Ermittlungen in Köln Schüler hatten Pläne für Blutbad schon aufgegeben

Neue Wendung im Fall des verhinderten Amoklaufs am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium: Die beiden Jugendlichen hatten schon vor vier Wochen Pläne verworfen, an ihrer Schule ein Massaker anzurichten. Das belegen laut Staatsanwaltschaft Chat-Protokolle der beiden Teenager.


Köln - Schon vor dem Eingreifen der Polizei war die Gefahr offenbar vorüber: Zwar hatten Rolf B., 17, und Robin G., 18, Pläne gehegt, an ihrer Schule ein Blutbad anzurichten und auch eine Todesliste erstellt, doch schon vor einigen Wochen soll zumindest der Ältere der beiden das Vorhaben verworfen haben. Für die Schule bestand laut Staatsanwaltschaft keine akute Gefahr mehr.

Entsprechende Aussagen des Festgenommenen würden durch Computerdateien und Chat-Protokolle auf den sichergestellten Rechnern der Jugendlichen bestätigt, teilte der Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher am Nachmittag mit. "Er hat wohl eingesehen, dass das doch kein gangbarer Weg für ihn ist", sagte der Staatsanwalt.

Danach hatte der Ältere der beiden Schüler vor vier Wochen die Pläne für einen Amoklauf aufgegeben. Er habe die Pfeile für die von ihm beschaffte Armbrust zurückgefordert und dem 17-Jährigen die Sehne der Waffe abgekauft, so dass das Gerät nicht mehr funktionstüchtig war. Daraufhin habe auch Rolf B. die Pläne verworfen. Er habe erklärt, allein werde er das wohl nicht machen, sagte Willwacher.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete darauf, den 18-Jährigen dem Haftrichter vorzuführen. Der Vorwurf der Verabredung zu einem Verbrechen sei vom Tisch, sagte der Anklagevertreter. In Frage komme möglicherweise noch eine Bestrafung wegen der Weitergabe der Armbrust an einen Minderjährigen. Doch handele es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit. Nun wurde der Jugendliche mit seinem Einverständnis in eine psychiatrische Klinik gebracht, da eine Suizidgefahr nicht ausgeschlossen wurde.

Der 17-jährige Rolf B. hatte sich nach einer Vernehmung durch die Polizei das Leben genommen. Er hatte sich auf dem Heimweg vor eine Straßenbahn geworfen und war den Verletzungen erlegen. Da auch er nach den anfangs detaillierten Plänen einen Rückzieher machte, wäre er laut Staatsanwalt nach einem verhör auf freien Fuß gesetzt worden.

Die Polizei war zunächst davon ausgegangen, dass die Schüler für morgen einen Amoklauf am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium geplant hatten und mit zwei Armbrüsten, möglicherweise aber auch mit Molotow-Cocktails und Rohrbomben ein Blutbad an ihrer Schule anrichten wollten. Auslöser für die Pläne zum Amoklauf sei möglicherweise gewesen, dass die Schüler im Rahmen des Unterrichtes über das Attentat von Columbine gesprochen hätten, bei dem im April 1999 zwei amerikanische Jugendliche im US-Bundesstaat Colorado zwölf Mitschüler und einen Lehrer getötet hatten.

Referat über die Killer von Columbine

Robin G. habe sogar ein Referat über das Thema gehalten, sagte Willwacher. "Aber wer die Idee hatte, das wollen wir auch machen, ist nicht ganz klar. Irgendwann hatten wohl beide die Entscheidung getroffen." Der Selbstmord Rolf B.s nach einer ersten Vernehmung sei möglicherweise eine Kurzschlussreaktion gewesen. B. habe allerdings auch zuvor schon Selbstmordabsichten angedeutet, sagte der Staatsanwalt.

Die Polizei wies unterdessen Vorwürfe zurück, sie trage eine Mitschuld an dem Selbstmord, weil die von der Schule alarmierten Polizeibeamten den Jugendlichen nach dem ersten Gespräch alleine hätten nach Hause gehen lassen. Ein Polizeisprecher betonte, Rolf B. habe glaubwürdig alle Gewaltpläne geleugnet und auch nicht in das Raster eines "typischen" Amokläufers gepasst. Möglicherweise müsse die Polizei hier das Täterprofil anpassen, hieß es.

Nordrhein-Westfalen will angesichts der Vorfälle mit einem ganzen Maßnahmenbündel für mehr Sicherheit an den Schulen sorgen. Dazu gehört ein Notfallkonzept, das den Schulen den Umgang mit Krisensituationen wie Amokläufen, Geiselnahmen oder Morddrohungen erleichtern soll, aber auch eine verstärkte Gewaltprävention. Schulministerin Barbara Sommer betonte, die Schule müsse sich gerade Problemfällen besonders widmen: "Es darf keiner unterwegs verloren gehen."

ffr/AP/dpa



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