Toter NS-Kriegsverbrecher: Argentinien lässt Priebkes Leiche nicht ins Land

Kriegsverbrecher Priebke (1995): Keine Bestattung in Argentinien Zur Großansicht
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Kriegsverbrecher Priebke (1995): Keine Bestattung in Argentinien

Der in Rom verstorbene NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke wollte neben seiner Frau in Argentinien bestattet werden - doch die Regierung in Buenos Aires verweigert die Annahme der sterblichen Überreste. Jüdische Organisationen begrüßen die Entscheidung.

Buenos Aires - Argentinien will die sterblichen Überreste des am Freitag in Italien verstorbenen NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke nicht annehmen. "Außenminister Hector Timerman hat den Befehl erlassen, nicht die geringsten Bestrebungen zur Rückführung der Leiche in unser Land hinzunehmen", teilte das Außenministerium in Buenos Aires via Twitter mit. "Argentinien wird diesen Affront gegen die Menschenwürde nicht akzeptieren." Jüdische Organisationen im Lande begrüßten die Entscheidung.

Der 100 Jahre alte einstige SS-Offizier, der als einer der letzten noch lebenden Nazi-Verbrecher galt, war in Rom gestorben und sollte neben seiner Ehefrau in Argentinien beerdigt werden, wie sein Anwalt Paolo Giachini mitteilte. Priebke stand in Giachinis Wohnung unter lockerem Hausarrest, nachdem er 1998 in Italien wegen eines Massakers im März 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien geflohen und hatte zeitlebens keine Reue gezeigt.

Unbeschwertes Leben in Rom

Bis 1994 hatte Priebke vierzig Jahre lang unbescholten unter seinem echten Namen in einem Badeort in Argentinien gelebt. Dann entdeckte ihn ein nach Nazis recherchierender US-Journalist, und der einstige SS-Offizier wurde nach Italien ausgeliefert. Dort wurde er wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom verurteilt, doch nur ein Jahr später kam er wegen seines hohen Alters und seines angeblich schlechten Gesundheitszustands wieder aus dem Militärgefängnis frei und in Hausarrest.

Am 23. März 1944 hatten italienische Partisanen mit Bomben 32 Männer einer deutschen Polizeieinheit getötet. Nur einen Tag nach dem Anschlag nahmen SS-Truppen Rache und führten insgesamt 335 ahnungslose Männer in die Höhlen, um sie zu erschießen. Priebke soll als Hauptsturmführer die Namensliste der Opfer geführt haben, unter denen 75 Juden waren. Er gestand außerdem, zwei Gefangene selbst erschossen zu haben.

Eine Entschuldigung oder Reue war von Priebke nie zu hören gewesen. Er bestand vielmehr darauf, dass er Befehle befolgt habe und die Ermordung der Männer nicht hätte verhindern können. Für umso mehr Aufsehen sorgten in den vergangenen Jahren Bilder des augenscheinlich unbeschwerten Lebens des Kriegsverbrechers in Rom.

Nach Angaben seines Anwalts soll Priebke nun in Rom beigesetzt werden. Die Trauerfeier werde voraussichtlich am Dienstag in einer Kirche in Rom stattfinden.

wal/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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1. Das ist ein Witz
swissdave 12.10.2013
Man kann sich nicht an einen Toten rächen. Ausserdem ist es eh egal wo er bestattet wird, denn tot ist tot. Streut seine Überreste in eine Toilette von mir aus.
2. Bravo, Argentinien!
h.aloysius 12.10.2013
Vergessen wir nicht, dass Priebke im Rahmen der Aktion "Odessa - Gold für Pässe - " mit Hilfe des eigens dafür von Pius XII. eingesetzten Bischofes Alois Hudal,+1962, über die Rattenlinie nach Argentinien "geschmuggelt" wurde. Bei ihm wie bei der RKK hat es nie Reue gegeben, die Verbrechen begangen bzw. durch Figuren wie Pius XI.,Pius XII., Fürstbischof Bertram von Breslau, Kardinal Faulhaber von München und den "braunen Conrad", SS-Mitglied Bischof Conrad Grober von Freiburg stark unterstützt zu haben. Vergessen wir nicht die Unterstützung des Faschismus durch die RKK in Spanien, Italien, Portugal, KROATIEN, Deutschland, der Dominikanischen Republik, Kuba etc. Bravo, Argentinien, dass Du offensichtlich Reue zeigst dafür, Priebke solange wissenlich Asyl gegeben zu haben. Der Typ gehört verbrannt und verstreut, damit nicht die Alt- und Neonazis zum Grab pilgern!
3.
Horstino 12.10.2013
Zitat von sysopDer in Rom verstorbene NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke wollte neben seiner Frau in Argentinien bestattet werden - doch die Regierung in Buenos Aires verweigert die Annahme der sterblichen Überreste. Jüdische Organisationen begrüßen die Entscheidung. Erich Priebke: Argentinien will Leiche von NS-Kriegsverbrecher nicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/erich-priebke-argentinien-will-leiche-von-ns-kriegsverbrecher-nicht-a-927485.html)
Kremieren und an geheimer Stelle ins Meer verstreuen wäre das beste. Sonst entsteht nur eine Pilgerstätte für Glatzen.
4. Unmöglich
bssh 12.10.2013
Wenn man ihn nicht zu Lebzeiten bestraft hat, so kann man es doch nicht nach seinen Tode tun! Ihm das Begräbnis an der Seite seiner Frau zu verweigern ist schäbig und nichts anderes. Der Mann hat sich sehr schuldig gemacht, keine Frage, aber dafür hätte man ihn im Laufe seines viel zu langen Lebens bestrafen sollen. Er ist auch nicht wichtig genug anzunehmen, dass sein Grab zu einer Pilgerstätte werden könnte. Dafür gibt es leider auch schon sowieso genug
5. Lächerlich
quark@mailinator.com 12.10.2013
Die einzigen, die man damit eventuell trifft, sind die Hinterbliebenen - aber Sippenhaft ist Unrecht und Nachfahren nicht verantwortlich für die Taten ihrer Ahnen. Wollte man argumentieren, daß Argentinien sich irgendwie "sauber" halten will, dann müßte man zunächst erklären, wie dies noch möglich sein soll, nachdem bekanntermaßen extrem viele Nazis mit dem Ende des 2. Weltkriegs nach Argentinien flüchteten und dort aufgenommen wurden - auch größere Kaliber und Kriegsverbrecher. Die sind alle dort begraben und ihre Familien gehören heute in Argentinien z.T. zur Elite. Also was soll dies Rache an einem toten Körper ? Irgendwann ist es auch mal gut mit Vergeltung. Das sollte mit Eintritt des Todes sein.
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