"Engel mit den Eisaugen": Entscheidung im Fall Amanda Knox vertagt

US-Amerikanerin Amanda Knox (Archivbild): Bestätigen die Richter ihren Freispruch? Zur Großansicht
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US-Amerikanerin Amanda Knox (Archivbild): Bestätigen die Richter ihren Freispruch?

Die Entscheidung über eine mögliche Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Amanda Knox wird vertagt. Das hat ein Gericht in Italien entschieden. Der Generalstaatsanwalt fordert, den Prozess um den Mord an der Britin Meredith Kercher neu aufzurollen.

Hamburg/Rom/Perugia - Schuldspruch, Freispruch - und was nun? Der Oberste Kassationsgerichtshof in Rom hat erklärt, dass die Entscheidung um die Causa Amanda Knox auf Dienstagmorgen verschoben wird. In dem Fall geht es darum, ob das Verfahren um den Freispruch der US-Amerikanerin neu aufgerollt werden soll.

Das Kassationsgericht entscheidet in letzter Instanz in dem Fall um den Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im November 2007 in Perugia. Das Gericht will feststellen, ob es in dem Verfahren Unregelmäßigkeiten gegeben hat, die für eine Wiederaufnahme des Falls sprechen.

Generalstaatsanwalt Luigi Riello forderte das Gericht dazu auf, einen entsprechenden Antrag von Kerchers Familie anzunehmen: Knox, von Medien als "der Engel mit den Eisaugen" bezeichnet, und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito waren zunächst wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher verurteilt, dann aber freigesprochen worden. Dagegen waren Kerchers Familie und die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen.

Der Fall Amanda Knox gehört zu den spektakulärsten Mordfällen der vergangenen Jahre. Unter anderem wurden Vorwürfe laut, Knox sei in der Haft psychisch und physisch misshandelt worden. Zur Verkündung des Urteils im Berufungsprozess waren 2011 mehr als 400 Reporter nach Perugia gekommen.

Knox und Sollecito waren im Dezember 2009 wegen Mordes an der 21-jährigen Britin Meredith Kercher verurteilt worden - Knox zu 26, Sollecito zu 25 Jahren Haft. Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt und halbnackt in einer Wohnung in Perugia gefunden worden. Dort wohnte sie gemeinsam mit Knox.

Der Körper Kerchers wies zahlreiche Messerstiche und Verletzungen auf. Vor Knox und Sollecito war zudem der Ivorer Rudy Guede in einem Schnellverfahren zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Kerchers Familie hatte die Theorie von einer Einzeltat Guedes stets zurückgewiesen.

Die Angeklagten beteuerten immer ihre Unschuld

Mehr als vier Jahre lang saß Knox im Gefängnis, erst in Untersuchungshaft, dann aufgrund der Haftstrafe, die das Gericht in erster Instanz verhängt hatte. Doch der Fall ging in die Berufung - und stand Anfang Oktober 2011 vor einer spektakulären Wende: Knox und Sollecito wurden freigesprochen. Das Urteil in der ersten Instanz sei nicht von irgendeinem objektivem Beweis untermauert gewesen, begründete die höhere Instanz ihre Entscheidung. Die Tatwaffe sei niemals gefunden worden, DNA-Tests seien fehlerhaft gewesen; zudem hätten weder Knox noch Sollecito ein Motiv für einen Mord gehabt.

Nach dem Freispruch hatte es vor dem Gerichtssaal Tumulte gegeben. Knox' Unterstützer feierten das Urteil, während ihre Gegner ihr unterstellten, mit einer beispiellosen Medienkampagne Druck auf das Gericht ausgeübt zu haben.

Knox und Sollecito hatten stets ihre Unschuld beteuert. Sie gaben allerdings zu, in der Nacht von Kerchers Tod Marihuana geraucht zu haben. Dies habe ihre Erinnerung beeinträchtigt.

Sollecito nahm nach dem Freispruch sein Informatikstudium wieder auf. Knox kehrte in die USA in ihre Heimatstadt Seattle zurück. Dort äußerte sie sich öffentlich zu dem Prozess. Sie dankte mit zitternder Stimme allen, "die an mich glaubten, mich verteidigten und meine Familie unterstützen".

bos/ulz/AP/Reuters

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