Entführte mexikanische Musiker: Polizei findet 17 Leichen in Brunnen

Polizisten haben im Norden Mexikos 17 Leichen aus einem gemauerten Schacht gezogen. Die Mehrzahl der Toten gehörten der Musikband "Kombo Kolombia" an, deren Mitglieder bei einem Auftritt entführt worden waren. Nur einer überlebte.

Monterrey - Ein einziger der insgesamt 18 Entführten konnte entkommen und führte die Polizei zu einem Brunnen in im Bundesstaat Nuevo León. Dort, in 15 Metern Tiefe, fanden die Beamten die Leichen der Band "Kombo Kolombia".

Am vergangenen Freitag waren diese zusammen mit einigen Helfern bei einem Auftritt in der Ortschaft Potrero Chico von zehn bewaffneten Unbekannten überfallen und mit Autos entführt worden. Das Band-Mitglied berichtete den Behörden, die Entführer hätten ihre Opfer während einer etwa vierstündigen Fahrt in Kleinbussen geschlagen und gefragt, ob sie Drogen konsumierten oder für kriminelle Banden tätig waren. Auf der verlassenen Farm seien dann alle auf die Knie gezwungen und mit je einem Schuss getötet worden.

Nachdem die Musiker am Wochenende nicht nach Hause gekommen waren, hatten Angehörige sie an ihrem Auftrittsort, auf einer privaten Ranch, gesucht. Sie fanden aber nur ihre Autos. Auch die Instrumente waren verschwunden. "Kombo Kolombia" wurde 2007 gegründet und spielte eine Mischung aus kolumbianischer und mexikanischer Musik. Einer der toten Musiker war Kolumbianer. Angehörige der Opfer erklärten der lokalen Presse, dass die Gruppe Drohungen erhalten habe. Eine Mutter berichtete, ihr Sohn habe aus Angst die Band verlassen wollen.

Das Motiv für die Morde liegt offenbar noch im Dunkeln. Man prüfe, ob es sich um einen Racheakt im Drogenkrieg handele, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörden.

Fast alle Mitglieder von "Kombo Kolombia" stammten aus dem Bundesstaat Nuevo León an der Grenze zu den USA. Hier liefern sich die Drogenhändler des Golf-Kartells und der paramilitärischen Los Zetas immer wieder blutige Kämpfe.

Auch zwei Monate nach Amtsantritt von Präsident Enrique Pena Nieto ist die Gewalt in Mexiko ungebrochen. Nach vollmundigen Versprechungen im Wahlkampf wird das Thema Drogenkrieg derzeit von der Regierung totgeschwiegen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press sagte der Präsident, er werde keine Ziele oder Fristen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen formulieren, weil er auf Prävention setze.

ala/dpa

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