Emsdetten: Amokläufer tötete sich mit Schuss in den Mund

Nach der Obduktion der Leiche des Amokläufers von Emsdetten steht fest: Der Ex-Schüler hat sich mit einem 15-Millimeter-Vorderlader selbst getötet. Seine Waffen bezog der 18-Jährige einem Bericht zufolge von einem Online-Waffenhändler.

Münster - Der tödliche Schuss sei mit einer 15-Millimeter-Vorderladerwaffe abgefeuert worden, fanden die Gerichtsmediziner in Münster heraus. Der 18-Jährige sei sofort tot gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Verbrennung des Schwarzpulvers in der altertümlichen Waffe hat laut Staatsanwaltschaft außerdem zu erheblichen Gesichtsverletzungen geführt, die die Identifizierung erschwert hätten.

Geschwister-Scholl-Schule am Tag danach: Die Schüler haben unterrichtsfrei und werden psychologisch betreut
AP

Geschwister-Scholl-Schule am Tag danach: Die Schüler haben unterrichtsfrei und werden psychologisch betreut

Der Amokläufer hatte gestern Morgen mit Rohrbomben und vier Gewehren die Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten überfallen und wahllos um sich geschossen. Insgesamt wurden bei dem Überfall rund 30 Menschen verletzt, drei davon schwer.

Jetzt konzentrieren sich die Ermittlungen der Polizei auf die Herkunft der Tatwaffen. Diese sei noch ebenso ungeklärt wie die des verwendeten Sprengstoffs, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Er schloss zugleich aus, dass die Waffen dem Vater des Tatverdächtigen gehörten. Dieser soll einen Jagdschein besitzen. Die Polizei überprüft zudem, ob die Rohrbomben aus frei erhältlichen Bestandteilen nach einer Bauanleitung aus dem Internet hergestellt wurden.

Laut Online-Ausgabe der "Welt" hat sich der Amokläufer vermutlich im Internet mit Waffen versorgt. Bei einer Auktions-Website für "Jäger, Schützen und Angler" habe ein Nutzer mit dem Internet-Pseudonym von Sebastian B. seit März 2005 eingekauft. Geboten hat er unter anderem auch auf eine Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg.

Bereits im Juli hatte die Polizei ihm eine Waffe abgenommen. Deswegen hätte er sich heute wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Jugendrichter in Rheine verantworten sollen. Anhaltspunkte für die Ermittlungen seien auch die im Internet veröffentlichten Videos des Mannes.

Die knapp 700 Schüler der Schule haben heute unterrichtsfrei und werden von Psychologen, Pädagogen und Seelsorgern betreut. Die Eltern des Täters befinden sich weiter in ärztlicher Behandlung. Um die beiden jüngeren Geschwister kümmern sich Verwandte, die von Psychologen unterstützt werden.

Rüttgers: Polizei verhinderte größeres Blutvergießen

Nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers hat die Polizei ein noch größeres Blutvergießen bei dem Emsdettener Schul-Überfall verhindert. Das schnelle Eintreffen der Einsatzkräfte sei ein Glücksfall gewesen, sagte der CDU-Politiker heute in Emsdetten. "Man kann davon ausgehen, dass dies dazu geführt hat, dass der Täter keine Kinder in seine Gewalt bringen konnte."

Die Schwerverletzten, zwei Kinder und der Schul-Hausmeister, der einen Bauchschuss erlitten hatte, sind nach Rüttgers Worten auf dem Wege der Besserung. Der Ministerpräsident hatte sie zuvor im Emsdettener Marien-Hospital besucht, wo sie behandelt wurden.

Besonders lobte der CDU-Politiker die örtlichen Polizisten, die als erste am Tatort waren. "Es hat sich bewährt, dass die Polizei in Nordrhein-Westfalen nach dem Vorfall in Erfurt solche Situationen geübt hat, dass es ein spezielles Einsatzkonzept für solche Amokläufe in Schulen gibt." Rüttgers regte an, über das Thema Gewalt in der Gesellschaft konzentriert nachzudenken. "Wir stellen in diesen Tagen eine doch erheblich zunehmende Gewaltbereitschaft fest."

Der normale Schulbetrieb an der Geschwister-Scholl-Schule solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sagte Rüttgers. "Es wird aber noch eine lange Zeit dauern, bis dieses furchtbare Ereignis aufgearbeitet ist und die Kinder das überwunden haben."

dab/AP/dpa/ddp

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Amoklauf in Emsdetten: Die Waffen des Sebastian B.
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Internet-Videos: Selbstinszenierung eines Amokläufers