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Einbrecherbanden in NRW: Wo die Diebe am häufigsten zuschlagen

Von , Düsseldorf

Nachgestellter Einbruch: 4500 Euro Beute im Schnitt Zur Großansicht
dapd

Nachgestellter Einbruch: 4500 Euro Beute im Schnitt

Sie kommen meist in der Dunkelheit und nehmen mit, was sie fassen können: Mobile Einbrecherbanden ziehen seit einiger Zeit durch Nordrhein-Westfalen. Ein Papier aus dem Innenministerium zeigt nun, in welchen Regionen die Diebe vorrangig operieren.

Die nordrhein-westfälische Kriminalpolizei kann sich über zu wenig Arbeit derzeit nicht beklagen. Das Innenministerium hat den Beamten verordnet, sich vor allem um drei Schwerpunkte zu kümmern: Extremismus, Computer- und Organisierte Kriminalität. Hinzu kommt allerdings auch noch die Bekämpfung mobiler Einbrecherbanden, die seit geraumer Zeit stehlend durch das Land ziehen und die Ermittler vor besondere Schwierigkeiten stellen.

Mehr als 54.000 Wohnungseinbrüche verzeichnete die NRW-Polizei im vergangenen Jahr, das waren 7,5 Prozent mehr als in 2011 - und da hatte es bereits einen signifikanten Anstieg um 12,5 Prozent gegeben. Allerdings: Nur knapp 14 Prozent der Einbrüche werden aufgeklärt, in Köln sind es sogar nur magere sechs Prozent.

Wie jetzt aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Gregor Golland hervorgeht, machten sich die Diebe zuletzt verstärkt an Wohnungen im Kreis Coesfeld (plus 116 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum), dem Ennepe-Ruhr-Kreis (plus 51 Prozent) und der Stadt Münster (plus 50 Prozent) zu schaffen (Weitere Daten finden Sie in der Tabelle unterhalb des Artikels). Am häufigsten betroffen waren aber auch im zweiten Halbjahr 2012 die Metropolen Köln (2252 Fälle), Essen (1532 Fälle) und Düsseldorf (1472 Fälle).

Quer durch das Land

Erfahrene Kriminalisten wissen, dass sich die Banden seit geraumer Zeit quer durch Nordrhein-Westfalen arbeiten. Sie begannen im Südwesten des Landes und zogen immer weiter Richtung Nordosten. Das dichte Autobahnnetz ermöglicht den hochmobilen Dieben, sich schnell von den Tatorten zu entfernen und damit auch aus dem Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Ermittlungsbehörden. Nicht immer können die Beamten mit dem Tempo der Einbrecher mithalten.

Kriminalisten unterscheiden zwischen drei verschiedenen Typen von Einbrechern: Zum einen haben die Fahnder es mit lokal ortsansässigen Kleinkriminellen zu tun, die mit Gelegenheitsbrüchen zumeist ihre Drogensucht zu finanzieren versuchen. Zum anderen stellen die Polizisten international operierende, hochprofessionell arbeitende Gruppierungen fest. Für den massiven Anstieg der Fälle ist aber eine dritte Sparte der Einbrecher verantwortlich, die erst seit Kurzem ihr Unwesen treibt: Zumeist stammen diese Täter aus Osteuropa, sie leben inzwischen in Deutschland und reisen für ihre Coups Hunderte Kilometer durch das Land. Im Schnitt erbeuten sie bei einem Einbruch 4500 Euro.

Die Täter gehörten, so schreiben Experten aus dem Landeskriminalamt (LKA) und mehreren lokalen Polizeibehörden in einem vertraulichen Bericht, zumeist "überregional und arbeitsteilig operierenden Gruppierungen" an, die nur vorübergehend in Nordrhein-Westfalen blieben. Sie wechselten häufig die Orte und würden nur selten dort straffällig, wo sie sich für längere Zeit aufhielten. Dennoch hätten sie mit einer Vielzahl von Delikten, die ihnen zugeordnet werden, einen erheblichen Einfluss auf die Sicherheit im Land.

Beweglichkeit der Banden

Aus der Beweglichkeit der Banden entsteht jedoch ein großes Problem für die Ermittler. Der träge Behördenapparat kann bislang mit den ebenso wendigen wie windigen Tätern nicht Schritt halten, weshalb die geschnappten Seriendiebe häufig behandelt werden wie harmlose Ersttäter. Oftmals erkennen die örtlich zuständigen Beamten offenbar gar nicht, wen sie da vor sich haben. Daher ergriffen sie auch zu häufig nur "Mindestmaßnahmen", rügen die Polizisten, woraus wiederum "regelmäßig Qualitätsdefizite" entstünden.

So würden Datenbanken schlecht gepflegt, Kriminalakten vernachlässigt und erkennungsdienstliche Instrumente wie Fotos oder Fingerabdrücke nicht aktualisiert. "Überregional, arbeitsteilig organisierte Berufs- und Gewohnheitstäter, die in mehreren Kreispolizeibehörden Straftaten begehen (…), erfahren in Nordrhein-Westfalen einen zu geringen Verfolgungsdruck", notieren die Fachleute aus dem LKA.

Hinzu kommt: "Bei Wohnungseinbrüchen werden Tatverdächtige besonders häufig nicht verurteilt", sagte Tillmann Bartsch, 35, vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) dem SPIEGEL. Nach einer KFN-Untersuchung wurden bei 1000 Einbrüchen 158 Tatverdächtige gefasst, aber nur 29 angeklagt und 22 verurteilt. Bei anderen Delikten ist die Quote deutlich höher. Doch vielfach steht sich die Polizei der Aufklärung der Delikte auch selbst im Weg.

Ein Mordermittler, der vor einiger Zeit mitbekam, wie ein rumänischer Clan Woche für Woche Zehntausende Euro zusammenstahl und sich in abgehörten Telefonaten auch noch über die Polizei lustig machte, versuchte daraufhin, seine örtlichen Kollegen einzuschalten. Doch die waren weder an seinen Erkenntnissen zu der Gruppe noch an dem Fall interessiert: "Die wohnen doch bloß hier", bekam der Hauptkommissar zu hören, "die klauen ja woanders." In dem Präsidium am Tatort wiederum argumentierten die Beamten genau andersherum.

Der Kriminalist gab dann schließlich auf. Die Bande machte weiter.

Wohnungseinbrüche

Anzahl der bekannt gewordenen Fälle in Nordrhein-Westfalen

(Zur Sortierung klicken Sie auf die Spaltenköpfe)

Tatort* 2. Halbj. 2011 2. Halbj. 2012 Änderung in %
Aachen (PP) 995 876 -12,0
Bielefeld (PP) 376 402 +6,9
Bochum (PP) 799 1083 +35,5
Bonn (PP) 838 1122 +33,9
Borken (LR) 308 295 -4,2
Coesfeld (LR) 136 294 +116,2
Dortmund (PP) 1099 1265 +15,1
Duisburg (PP) 746 716 -4,0
Düren (LR) 440 417 -5,2
Düsseldorf (PP) 1696 1472 -13,2
Ennepe-Ruhr-Kreis (LR) 264 398 +50,8
Essen (PP) 1322 1532 +15,9
Euskirchen (LR) 347 275 -20,7
Gelsenkirchen (PP) 415 518 +24,8
Gütersloh (LR) 226 330 +46,0
Hagen (PP) 295 376 +27,5
Hamm (PP) 207 133 -35,7
Heinsberg (LR) 401 400 -0,2
Herford (LR) 213 222 +4,2
Hochsauerlandkreis (LR) 161 159 -1,2
Höxter (LR) 47 33 -29,8
Kleve (LR) 299 297 -0,7
Köln (PP) 2485 2252 -9,4
Krefeld (PP) 476 434 -8,8
Lippe (LR) 184 239 +29,9
Märkischer Kreis (LR) 340 424 +24,7
Mettmann (LR) 721 721 0,0
Minden-Lübbecke (LR) 215 299 +39,1
Mönchengladbach (PP) 412 491 +19,2
Münster (PP) 285 427 +49,8
Oberbergischer Kreis (LR) 240 231 -3,8
Oberhausen (PP) 445 399 -10,3
Olpe (LR) 51 63 +23,5
Paderborn (LR) 133 168 +26,3
Recklinghausen (PP) 1336 1420 +6,3
Rhein-Erft-Kreis (LR) 969 826 -14,8
Rheinisch-Bergischer Kreis (LR) 446 410 -8,1
Rhein-Kreis Neuss (LR) 667 569 -14,7
Rhein-Sieg-Kreis (LR) 517 545 +5,4
Siegen-Wittgenstein (LR) 114 166 +45,6
Soest (LR) 246 208 -15,4
Steinfurt (LR) 345 386 +11,9
Unna (LR) 290 343 +18,3
Viersen (LR) 306 321 +4,9
Warendorf (LR) 157 156 -0,6
Wesel (LR) 623 560 -10,1
Wuppertal (PP) 751 653 -13,0
* Zuordnung der Tatorte zu den Bezirken der Kreispolizeibehörden
PP: Polizeipräsidium
LR: Landrat

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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1. Einbrecherbanden
Inuk 03.04.2013
Zitat von sysopDPASie kommen meist in der Dunkelheit und nehmen mit, was sie fassen können: Mobile Einbrecherbanden ziehen seit einiger Zeit durch Nordrhein-Westfalen. Ein Papier aus dem Innenministerium zeigt nun, in welchen Regionen die Diebe vorrangig operieren. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/einbrecherbanden-hier-schlagen-die-diebe-am-haeufigsten-zu-a-892313.html
Egal, ob Krankenschwester, Altenpfleger, Kitabetreuerin und jetzt, Polizei. Überall dort wo Dienst am Menschen erforderlich ist, wird gespart und es gibt zu wenig Personal. Wenn es der Polizei nicht möglich ist, Berichte und Eintragungen zu pflegen, sodass bei überregionalen Vorfällen gegen die Diebe nicht ermittelt werden kann, schadet das der Gesellschaft und der Innenminister hat hier kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Wenn noch nicht einmal Tipps von anderen Bereichskollegen nachgegangen werden, zeigt, dass die Behörde am Ende ihrer Kräfte ist. Hinzu kommt auch die lasche Rechtsprechung, die wiederholt Diebe mit einer kurzen Ermahnung laufen lässt und geradezu zum Weitermachen aufmuntert.
2. optional
20099 03.04.2013
Krasser Bericht! Und das ist übrigens erst der Anfang! Aber Schengen-EUistan sollte einem die paar Einbrüche doch wohl Wert sein!
3. und wie kommt man zur Vergleichszahl?
matti99 03.04.2013
bei dieser Statistik fehlt zumindest eine entscheidende Größe. Ohne die objektive Vergleichzahl der Einwohner des jeweiligen Bereiches ist doch diese Statistik völlig schief. Mal abgesehen davon, daß es sicherlich auch andere objektive Vergleichszahlen geben könnte: Polizeimitarbeiter pro Einnwohner, Einkommensteueraufkommen, Flächengröße, etc. ... - es fällt jedoch auf, daß die wirtschaftlich reichere Region um Köln-Bonn deutlich stärker betroffen ist als das Sauerland....
4. Prioritäten setzen!
reever_de 03.04.2013
Hauptsache auf der Straße ist genug Polizei auf Raserjagd .. da wird halt Geld verdient. Wer Eigentum besitzt ist selber Schuld, er macht ja die Besitzlosen bewusst und absichtlich nur neidisch, denn die wollen ja auch ihren Lebensstandard haben ...
5. optional
zitzschenkind 03.04.2013
Wer schützt das deutsche Volk von den osteuropäischen Banden. Hier gibt es nur ein Mittel,Grenze dichtmachen. Die Polizei ist sowieso überfordert,lustlos,machtlos bei dieser Justiz.
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