Empörung über Judenstern-Kampagne: "Geistlos, hirnlos, geschmacklos"

Ein Online-Anbieter bot T-Shirts an, mit denen die Käufer "knallhart" gegen das Rauchverbot demonstrieren sollten. Auf dem Hemd prangte ein Davidstern. Der Zentralrat der Juden zeigt sich bestürzt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Itzehoe - "Deutschland muss wachgerüttelt werden". Noch kürzlich prangte dieser Aufruf auf der Internetseite rauchershirt.de. Genau daneben platziert war die Abbildung eines schwarzes Hemds samt gelbem Davidstern mit dem Schriftzug "Raucher". Seit heute sind die Parolen verschwunden, von Verkauf ist keine Rede mehr. Was bleibt, ist Empörung - und der Anfangsverdacht einer Straftat.

T-Shirt mit Judenstern: "Wirklich nichts begriffen"
DDP

T-Shirt mit Judenstern: "Wirklich nichts begriffen"

Die Eventagentur DMP mit Sitz im schleswig-holsteinischen Neuenbrook hatte das umstrittene T-Shirt für 19,99 Euro feil geboten. Laut Eigenwerbung sollte damit gegen das neue Rauchverbot in Gaststätten, das in zehn Bundesländern gilt, protestiert werden - und zwar "knallhart".

Mit Empörung reagierte der Zentralrat der Juden jetzt auf die Strategie, mit Verweisen auf die Zeit der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten - Juden wurden gezwungen, den gelben Stern auf der Kleidung zu tragen - Kasse machen zu wollen.

"Der Judenmord wird hier knallhart missbraucht", erklärte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. "Das ist dumm, dreist und böse. Den Mord an Juden zu instrumentalisieren, um den Wunsch der Menschen zum Rauchen zu symbolisieren, ist ein Skandal."

Der Verkauf eines solchen T-Shirts nutze niemandem und schade der politischen und gesellschaftlichen Kultur im Land: "Das ist geistlos, hirnlos und geschmacklos." Wer das Schicksal von Juden im Dritten Reich mit dem Gefühl von vermeintlich diskriminierten Rauchern gleichsetze, "der hat wirklich nichts begriffen", sagte Graummann weiter.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe beschäftigt sich bereits mit dem Fall: "Wir prüfen, ob dieser Umstand unter einen Straftatbestand fällt", sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper.

Der Anbieter DMP zeigt sich mittlerweile zerknirscht: Es habe nie die Absicht bestanden, "Menschen durch dieses Shirt zu verletzen oder zu beleidigen", heißt es auf der Website. Man entschuldige sich für die Aktion. Es habe sich bei dem gezeigten Shirt nur um einen "Entwurf" gehandelt, kein einziges Hemd sei verkauft worden, obwohl DMP auf seiner Seite angab, man habe im Dezember 1.000 Exemplare des Shirts unters Volk gebracht

"Das war eine Lüge zu PR-Zwecken", räumte der Betreiber Dennis Kramer nun ein. In Wahrheit habe er die Seite erst am vergangenen Mittwoch online gestellt und kein einziges T-Shirt verkauft. "Es war eine geschmacklose Schnapsidee. Bei allen, die sich jetzt verletzt fühlen, möchte ich mich entschuldigen."

Inzwischen ist auf der Webseite zu lesen, dass "umgehend neue Shirts im Angebot" sein werden.

Ein anderer Anbieter setzt die Anti-Rauchverbot-Kampagne indes fort. Auf 2klassengesellschaft.de stehen Girlie-Shirts, Sweatshirts und Plakate im Angebot. Alles versehen mit Judenstern und Raucher-Schriftzug.

dek/dpa/AP

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