Ehrenmord in der Türkei: Verwandte sollen Frau getötet haben

Die Polizei im südosttürkischen Malatya ist einem mutmaßlichen sogenannten Ehrenmord auf die Spur gekommen. Vier Frauen und vier Männer sollen gemeinsam eine 30-jährige Verwandte getötet oder Beihilfe dazu geleistet haben, weil diese ihren Mann betrogen hatte.

Istanbul - Die acht Familienmitglieder wurden wegen des Verdachts des Mordes festgenommen, wie türkische Zeitungen unter Berufung auf die Polizei in Malatya meldeten. Die Beschuldigten sollen die Frau getötet, verscharrt, anschließend als vermisst gemeldet und später auch verbrannt haben.

Wie die Polizei den Berichten zufolge mitteilte, gestand einer der Festgenommenen, die Ehefrau seines Bruders im vergangenen Jahr erstochen zu haben. Als Motiv gab er an, seine Schwägerin habe seinen Bruder betrogen. Die Polizei geht davon aus, dass die anderen Familienmitglieder bei der Tat und anschließenden Vertuschung halfen.

Demnach vergruben die Verdächtigen die Leiche in einem Nebengebäude ihres Wohnhauses, meldeten die Frau als vermisst und versuchten, die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken: Sie berichteten den Beamten, die Frau sei am Busbahnhof im westtürkischen Izmir gesehen worden.

Da Auswertungen von Überwachungskameras des Busbahnhofs aber keinerlei Hinweise auf die Verschwundene ergaben, kam die Polizei den mutmaßlichen Mördern auf die Spur. Aus Furcht, das Verbrechen könne aufgedeckt werden, grub die Familie die Leiche des Opfers aus und verbrannte sie im Hof. Anschließend wurden die Leichenreste erneut verscharrt. Nach dem Geständnis eines Verdächtigen fand die Polizei nun die vergrabenen Knochen.

Bei einer Verurteilung müssen die mutmaßlichen Haupttäter mit lebenslangen Haftstrafen rechnen. Früher mögliche Strafminderungen bei Ehrenmorden waren in der Türkei vor einigen Jahren abgeschafft worden.

jjc/AFP

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