EgyptAir-Absturz Ermittler finden Sprengstoffspuren an Opfern

An den Opfern des abgestürzten EgyptAir-Fluges wurden Sprengstoffspuren gefunden. Die Information stammt von ägyptischen Ermittlern - ihre französischen Kollegen sind offenbar verstimmt.

Wrackteil der verunglückten Maschine
DPA/ Egyptian Defence Ministry

Wrackteil der verunglückten Maschine


Fast sieben Monate nach dem Absturz einer EgyptAir-Maschine im Mittelmeer haben ägyptische Ermittler an sterblichen Überresten der Opfer Spuren von Sprengstoff gefunden. Das teilte das Luftfahrtministerium in Kairo mit. Bei dem Absturz von EgyptAir-Flug 804 auf dem Weg von Paris nach Kairo waren am 19. Mai alle 66 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Die ägyptisch geführte Untersuchungskommission kündigte neue Untersuchungen an. Einen medizinischen Bericht habe man den ägyptischen Behörden zugesandt. Der Fall sei nun an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, teilte das Luftfahrtministerium mit.

"Die Untersuchung wird fortgesetzt werden, um die exakten Gründe für den Absturz dieses Fluges herauszufinden", teilte ein Sprecher des französischen Außenministeriums mit. "Frankreich erwartet, dass die Übergabe dieses Berichts an die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft so schnell wie möglich den Weg öffnet, um die Überreste der Opfer den Familien zurückzugeben." Unter den Todesopfern waren 15 Franzosen und 40 Ägypter.

Video (21.05.2016): Militär zeigt EgyptAir-Trümmerteile

AFP/ Egyptian Military Spokespersons Facebook Page

"Wir sind nicht über die Bedingungen informiert worden, unter denen die Proben genommen wurden", sagte ein Sprecher der französischen Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA. Deshalb sehe man sich nicht in der Lage, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ein französischer Opferverband warf Ägypten vor, ausschließlich die eigene Fluggesellschaft in Schutz nehmen zu wollen. Es gebe keine Beweise für Terrorismus, sagte der Generalsekretär des Nationalen Verbands der Opfer von Anschlägen und Kollektivunfällen (Fenvac), Stéphane Gicquel. Seiner Ansicht nach will Ägypten Druck auf Frankreich aufbauen, damit es die These eines Anschlags bestätige - und nutze die noch nicht zurückgegebenen Überreste als Druckmittel.

Schon früh nach dem Unglück hatte sich angedeutet, dass es zwischen französischen und ägyptischen Ermittlern offenbar Spannungen und Meinungsverschiedenheiten gibt. Die französischen Behörden haben angedeutet, dass sie mit den Ermittlungen in dem nordafrikanischen Land unzufrieden sind, offene Kritik an der Regierung in Kairo gab es bislang aber nicht.

"Alles ist vollkommen falsch"

Ein ägyptischer Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man habe Frankreich bereits vor Monaten über die jetzt veröffentlichten Ergebnisse informiert. Die französischen Ermittler hätten sich mehr Zeit für die Analyse erbeten. Deswegen habe die Bekanntgabe der Entdeckung so lange auf sich warten lassen.

Unmittelbar nach dem Absturz war ein Anschlag rasch ausgeschlossen worden - trotz Berichten über eine Explosion an Bord: Die Nachrichtenagentur AP hatte berichtet, dass eine erste Untersuchung der sterblichen Überreste von Opfern auf eine Detonation vor dem Absturz schließen lasse. Diese könne das Unglück verursacht haben, vermutete demnach ein namentlich nicht genannter ägyptischer Gerichtsmediziner, der dem Ermittlerteam angehört haben soll.

Der Forensiker habe der AP gesagt, etliche nach Kairo transferierte Überreste seien auffällig klein. "Es gibt nicht ein einziges intaktes Körperteil, wie einen Arm oder einen Kopf", wurde er zitiert. Die logische Erklärung sei, dass sich eine Explosion ereignet haben müsse. Der Leiter der ägyptischen Forensikgruppe dementierte die Meldung umgehend: "Alles, was in dieser Sache veröffentlicht wurde, ist vollkommen falsch", hieß es in einer Stellungnahme von Hesham Abdelhamid.

Die Auswertung eines Flugschreibers hatte nach früheren Angaben der Ermittler lediglich den Ausbruch eines Brands an Bord bestätigt. Die von Ägypten geleitete Untersuchungskommission hatte im Juli mitgeteilt, dass auf den Aufzeichnungen des Stimmrekorders, der Gespräche im Cockpit mitschneidet, das Wort "Feuer" zu hören sei.

Große Hitze und dichter Rauch

Der jetzige Sprengstofffund könnte die bisherigen Erkenntnisse der Untersuchungskommission grundsätzlich infrage stellen. Erste Auswertungen hatten ergeben, dass sich in einer der Toiletten und im Bereich der Bordelektronik Rauch ausgebreitet hatte. Auch die Untersuchung von Wrackteilen deutete darauf hin, dass der vordere Teil des Flugzeugs großer Hitze und dichtem Rauch ausgesetzt waren.

Die beiden Flugschreiber waren erst Wochen nach dem Unglück aus dem Mittelmeer geborgen worden. Die "New York Times" hatte im Sommer unter Berufung auf Ermittler berichtet, die Maschine sei vor ihrem Aufschlag wahrscheinlich zerbrochen.

Der Airbus A320 war am 19. Mai mit 66 Menschen an Bord auf dem Weg von Paris nach Kairo über dem östlichen Mittelmeer abgestürzt. Die Piloten hatten keinen Notruf abgesetzt. Bislang hat sich niemand zu einem möglichen Anschlag bekannt oder wurde dafür verantwortlich gemacht.

mxw/AP/AFP/Reuters/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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sikasuu 15.12.2016
1. Spuren von Sprengstoff oder Spuren von Chemikalien die auf Sprengstoff hinweisen KÖNNEN?
Brand & "Bombe" schließen sich normalerweise aus. Es käme höchstens eine "Brandbombe" (also Brandbeschleuniger) in Frage. ... . Soweit die Daten&Fakten bekannt sind ist die Maschine durch Feuer in wichtigen "Steuerungsteilen" unsteuerbar geworden & abgestürzt. . Trifft das zu, stellen sich Fragen an Air-Bus & den Betreiber. War es eine von außen eingebrachte "Brandbombe" sind die Sicherheitsvorkehrungen im Blickfeld. . Bisschen wenig Informationen für Spekulationen. MMn. ist warten auf den Abschlussbericht die bessere Lösung.
1lauto 15.12.2016
2. welche Sprengstoffe
Und wo genau? Nitroglycerin ist z.B. ein altes gutes Herzmedikament und immer noch angewendet. Als Sprengstoff ist es noch länger bekannt. Butter bei die Fische! Was? Wo? Wieviel?
steffenbaensch777 15.12.2016
3.
Gab es das schon das Samsung Galaxy Note 7? Das wäre eine plausible Erklärung.
jurbar 15.12.2016
4. Nach neun Monaten.
Was soll das denn?
xxbigj 15.12.2016
5.
Ändert nichts daran, dass die Passagiere tot sind. In nachhinein können sie viel erzählen. Das versagen hat ja dann ganz klar am Flughafen stattgefunden. Dort wo die Sicherheitskräfte nicht nach Qualifikation ausgewählt werden, sondern nach 8 Wochen Ausbildung die Sicherheitschecks übernehmen und das total unterbezahlt=unmotiviert. Das nicht viel öfter was passiert ist ein Wunder!
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