Emsdetten Amokläufer verschickte Video mit Tatankündigung an Freunde

Sebastian B. hat am Vorabend seines Amoklaufs in Emsdetten zu Hause ein Video gedreht, in dem er die Tat ankündigt. Am Tatmorgen verschickte er den Film an Freunde. Außerdem soll der 18-Jährige eine Liste mit seinen Todeskandidaten angelegt haben.


Berlin - Sebastian B. spricht Englisch, seine letzte Botschaft ist an die ganze Welt gerichtet: "Ich habe angefangen, das Massaker an der Geschwister-Scholl-Schule zu planen. Ich will alle töten, weil sie in mein Leben eingegriffen haben. Das Leben war schön, bis ich in die Schule kam", sagt er in die Kamera, aufgezeichnet im Wohnzimmer seiner Eltern in Emsdetten. Einen Tag später setzte er seine Drohung in die Tat um, nachdem er das Video zwischen 7 und 8 Uhr in der Früh per Instant Messenger an Freunde verschickt hatte. Unklar ist, ob sie den Film noch vor der Schule und damit zwei Stunden vor der Tat gesehen haben.

Sebastian B. nennt zwei Gründe für die Bluttat: "Erstens: Schule, Lehrer, Schüler, all die Scheiße. Zweitens: Politik. Ich will Anarchie, das Einzige, wo man wirklich frei ist. Niemand hat mir zu sagen, was ich zu tun habe! Die Erde ist krank, ich nicht. Ich kann es kaum erwarten, euch alle über den Haufen zu schießen. Sie haben auf mich gespuckt, mich getreten, zu Boden geschlagen. Kein Problem, ich töte sie alle!" Er läuft unruhig durch das Wohnzimmer. "Mein Leben, meine Kanone, ich kann damit machen, was ich will!" Mit verschränkten Armen sagt er: "Ich habe Gewehre, Bomben, Molotowcocktails. Es ist Krieg, ich bin im Krieg!"

Sebastian B. soll außerdem eine Todesliste angelegt haben, berichtet die "Münstersche Zeitung" unter Berufung auf Mitschüler des Täters. Per Hand habe er die Namen von Lehrern notiert, die er töten wollte. Laut "Bild" hat er die Liste mit 14 Todeskandidaten am Abend vor seinem Amoklauf per Internet verschickt.

Internet-Kontrolleure sollen versagt haben

Nach Informationen der "Neuen Presse" soll Sebastian B. in einem Internet-Forum seinen Amoklauf angekündigt haben. Dieses Forum soll von jugendschutz.net kontrolliert werden. Jugendschutz.net hat dem Bericht zufolge am 27. Oktober in einem Brief den Betreiber des Suizidforums, auf dem sich Sebastian B. drei Wochen vor der Tat ausgelassen haben soll, wegen jugendgefährdender Inhalte abgemahnt.

Am 2. November habe der 18-Jährige im Internet-Forum waytodeath.com auf die Frage, was er jetzt am liebsten tun würde, angekündigt: "Mir SP (Sprengstoff) besorgen, meine 45 und 12er Vorderlader laden, und Leute umlegen." Laut Forumsregeln wird sofort die Polizei informiert, sobald konkrete Taten angekündigt werden. Der Betreiber habe aber nicht reagiert, berichtet das Blatt

Jugendschutz.net wurde 1997 von den Jugendministern der Bundesländer gegründet, "um jugendschutzrelevante Angebote im Internet zu überprüfen und auf die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen zu drängen", wie es auf der Internetseite der aus Mitteln der Landesjugendministerien bezahlten Anstalt heißt.

jjc/ddp

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