Pakistan: Polizei nimmt Elfjährige wegen Blasphemie fest

Die junge Christin trug Seiten des Koran in einer Mülltüte - die Polizei nahm sie bei Islamabad fest, nachdem eine große Menschenmenge drohte, Häuser von Christen niederzubrennen. Das Mädchen soll mental gestört sein. Auch ihre Eltern kamen in Gewahrsam, zu ihrem eigenen Schutz.

Hamburg - Sie kündigten an, die Häuser von Christen bei Islamabad niederzubrennen. Wütende Pakistaner forderten nach Medienberichten die Polizei dazu auf, ein elf Jahre altes Mädchen festzunehmen. Der Grund: Es soll den Koran entweiht haben. Die Beamten nahmen die junge Christin wegen Blasphemie fest.

Das Mädchen soll Schwierigkeiten haben, zu lernen und sich auszudrücken, wie die BBC berichtet. Es könne nicht einmal die Fragen der Polizei richtig beantworten. Auch die Eltern der jungen Christin wurden in Gewahrsam genommen - aber nur zu ihrem eigenen Schutz.

Paul Bhatti, der pakistanische Minister für "National Harmony" sagte, das Mädchen leide unter einer geistigen Behinderung. Es habe den Koran nicht absichtlich entweihen wollen. "Es hat eine Mülltüte getragen, in der auch Seiten des Korans verstaut waren", sagte Bhatti der BBC. "Das hat einige Menschen sehr wütend gemacht, sie haben sich versammelt und wollten, dass man gegen das Mädchen vorgeht." Die Beamten hätten sich zunächst geweigert, es festzunehmen. Aber der Druck der Menge war zu groß.

Nach den Aussagen Bhattis sind mehr als 600 Menschen aus ihren Häusern in dem christlichen Viertel geflohen. Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Freitag.

Aktivisten drängen Pakistan dazu, ihre kontroversen Blasphemie-Gesetze zu reformieren. Nach diesen können Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt werden, wenn sie den Koran entweihen. Menschen, denen Blasphemie nachgesagt wird, werden immer wieder Opfer des wütenden Mobs. Ein Minister, der sich für eine Änderung der Gesetze aussprach, wurde ermordet.

kha

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  • Sonntag, 19.08.2012 – 23:02 Uhr
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Das Blasphemie-Gesetz
Das Blasphemiegesetz ist im pakistanischen Strafgesetzbuch verankert. Es umfasst vier Paragraphen mit verschiedenen Unterpunkten. Grundsätzlich verbietet das Gesetz die Beleidigung jeder Religion. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Koran (darauf steht lebenslange Haft) und des Namens des Propheten Mohammed (dafür ist die Todesstrafe vorgesehen) verhängt werden. Zwar ist in Pakistan nie ein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt worden, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht.

Fakten über Pakistan
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .





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