Gefasste Somalier in Belgien Ermittler schnappen Piratenchef mit Filmangebot

Mit einer Falle gelang es belgischen Polizisten, "Pirat 001" und einen weiteren somalischen Piraten zu fassen: Die Entführer der "Pompei" sollten in einem Film ganz groß rauskommen. Zur Unterzeichnung des Vertrages reisten sie nach Brüssel.

Die Pompei: Die Leiter der Entführung des belgischen Schiffes sind festgenommen
AP

Die Pompei: Die Leiter der Entführung des belgischen Schiffes sind festgenommen


Brüssel - Hinter Gitter statt vor die Kamera: Mit einem erfundenen Filmprojekt haben belgische Polizisten zwei führende somalische Piraten nach Brüssel gelockt und bei der Ankunft auf dem Flughafen verhaftet. Dies teilte Staatsanwalt Johan Delmulle am Montag vor der Presse mit. Die beiden Männer sollen die Entführung des belgischen Schiffes "Pompei" im April 2009 geleitet haben. Das Schiff war zwei Monate später gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder freigekommen.

Der Somalier Mohammed Abdi Hassan, auch als Afweyne bekannt, galt als einer der wichtigsten Piratenführer an den Küsten des Indischen Ozeans. Er trug den Spitznamen "Pirat 001", berichteten belgische Medien. Auch bei der Kaperung und Entführung des belgischen Schiffs spielte er nach Zeugenaussagen des zweiten Steuermannes eine zentrale Rolle. Im Laufe seiner Karriere, die er erst im Januar für beendet erklärt hatte, soll Hassan Millionen an Lösegeld erpresst haben.

Nach Angaben des Staatsanwaltes machten die belgischen Polizisten dem Piratenchef in einer Undercover-Operation weis, dass sie einen Film über den berühmten Piraten Afweyne und dessen aufregendes Leben drehen wollten. Zur Unterzeichnung des Vertrages müsse er aber nach Brüssel kommen. Der Pirat sah darin kein Problem, flog von Nairobi in Kenia aus nach Brüssel - und wurde dort von einem Großaufgebot der Polizei erwartet. "Allzu häufig bleiben die außen vor und lassen andere die Drecksarbeit machen - stecken aber oft den größten Teil der Beute ein", sagte Delmulle.

Den Piraten drohen bis zu 45 Jahre Haft

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte die Festnahme als einen "bedeutsamen Schritt im Kampf gegen die Piraterie". Dennoch seien Gruppen von Seeräubern weiterhin aktiv. "Die EU wird deshalb in diesem Kampf nicht nachlassen", sagte ein Sprecher Ashtons. Die Bundesregierung

will die Beteiligung an der EU-geführten Mission Atalanta um ein Jahr bis zum 31. Mai 2014 verlängern.Abdi Hassan und sein Komplize drohen nun 15 Jahre Haft für das Aufbringen des Schiffes und 30 Jahre wegen Geiselnahme. Sie werden an diesem Dienstag einem Haftrichter in Brügge vorgeführt. In Belgien befinden sich bereits zwei Piraten, die ebenfalls an der Kaperung der "Pompei" beteiligt waren, in Haft: Sie wurden zu neun beziehungsweise zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Seeräuberei am Horn von Afrika, im Golf von Aden und im nordwestlichen Indischen Ozean war viele Jahre ein einträgliches Geschäft. 2011 nahmen die Piraten rund 160 Millionen Dollar an Lösegeld ein und verursachten einer US-Studie zufolge für die Schifffahrt Kosten in Höhe von sieben Milliarden Dollar. Seitdem mehrere Staaten ihre Patrouillen in der Region verstärkt haben, ist die Piraterie zurückgegangen. Viele Seeräuber haben sich mittlerweile an Land auf die Entführung von Touristen und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen im Norden Kenias und in Somalia verlegt.

mia/dpa/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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Dr.Fuzzi 14.10.2013
1. Och Joh!
Nun könne ja alle feixen, ob der "Blödheit" des somaischen Piraten, de in eine Falle der belgischen Polizei getappt ist. Ich finde die Idee aber gar nicht schlecht, "Pirat 001" und seine Komplizen in einem Film "ganz groß" rauszubringen. Vor allem sollte ein solcher Film nicht nur das Ende, einen inhaftierten Piraten deutlich zeigen, sondern auch vielmehr die Entwicklung dorthin. Angefangen von den mit westlichem und illegal verklappten Giftmüll auf den massiv verseuchten Stränden Somalias, weiter über die zerstörte Fischfangtradition auch dank schwimmender westlicher Fischfangfabriken, ohne Möglichkeit weiterhin für die eigene Ernährung zu sorgen. Ganz ehrlich: Bei den Bedingungen, die heute in Somalia herrschen, könnte auch ich bei Gelegenheit zum Piraten werden.
muffelkopp 14.10.2013
2.
Zitat von Dr.FuzziNun könne ja alle feixen, ob der "Blödheit" des somaischen Piraten, de in eine Falle der belgischen Polizei getappt ist. Ich finde die Idee aber gar nicht schlecht, "Pirat 001" und seine Komplizen in einem Film "ganz groß" rauszubringen. Vor allem sollte ein solcher Film nicht nur das Ende, einen inhaftierten Piraten deutlich zeigen, sondern auch vielmehr die Entwicklung dorthin. Angefangen von den mit westlichem und illegal verklappten Giftmüll auf den massiv verseuchten Stränden Somalias, weiter über die zerstörte Fischfangtradition auch dank schwimmender westlicher Fischfangfabriken, ohne Möglichkeit weiterhin für die eigene Ernährung zu sorgen. Ganz ehrlich: Bei den Bedingungen, die heute in Somalia herrschen, könnte auch ich bei Gelegenheit zum Piraten werden.
Warum die Anführungstriche bei Blödheit? Das *ist* pure Blödheit. Für die Sie im folgenden den Westen verantwortlich machen, ohne das scherzhaft zu meinen. Daher denke ich, ist Ihr Dr. im Namen auch eher mit Anführungsstrichen zu sehen. Ich musste tatsächlich über so eine unglaubliche Dümmlichkeit lachen. Mit Gewehren rumfummeln, aber nicht 1 und 1 zusammen zählen können. Ich ahnte schon bei Lektüre dieses Satzes, dass das nicht gut enden kann. Ich sollte recht behalten. Genau! Alle (in summa: toto!) Piraten sind eigentlich Fischer, deren Küsten nun leer sind durch die bösen "westlichen" Länder (niemals östlichen, vulgo Russland, oder fernöstlichen, vulgo China et al), die dort alles wegfischen, um Käpt'n Iglo Fischstäbchen zu liefern. Somalia lebte und lebt nur vom Fischfang? Eher muss ein Krieg finanziert werden, daher ist der Staat insgesamt nicht mehr handlungsfähig, darunter leiden - auch - die Fischer dort. Das Phänomen der Piraterie ist so aber sehr schlecht begründet. Der Pirat hatte zwar nicht Ihre Bildung, aber Ihre Argumentation verschleiert das zur Genüge. Wie gut, dass Sie Ihre Aggressionen und das Gefühl, zu kurz zu kommen, hier im Forum kompensieren können.
georg_lm 14.10.2013
3.
Zitat von Dr.FuzziNun könne ja alle feixen, ob der "Blödheit" des somaischen Piraten, de in eine Falle der belgischen Polizei getappt ist. Ich finde die Idee aber gar nicht schlecht, "Pirat 001" und seine Komplizen in einem Film "ganz groß" rauszubringen. Vor allem sollte ein solcher Film nicht nur das Ende, einen inhaftierten Piraten deutlich zeigen, sondern auch vielmehr die Entwicklung dorthin. Angefangen von den mit westlichem und illegal verklappten Giftmüll auf den massiv verseuchten Stränden Somalias, weiter über die zerstörte Fischfangtradition auch dank schwimmender westlicher Fischfangfabriken, ohne Möglichkeit weiterhin für die eigene Ernährung zu sorgen. Ganz ehrlich: Bei den Bedingungen, die heute in Somalia herrschen, könnte auch ich bei Gelegenheit zum Piraten werden.
Z.B. ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg. Das können Sie sicher belegen? Zur angeblichen Fischfangtradition können Sie hier lesen: Somalia - SOCIETY (http://www.mongabay.com/reference/country_studies/somalia/SOCIETY.html) Zitat: Geht es auch ein wenig präziser? Die Fangflotten welcher Länder sind dort aktiv?
Lord_Z 15.10.2013
4.
Dir ca. 70% von Landwirtschaft Lebenden in Somalia kann man natürlich andererseits unter den Tisch fallen lassen? Irgendwo dazwischen liegt dann halt die Wahrheit, wobei ich auch kein Anhänger der Selbstverdammung bin. Aber den westlichen Beitrag zur Situation Somalias sollte man, völlig unabhängig von der jeweiligen Intention, nicht völlig vergessen.
joejoe 15.10.2013
5. 5-Sterne-Knast
Schade, dass sie nicht in ihrem eigenen Land im Knast landen. Hier kosten sie Europa zusätzlich und die Freude über die hiesigen Knastbedingungen dürfte groß sein...
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