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Übergriffe durch Lehrer: Irland muss Missbrauchsopfer Entschädigung zahlen

Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg: Urteil über irischen Missbrauchsfall Zur Großansicht
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Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg: Urteil über irischen Missbrauchsfall

Jahrzehnte nach dem Missbrauch durch einen Schuldirektor hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einer Irin Schmerzensgeld zugesprochen. Irlands Regierung muss der Frau 30.000 Euro zahlen. Das Urteil könnte Präzedenzwirkung haben.

Straßburg - Die irische Regierung muss für einen Fall von sexuellem Missbrauch 30.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschieden. Geklagt hat eine heute 50-Jährige aus Cork, die 1973 im Altern von neun Jahren an einer öffentlichen Schule vom Schuldirektor wiederholt sexuell missbraucht worden war. Die Klägerin bekam zudem 85.000 Euro Kostenerstattung zugesprochen.

Der Staat habe gegen seine Pflicht verstoßen, Kinder vor Misshandlungen zu schützen, hieß es in dem EGMR-Urteil. Die Frau sei als Mädchen in ihrem Recht verletzt worden, keiner unmenschlichen oder herabwürdigenden Behandlung ausgesetzt zu sein. Dieser Schutz sei an Grundschulen besonders wichtig.

Die Frau war vor den EGMR gezogen, nachdem das oberste irische Gericht entschieden hatte, die Regierung sei juristisch nicht für das erlittene Unrecht zu belangen. Nun könnte das Straßburger Urteil als Präzedenzfall für die Klagen Hunderter Menschen dienen, die in irischen Schulen missbraucht wurden.

Laut dem EGMR war das irische System zur Erkennung und Verhinderung von Missbrauch in den siebziger Jahren ineffektiv. Dadurch sei es zu mehr als 400 Missbrauchsfällen gekommen. Hätten die irischen Behörden angemessen reagiert, als erste Beschwerden über den Peiniger der Klägerin aufgekommen seien, wäre der Frau ihr Leiden womöglich erspart geblieben, so der Gerichtshof.

Der Täter war erst nach seiner Pensionierung 1995 wegen seiner sexuellen Übergriffe belangt worden. 1998 bekannte er sich des Missbrauchs schuldig und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Beschwerden von Eltern, Schülern oder Lehrern an die Verwaltung, also unterhalb der Justizebene, habe der Staat zuvor allerdings nicht reagiert - die Behörden hätten früher hellhörig werden müssen, so der EGMR.

Grundsätzliche Mängel oder Lücken im irischen Recht konnten die Straßburger Richter allerdings nicht feststellen. Deshalb muss Irland als Folge dieses Urteils keine Gesetze ändern oder verschärfen.

ulz/dpa/AP

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