Erfolg für Ermittler Mann stellt sich nach Kinderschänder-Videofahndung

Erst wenige Stunden wurde nach ihm mit Videobildern in der Öffentlichkeit gesucht - jetzt hat sich laut Polizei der Kinderschänder "Christoph" gestellt. Im Rahmen der Fahndung seien viele Hinweise auf den Mann eingegangen, teilten die Ermittler mit. Sie sind sicher, dass es sich um den Täter handelt.


Wiesbaden - Schneller Erfolg: Weniger als 24 Stunden nach Beginn einer öffentlichen Fahndung nach dem Kinderschänder "Christoph" hat sich der Gesuchte laut Polizei und Staatsanwaltschaft gestellt. Die zahlreichen Hinweise aus der Bevölkerung seien nach der Veröffentlichung von Videobildern des Mannes in Fernsehen und Internet eingegangen. "Die Ermittlungen zur weiteren Tataufklärung dauern an, so dass derzeit keine weiteren Informationen zum Fall gegeben werden können", teilten Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Gießen mit.

Ein BKA-Sprecher sagte, der Mann solle am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie die Herstellung und Verbreitung von kinderpornografischen Videos vor.

Der Blitzerfolg der Ermittler ist mit Sicherheit auf ihre ungewöhnlich offensive Fahndungsmethode zurückzuführen. Sie hatten mit Fotos, Videos und Stimmproben des Kinderschänders nach ihm gesucht. Der Aufruf war erstmals am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" veröffentlicht worden. Außerdem baten die Ermittler auf der Internetseite des BKA um Hilfe. Bis Donnerstag waren rund 25 Hinweise bei den Behörden eingegangen.Darunter waren auch konkrete Tipps auf den Tatverdächtigen.

Zu Berichten, wonach sich der Verdächtige im bayerischen Sonthofen gestellt haben soll, sagte eine Sprecherin des BKA, sie könne dies weder bestätigen noch dementieren, und verwies auf ermittlungstaktische Gründe. Möglicherweise hat der Mann Komplizen. Medienberichten zufolge ist Sonthofen der Heimatort des mutmaßlichen Kinderschänders.

Der Mann missbrauchte den Ermittlern zufolge kleine Jungen im Alter zwischen fünf und sieben Jahren und wendete dabei teilweise grobe Gewalt an. Die Aufnahmen stellte er ins Internet.

Dem BKA liegen 42 entsprechende Filme vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Videos vor allem im Jahr 2006 von dem Mann aufgenommen und im Internet verbreitet wurden. Die Opfer sind heute vermutlich acht bis zehn Jahre alt. Ein Junge wird in einem Video "Marcel" genannt, ein weiterer "Pascal". Unter den Opfern könnten sich auch Brüder befinden. Das BKA schließt nicht aus, dass der Täter bis zum Schluss Kinder missbrauchte.

Der Gießener Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner sagte, die Ermittler hätten 40 der 42 Videos von einem Zeitungsjournalisten zugespielt bekommen. Zwei Aufnahmen seien im Februar dieses Jahres bei einem Tatverdächtigen in Thüringen sichergestellt worden, auf einem Computer. Der Mann wurde demnach des Besitzes von Kinderpornos beschuldigt.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wurden die Aufnahmen in Deutschland gemacht, offensichtlich von Norwegen aus ins Netz gestellt und in geschlossenen Netzwerken verbreitet. Für die Annahme, dass der Täter Mitglied eines Kinderschänderrings sein könnte, gebe es keine Hinweise.

Da alle bisherigen Fahndungen nicht zur Identifizierung eines Tatverdächtigen geführt hätten, sei der Beschluss zur Öffentlichkeitsfahndung mit dem Videomaterial als "Ultima Ratio" erlassen worden.

siu/AP/AFP/dpa/ddp



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