Entscheidende Minuten 2011: Ende der Unschuld

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22. Juli 2011, 15.26 Uhr: Ein großer blonder Mann erklärt Norwegen den Krieg. Am Ende sind 77 Menschen tot, und eine ganze Nation ist verstört. Anders Breivik kam aus der Mitte der Gesellschaft. Hat ein freies Land versagt, wenn es solche Monster gebiert?

REUTERS/ ABC Nyheter/ Scanpix

Am 22. Juli, um 15.26 Uhr, reißt eine Explosion die Norweger aus der Ferienruhe. Eine Bombe detoniert im Osloer Regierungsviertel, Schutt und Glassplitter fliegen durch die Luft, blutüberströmte Menschen taumeln über die Straßen. Es sind Bilder wie aus dem Krieg, acht Norweger sterben.

Der Terror hat das Land getroffen. Die Täter sind wohl Islamisten, glauben die meisten zunächst.

Anderthalb Stunden später setzt ein großer blonder Mann auf die Fjordinsel Utøya über, sie liegt rund 40 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Dem Fährmann sagt er, er sei Polizist. Auf der Insel angekommen, fängt er unvermittelt an zu schießen, 69 Menschen bringt er um, die meisten von ihnen Jugendliche.

Nach der Tat ist Norwegen ein anderes Land.

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Terror: Alptraum in Norwegen
Die kleine liberale Nation, die Offenheit zu ihrer Maxime gemacht hat, deren Selbstwert davon abhing, irgendwie besser, fürsorglicher, reicher und friedlicher zu sein, ist in ihren Grundfesten erschüttert. Sie wurde getroffen von dem Norweger Anders Behring Breivik aus dem gutbürgerlichen Westen der Hauptstadt Oslo.

Breivik stürzte das Land in einen Alptraum, wie er schlimmer kaum vorstellbar ist: Die Jugendlichen waren völlig arglos, diskutierten auf der Ferieninsel über soziales Engagement, erlebten vielleicht ihre erste Liebe - als das Böse in die Idylle einbrach.

In den Tagen nach dem Anschlag trauerten die Norweger kollektiv zu der Hymne "Mitt lille land" ("Mein kleines Land"), gesungen von Maria Mena. "Mein kleines Land. Ein kleiner Fleck, eine Handvoll Frieden, hingeworfen zwischen Felsplateau und Fjorde", heißt es in dem Lied. Hunderttausende schauten das dazugehörige Video auf YouTube, unterlegt mit Bildern des Anschlags. Es war ein Abschiedsgesang auf dieses heile Land.

Die Norweger stemmten sich nach den Anschlägen gegen Rachegedanken und verteidigten ihre Freiheit und Toleranz, angeführt von dem zum Landesvater gereiften Premier Jens Stoltenberg. Hysterie war ihnen auch in den schlimmsten Stunden fern - das zeigte sich in kleinen Alltagsgesten: Am Tag nach dem Anschlag servierten die Mitarbeiter des Restaurants auf dem Campingplatz Utvika gegenüber der Insel Utøya wieder Burger und Pommes, tief traurig und trotzdem lächelnd. Sie hatten miterlebt, wie Dutzende Jugendliche, die auf der Flucht vor Breivik ins Wasser sprangen und um ihr Leben schwammen, auf dem Zeltplatz angekommen waren.

Symptomatisch war auch, dass viele Norweger sofort nach dem Terror erklärten: "Zum Glück war es kein Islamist, dann wäre es hier für Ausländer sehr schlimm geworden." Das war ein Gedanke, den man in den Tagen und Wochen danach immer wieder hörte. Im Vordergrund stand für viele der gesellschaftliche Zusammenhalt. Das Gutachten der Gerichtspsychiater, wonach Attentäter Breivik als nicht zurechnungsfähig gilt, ist Ausdruck der Rechtsstaatlichkeit des Landes.

Und dennoch muss die norwegische Politik sich auch Fragen gefallen lassen: War es nicht naiv, dass es im Osloer Regierungsviertel fast keine Sicherheitsvorkehrungen gab? Warum dauerte es so lange, bis die Polizei vor Ort war? Warum wurde Breivik, der angeblich als vierjähriger Junge wegen sexuellen Missbrauchs psychologisch betreut worden war, danach nicht weiter beobachtet? Hat sich Norwegen zu lange vor einer Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut gedrückt? Zumindest für das gesellschaftliche Klima, in dem der Hass Breiviks gedeihen konnte, machen viele die rechtspopulistische Fortschrittspartei mitverantwortlich.

Breiviks Terror betrifft nicht nur Norwegen, die Anschläge sind ein Schock für die gesamte westliche Welt. Nicht nur von Islamisten geht eine Bedrohung aus, sondern genauso von Rechtsradikalen. Das hat Breivik gezeigt - und das zeigen die Neonazi-Morde in Deutschland.

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1.
J_Curious 21.12.2011
Zitat von sysop22. Juli 2011, 15:26 Uhr: Ein großer blonder Mann erklärt Norwegen den Krieg. Am Ende sind 77 Menschen tot und eine ganze Nation ist verstört. Anders Breivik kam aus der Mitte der Gesellschaft. Hat die offene Gesellschaft versagt, wenn sie solche Monster gebiert? Entscheidende Minuten 2011: Ende der Unschuld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,799684,00.html)
In einer freien Gesellschaft kann es keine totale Sicherheit geben. Das schaffen ja nicht mal Diktaturen. Die Frage nach Schuldigen und Verfehlungen ist meiner Meinung nach daher nur ein Schutzmechanismus, um sich eben diese Tatsache nicht bewußt machen zu müssen. Mein Mitgefühl gilt daher allen Angehörigen, aber nicht dem norwegischen Staat oder der Gesellschaft - die machen da schon eine Menge richtig.
2. Was
der_mündige_bürger 21.12.2011
Zitat von sysop22. Juli 2011, 15:26 Uhr: Ein großer blonder Mann erklärt Norwegen den Krieg. Am Ende sind 77 Menschen tot und eine ganze Nation ist verstört. Anders Breivik kam aus der Mitte der Gesellschaft. Hat die offene Gesellschaft versagt, wenn sie solche Monster gebiert? Entscheidende Minuten 2011: Ende der Unschuld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,799684,00.html)
will uns dieses Blablabla sagen? Eine Aneinanderreihung inhaltsleerer Phrasen und Allgemeinplätze, sonst nichts. Kriegt die Frau dafür Geld? Oder muß sie zahlen, damit so ein Stuß im SPON veröffentlicht wird? Herzliche Grüße
3. Nein
Schäfer 21.12.2011
Zitat von sysop22. Juli 2011, 15:26 Uhr: Ein großer blonder Mann erklärt Norwegen den Krieg. Am Ende sind 77 Menschen tot und eine ganze Nation ist verstört. Anders Breivik kam aus der Mitte der Gesellschaft. Hat die offene Gesellschaft versagt, wenn sie solche Monster gebiert? Entscheidende Minuten 2011: Ende der Unschuld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,799684,00.html)
Die Gesellschaft hat nicht versagt. Es ist schon schlimm, wenn die Gesinnung oder Moral einer Gesellschaft mit der von Politikern gleichgesetzt wird. Das jetzt auch noch auf Mörder auszuweiten, ist zu absurd um infam zu sein.
4.
GinaBe 21.12.2011
Zitat von sysop22. Juli 2011, 15:26 Uhr: Ein großer blonder Mann erklärt Norwegen den Krieg. Am Ende sind 77 Menschen tot und eine ganze Nation ist verstört. Anders Breivik kam aus der Mitte der Gesellschaft. Hat die offene Gesellschaft versagt, wenn sie solche Monster gebiert? Entscheidende Minuten 2011: Ende der Unschuld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,799684,00.html)
DAS ENDE DER UNSCHULD....? Geht es noch? Seit wann ist "die Gesellschaft" nicht mehr unschuldig? Etwa seit der Vertreibung aus dem Paradies? Womit möchte die Autorin denn hier punkten und eine Schuld oder/und Mitverantwortung an alle transportieren? Abgesehen davon "gebiert Die Gesellschaft" keine Monstren, sondern es sind immer Familien, aus denen Kinder stammen. Sonst noch etwas?
5.
Jörg Starkmuth 21.12.2011
Solche "Monster" werden überall geboren - letztlich steckt eines in jedem von uns. Das kann man nicht einer Gesellschaft als Ganzes anlasten. Am ehesten könnte man noch bei der Kontrolle des Waffenbesitzes ansetzen. Da gibt es tatsächlich eine nationale Verantwortung, die sehr unterschiedlich gelebt wird (siehe USA).
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Zur Autorin


Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 4,920 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschef:
Erna Solberg

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Waffen in Norwegen
Zahlen
Die Zahl der Schusswaffen, die sich in Privatbesitz befinden, wird auf rund 1,4 Millionen geschätzt, bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Menschen. Die hohe Zahl ist vor allem auf die Jagd zurückzuführen: Nach Angaben der Behörden besaß vor drei Jahren ungefähr jeder zehnte Norweger eine Jagdlizenz. Ähnlich beliebt ist das Sportschießen.
Waffengesetze
Die Waffengesetze Norwegens sind vergleichsweise strikt. Privater Waffenbesitz ist möglich, allerdings unter strengen Auflagen. Dass auch sie nicht vor grausamen Verbrechen schützen, beweist der Massenmord durch Anders Breivik: Er hatte seine Schusswaffen offenbar auf legalem Weg erworben.
Allgemeine Vorschriften
In Norwegen dürfen laut dem Waffengesetz "vernünftige und verantwortungsbewusste" Personen ab 18 Jahren Schrotflinten und Gewehre besitzen. Handfeuerwaffen sind ab 21 erlaubt. Wer einen Waffenschein haben möchte, muss seine Gründe darlegen. Meistens werden hier die Jagd oder Sportschießen genannt. Es darf keine Vorstrafe vorliegen. Dies traf auf Anders Breivik zu.
Waffenbesitz für die Jagd
Die meisten Waffenscheine werden in Norwegen für die Jagd vergeben. Für die Jagdlizenz müssen Anwärter einen 30-stündigen Kurs absolvieren. Zudem müssen sie einen Multiple-Choice-Test bestehen. Der Jagdschein muss jährlich erneuert werden, allerdings nur durch die Entrichtung einer Gebühr. Breivik erwarb die halbautomatische Schnellfeuerwaffe Ruger Mini 14, die die Standardmunition westlicher Streitkräfte verschießt, offenbar auf diesem Weg. "Ich habe den einwöchigen Jagdkurs absolviert", schreibt er im September 2010 in sein Tagebuch. "Die Polizei hat keinen Grund, meinen Antrag abzuweisen."
Waffenbesitz für das Sportschießen
Wer als Sportschütze einen Waffenschein erwerben will, muss einen mindestens neunstündigen Sicherheitskurs absolvieren, der zu zwei Dritteln aus praktischen Übungen mit der Waffe besteht. Der Kurs endet mit einem schriftlichen Test, der allerdings kürzer ist als im Fall des Jagdscheins. Nach dem bestandenen Test müssen die Anwärter über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 15-mal an einem Training im Schützenverein teilnehmen. Erst danach darf man einen Waffenschein beantragen. Auch seine Pistole, eine halbautomatische Glock 17 scheint Breivik auf diesem vorgeschriebenen Weg erworben zu haben: "15-mal Training im November, Dezember und Januar wurden abgeschlossen und dokumentiert. Der Antrag für eine Glock 17 wurde Mitte Januar abgeschickt", schreibt Breivik in seinem Tagebuch.
Unterbringung von Waffen
Waffen und Munition müssen in einem verschlossenen Schrank gelagert werden. Der Polizei ist es erlaubt, die Unterbringung zu überprüfen.
Transport von Waffen
Das Mitführen von Waffen an öffentlichen Plätzen ist streng geregelt. Der Besitzer darf nur aus bestimmten Gründen Waffen transportieren, etwa wenn sie zur Reparatur müssen oder er auf dem Weg zur Jagd ist. Die Waffen dürfen nicht geladen und nicht nach außen hin sichtbar sein. Es ist verboten, sie am Körper zu tragen. Selbst Polizisten tragen in Norwegen im Normalfall keine Pistolen bei sich. Die Waffen müssen im Polizeiwagen in einer verschlossenen Box gelagert werden. Die Beamten dürfen sie erst herausholen, wenn sie die Erlaubnis eingeholt haben. Insofern war schon das Auftreten Breviks ungewöhnlich, als er auf der Insel ankam: Er soll zwei Waffen offen getragen haben.