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Entführung in Brandenburg: Polizei sieht Parallele zum Fall Pepper

Ein Geschäftsmann aus Brandenburg wird aus seinem Haus entführt, erst zwei Tage später kann er fliehen. Der Fall erinnert Ermittler an die Angriffe auf die Berliner Unternehmerfamilie Pepper. Sie gehen von einem Serientäter aus.

Phantombild der Polizei: So soll der Täter im Entführungsfall ausgesehen haben Zur Großansicht
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Phantombild der Polizei: So soll der Täter im Entführungsfall ausgesehen haben

Storkow - Der Täter stürmt am vergangenen Freitagabend in das Haus eines Geschäftsmannes in Storkow, die Ehefrau will gerade die Hunde rauslassen und öffnet die Tür. Der Angreifer feuert sofort einen Schuss in die Decke ab, die Frau muss ihren Mann fesseln sowie Augen und Mund verkleben - vor den Augen des zehnjährigen Sohnes.

Der Entführer fordert Lösegeld in Millionenhöhe, die Polizei dürfe nicht eingeschaltet werden. Er droht damit, den Mann zu erschießen und sich den Jungen zu holen, wenn seine Forderungen nicht erfüllt würden. Anschließend flüchtet der Täter mit dem Geschäftsmann aus dem Haus im Landkreis Oder-Spree und wirft ihn in einen angrenzenden See.

Der Manager muss sich an einer Art Paddelboot klammern. Etwa eine Stunde - so wird er es später der Polizei berichten - wird er durch das kalte Wasser gezogen. Später wechselt der Täter das Boot und rudert sein Opfer zu einer Schilfinsel. Dort wird der Mann mit Plastik und Klebeband zugeschnürt, nur Mund und Nase bleiben frei. Ihm wird ein Schlauch in den Mund gesteckt. "Hier, damit kannst du aus dem See trinken", soll der Entführer Polizeiangaben zufolge gesagt haben.

Nur kurzzeitig werden dem Opfer die Hände befreit, damit er Briefe schreiben kann. Acht Stück sollen es insgesamt gewesen sein. Damit sollte die Ehefrau des Unternehmers auf eine tagelange "Schnitzeljagd" geschickt werden.

Am Samstagabend soll der Täter den Mann allein gelassen haben - mit dem Hinweis, er komme am Mittwoch zurück. Da hat der Unternehmer schon eine Nacht im Freien verbracht, eine weitere soll folgen, ohne Essen und nur mit Wasser aus dem See. Der Täter habe schwere Verletzungen und den möglichen Tod seines Opfers in Kauf genommen, heißt es bei der Polizei.

Am Sonntag gelingt dem Geschäftsmann die Flucht von der Insel. Er bittet einen Hausbesitzer um Hilfe, dieser alarmiert die Polizei. Dem Opfer gehe es "den Umständen entsprechend" gut.

Erinnerungen an den Fall Pepper

Vom Täter fehlt bisher jede Spur. Er habe die Geiselnahme lange vorbereitet, sagte Polizeipräsident Arne Feuring. Von ihm gehe eine enorme Gefahr aus. Insgesamt 300 Beamte von Spezialeinsatzkommandos aus sechs Bundesländern wurden zur Unterstützung der Ermittlungen herangezogen. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter kein Unbekannter ist: "Parallelen zum Fall Pepper liegen sehr nahe", sagte der Leitende Frankfurter Oberstaatsanwalt Carlo Weber.

Im Oktober 2011 hatte ein bislang unbekannter, maskierter Mann auf die Tochter des Unternehmers Christian Pepper geschossen - er traf einen Bodyguard, der die Frau begleitete. Der Mann wurde schwer verletzt. Wenige Wochen zuvor war die Ehefrau des Unternehmers vor dem Anwesen in Bad Saarow niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Die Polizei geht davon aus, dass für diese beiden Fälle sowie für die Entführung in Brandenburg der selbe Mann verantwortlich ist.

Die Tatwaffe des Kidnappers sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" die selbe Waffe, die bei der Unternehmerfamilie Pepper verwendet wurde, sagte Vize-Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Für den selben Täter "sprechen auch die brutale Vorgehensweise und eine erste Personenbeschreibung".

Polizei und Staatsanwaltschaft baten die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche. "Da läuft ein gefährlicher Verbrecher frei herum", sagte Weber. Der Täter trug nach Angaben der Polizei Outdoorkleidung, er ist zwischen 35 und 50 Jahre alt sowie etwa 1,70 bis 1,85 Meter groß.

aar/dpa/dapd

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