Abtreibungsrecht in El Salvador Nach Totgeburt als Mörderin verurteilte Frau kommt frei

In El Salvador sind Abtreibungen selbst dann verboten, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Mariana López sitzt nach einer Totgeburt seit fast zwei Jahrzehnten in Haft - bis jetzt.


Es ist eines der restriktivsten Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen weltweit: Im mittelamerikanischen El Salvador sind Abtreibungen unter allen Umständen verboten - selbst dann, wenn eine werdende Mutter vergewaltigt wurde oder bei der Geburt selbst sterben könnte. Zuwiderhandlungen können als Mord eingestuft und mit bis zu 50 Jahren Haft bestraft werden.

Immer wieder werden Frauen sogar als Mörderinnen verurteilt, die zuvor eine Fehlgeburt erlitten haben. So wie Mariana López: Die 40-Jährige kam im Jahr 2000 ins Gefängnis, nachdem sie ihr Kind verloren hatte.

Nach 18 Jahren Haft ist die Salvadorianerin nun vorzeitig freigelassen worden. López sei am Montag aus der Haftanstalt in Izalco westlich der Hauptstadt San Salvador entlassen worden, wie die Strafvollzugsbehörden mitteilten. Vizejustizminister Raúl López habe sie persönlich über ihre Freilassung informiert. Ein Gericht hatte Mariana López nach ihrer Fehlgeburt im Jahr 2000 wegen Mordes schuldig gesprochen und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

"Ein chauvinistisches System"

Die Menschenrechtsorganisation Acdatee begrüßte López' Freilassung als "wichtigen Sieg für die Frauen, die von einem chauvinistischen, patriarchalen und frauenfeindlichen System zu Unrecht verurteilt wurden".

López' Schicksal ist kein Einzellfall. Sie ist in diesem Jahr bereits die vierte Frau in El Salvador, die nach einer Verurteilung wegen einer angeblichen Abtreibung aus der Haft entlassen wurde. Im Januar hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission, ein unabhängiges Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), El Salvador aufgefordert, die Abtreibungsurteile gegen 27 Frauen zu überprüfen.

In der vergangenen Woche erst hatte ein salvadorianisches Gericht bereits die Freilassung von Elsi Rosales angeordnet, die nach dem Tod ihres neugeborenen Kindes wegen Abtreibung verurteilt wurde und seit August in Haft saß. Aufsehen erregt hatte auch der Fall von Teodora del Carmen Vásquez, die 2008 nach einer Totgeburt zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war und im vergangenen Februar aus dem Gefängnis freigekommen war.

Teodora del Carmen Vásquez (im Dezember 2017)
AP

Teodora del Carmen Vásquez (im Dezember 2017)

Vásquez hatte den Abtreibungsvorwurf stets abgestritten und beteuert, ein bereits totes Kind zur Welt gebracht zu haben. Die herbeigerufene Polizei nahm die noch bewusstlose junge Frau jedoch wegen Mordverdachts fest.

Erst im vergangenen Jahr hatte ein Berufungsgericht einen Antrag Vásquez' auf Freilassung abgelehnt - was empörte Reaktionen hervorrief: "Anstatt Teodora dafür zu bestrafen, dass sie eine Frau ist, sollten die Verantwortlichen in El Salvador dringend ihre empörenden Abtreibungsgesetze untersuchen und Schritte einleiten, sie aufzuheben", sagte Erika Guevara-Rosas von Amnesty International.

mxw/AFP



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