New York - Was geschah wirklich in Suite 2806 des New Yorker Luxushotels Sofitel? Hat Dominique Strauss-Kahn dort versucht, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen? Die Antwort auf diese Fragen kennen wohl nur der zurückgetretene IWF-Chef und die 32 Jahre alte Hotelangestellte. Doch nun sind neue Details aufgetaucht, die bei der Klärung des Falls helfen könnten.
Das auf dem Kleid des mutmaßlich von Strauss-Kahn angegriffenen Zimmermädchens gefundene Sperma stammt laut mehreren Medienberichten tatsächlich von dem früheren Währungsfonds-Chef. Das habe der Abgleich der DNA des Franzosen mit den Spuren auf der Uniform des Zimmermädchens ergeben, wie unter anderem der New Yorker Sender NBC, das "Wall Street Journal" und der französische Sender France 2 übereinstimmend berichten. Die drei Medien stützen sich dabei auf Angaben von Ermittlern. Die Anwälte des Franzosen verweigerten einen Kommentar.
Das 32 Jahre alte Zimmermädchen hatte Strauss-Kahn beschuldigt, sie am Samstag vorvergangener Woche angegriffen und zum Oralsex gezwungen zu haben. Dem Sender France 2 zufolge sollten auch Spuren auf dem Teppich der Hotelsuite und aus dem Badezimmer überprüft werden, wo die Frau nach mutmaßlich erzwungenem Oralsex das Sperma ausgespuckt haben soll. Die Ergebnisse wurden noch nicht offiziell veröffentlicht. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich zu den Berichten zunächst nicht äußern.
Strategie der Verteidigung
Experten betonten, dass eine Übereinstimmung von Spuren und den DNA-Proben zwar ein Beleg für einen sexuellen Akt, aber nicht für die Anwendung von Gewalt sei. Das Zimmermädchen bestreitet jedoch einvernehmlichen Sex. Der 62-jährige Strauss-Kahn ist wegen versuchter Vergewaltigung und anderer Sexualdelikte angeklagt.
Es wird erwartet, dass Strauss-Kahns Anwälte vor Gericht zwar den Sexualverkehr bestätigen, ihn aber als einvernehmlich darstellen werden. Sie durchforsten derweil das Vorleben der 32-Jährigen, die erst vor wenigen Jahren aus dem westafrikanischen Guinea in die USA gekommen war. Wenn sie für Aufenthaltserlaubnis oder Sozialwohnung gelogen hat, könnte das ihre Glaubwürdigkeit erschüttern. Strauss-Kahn sei bereit für einen langen Kampf, sagte einer seiner Anwälte.
Zuvor war ein Schreiben Strauss-Kahns an die Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds bekanntgeworden. Darin hatte er sich verbittert gezeigt und die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung scharf zurückgewiesen. "Ich bestreite in der am stärksten möglichen Form die Anschuldigungen, denen ich mich jetzt gegenübersehe. Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde."
"Tiefe Trauer und Enttäuschung"
Die Mitteilung falle ihm "so schwer wie kaum eine andere" in seinem Leben, schrieb der Franzose und drückte seine "tiefe Trauer und Enttäuschung, Sie unter solchen Umständen verlassen zu müssen", aus. Er trete mit größtem Bedauern zurück. "Ich kann nicht akzeptieren, dass der Fonds - und Ihr, liebe Kollegen - meinen persönlichen Alptraum teilt. Deshalb muss ich gehen." Der 62-Jährige beendet das etwa eine Seite lange Schreiben nach einigen Segenswünschen mit einem schlichten "Dominique".
Inzwischen steht der ehemalige Wirtschafts- und Finanzminister (1997 bis 1999) unter Hausarrest, muss eine elektronische Fußfessel tragen und wird wegen Fluchtgefahr rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsbeamten überwacht. Das kostet im Monat 200.000 Dollar - zu zahlen vom Angeklagten.
Allerdings muss er das Apartment, in dem er sich derzeit aufhält, demnächst verlassen. Das kündigte die Hausverwaltung nach Protesten der Bewohner an. Strauss-Kahns Frau, die bekannte französische Fernsehjournalistin Anne Sinclair, fand zwar zunächst eine neue Wohnung in New York. Aber auch dort war Strauss-Kahns Anwesenheit nicht erwünscht.
Sinclair war vor wenigen Tagen in die USA gereist, um ihren Mann zu unterstützen. Strauss-Kahn muss am 6. Juni das nächste Mal vor Gericht erscheinen. Dann muss er erklären, ob er auf schuldig oder nicht-schuldig plädiert. Sein Anwalt Benjamin Brafman sagte, er sei sicher, dass sein Mandant freikommen werde.
wit/dpa/AFP
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