Nach Randale bei EM Polen weist russische Hooligans aus

Sie waren an den Straßenkämpfen mit polnischen Hooligans beteiligt: Polnische Behörden haben zwei Russen ausgewiesen. Die beiden Krawallmacher dürfen nun fünf Jahre lang nicht mehr in Länder der Schengen-Zone einreisen. Unterdessen wächst die Sorge vor weiterer Randale.

DPA

Warschau - Die beiden russischen Staatsbürger mussten sich vor einem Schnellgericht in Warschau verantworten - und bekannten sich schuldig. Zwei Hooligans sind aus Polen ausgewiesen worden. Die beiden Krawallmacher, waren am Dienstag an den schweren Zusammenstößen in Warschau am Rande des EM-Vorrundenspiels zwischen Polen und Russland beteiligt gewesen. Sie erhielten nun den entsprechenden Ausweisungsbescheid vom Gouverneur der Provinz Masowien, zu der Warschau gehört.

Eine Sprecherin der Warschauer Regionalverwaltung sagte, die beiden Männer hätten das Land unmittelbar nach der Entscheidung verlassen müssen. Für die kommenden fünf Jahre dürfen sie zudem nicht in Länder der Schengen-Zone einreisen.

Bei Straßenkämpfen vor und nach der Begegnung zwischen Polen und Russland (1:1) waren trotz massiven Polizeieinsatzes 20 Menschen verletzt worden, darunter auch zehn Polizisten. Insgesamt 184 mutmaßliche Hooligans aus Polen, Russland und anderen Ländern wurden festgenommen. In mehr als hundert Verfahren wurden einige von ihnen zu mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt, andere kamen mit Bewährungsstrafen und Geldbußen davon. Die Prozesse vor zwei Warschauer Gerichten werden in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Weitere Festnahmen nach öffentlicher Fahndung

Die Warschauer Polizei hat derweil sechs weitere polnische Hooligans festgenommen, die an den schweren Ausschreitungen beteiligt waren. Die Krawallmacher wurden anhand nachträglicher Ermittlungen identifiziert, unter anderem anhand der Analyse von Bildern der Überwachungskameras.

Die Polizei hatte am Donnerstag die Öffentlichkeit aufgefordert, bei der Identifizierung der Hooligans behilflich zu sein. Sie hatte Täterfotos ins Internet gestellt und eine Telefon-Hotline eingerichtet. Den Informanten wurde Anonymität zugesichert. Nun gehen die Behörden davon aus, dass noch mehr Täter gefasst werden. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor die Beamten an ihre Tür klopfen werden", hieß es auf der Homepage der polnischen Polizei.

Unterdessen soll ein starkes Polizeiaufgebot auch am Samstag die EM-Begegnung zwischen Russland und Griechenland sichern. Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass weitere Hooligan-Gruppen aus Russland nach Warschau kommen wollen. Für weitere Brisanz könnte sorgen, dass zeitgleich mit dem Spiel Zehntausende Polen in der Warschauer Innenstadt die Übertragung der EM-Partie Polen gegen Tschechien aus Breslau beobachten. Polen benötigt einen Sieg, um ins Viertelfinale einzuziehen.

"Wir werden noch mehr Einsatzkräfte und -mittel konzentrieren als bei dem kritischen Spiel gegen Russland. Ich hoffe sehr, es wird nicht notwendig sein, sie einzusetzen", sagte Ministerpräsident Donald Tusk dem Rundfunksender Radio Zet. Tusk deutete an, dass der russische Präsident Wladimir Putin, mit dem er ein Telefongespräch über die Hooligan-Gewalt geführt hatte, vor möglichen Racheakten russischer Gewalttäter gewarnt hätte. "Auch sie (die russischen Sicherheitskräfte, Anm. d. Red.) haben ihre Hooligans nicht völlig unter Kontrolle. Es könnte sein, dass von russischer Seite noch gefährlichere Leute als bisher auftauchen."

wit/dpa/sid



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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
f.a.g. 16.06.2012
1. Na ja
Zitat von sysopDPASie waren an den Straßenkämpfen mit polnischen Hooligans beteiligt: Polnische Behörden haben zwei Russen ausgewiesen. Die beiden Krawallmacher dürfen nun fünf Jahre lang nicht mehr in Länder der Schengen-Zone einreisen. Unterdessen wächst die Sorge vor weiterer Randale. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,839236,00.html
Sport verbindet ! Die Hooligans und Prolls auf jeder Seite -- der Anklagebank , hoffentlich !
dröhnbüdel 16.06.2012
2. Von Polen lernen
Die polnische Justiz zeigt uns, wie mit solchen Krawallmachern umzugehen ist: Sofort vor Gericht stellen und aburteilen, ohne monatelange Ermittlungsverfahren. Der Rechtssicherheit würde das nicht schaden, weil die Tatbestände eindeutig sind. Sogar die sofortige Ausweisung der russischen Hooligans geht für mich in Ordnung. Sie haben die Entschlossenheit der polnischen Justiz wohl unterschätzt und sind jetzt eines besseren belehrt worden. Von den Polen kann die deutsche Justiz auch einiges über den Umgang mit jugendlichen und erwachsenen Intensivtätern lernen. Zwischen der Tat und dem Gerichtsverfahren sollten möglichst nicht mehr als eine Woche Zeit vergangen sein, damit die Täter die Dauer der umständlichen polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht für neue Straftaten nutzen können.
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