ich auch gleich eine Anzeige gegen Unbekannt. Kurz dannach sehe ich eine Frau, die etwas unsicher auf dem Bürgersteig steht und umherschaut. Sie sieht mich an, outet sich dann als Täterin und fragt mich anschließend, ob ich vielleicht ihr Nummernschild gefunden hätte. Ich verneinte und verwies sie an die Herren in dem grün/weißen Bus.
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