Ermittlungspanne im Fall Martin N. Fahnder schlampten bei Durchsuchung

Im Fall des mutmaßlichen dreifachen Kindermörders Martin N. hat es eine Ermittlungspanne gegeben: Bei der Wohnungsdurchsuchung übersah die Polizei Datenspeicher, die in einer Dunstabzugshaube versteckt waren. Die Staatsanwaltschaft erwartet "brisantes Material".

Mutmaßlicher Kindesmörder Martin N. (beim Prozessauftakt): Festplatten versteckt
DPA

Mutmaßlicher Kindesmörder Martin N. (beim Prozessauftakt): Festplatten versteckt


Stade - Drei Festplatten, einen USB-Stick und eine CD versteckte der mutmaßliche dreifache Kindermörder Martin N. unter dem Fettfilter seiner Dunstabzugshaube. Als Polizisten die Hamburger Wohnung von Martin N. durchsuchten, übersahen sie die Datenspeicher. Das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas, am Freitag eingeräumt. Der Nachmieter hatte die Gegenstände vor wenigen Tagen bei der Renovierung entdeckt und den Ermittlern übergeben.

Bislang seien noch keine für den Prozess relevante Beweise auf den Datenträgern gefunden worden, sagte Breas. Er erwarte aber "brisantes Material" mit einer gewissen Relevanz. Wer etwas so gut verstecke, habe dafür einen Grund. Die Datenspeicher seien teilweise passwortgeschüzt gewesen und würden weiter ausgewertet.

"Wir haben es übersehen, das muss man deutlich sagen", sagte Breas. "Das ist etwas, was sich zu einer Ermittlungspanne entwickeln kann." Allerdings sei die Frage, ob die Polizei bei Durchsuchungen "wirklich jede Tapete abreißen und jedes Sofakissen aufschlitzen" müsse. In diese Kategorie einer gründlichen Durchsuchung falle auch die Dunstabzugshaube.

Genügend Indizien vorhanden

Nach dem Geständnis von Martin N. im April hätten die Beamten nicht mehr so stark unter Druck gestanden, belastendes Material zu finden. Es seien bereits genügend Indizien vorhanden gewesen, um dem Angeklagten die Taten nachweisen zu können. Deshalb sei offenbar nicht mehr so intensiv gesucht worden.

N. muss sich seit dem 10. Oktober vor dem Landgericht Stade wegen des Mordes an drei Jungen im Alter von 8 bis 13 Jahren zwischen 1992 und 2001 verantworten. Zudem werden ihm zahlreiche Missbrauchstaten zur Last gelegt. Der 40-Jährige hat einen Großteil der Taten gestanden.

Bereits kurz vor Prozessbeginn war bekannt geworden, dass Beamte mögliches Beweismaterial in N.s Wohnung übersehen hatten. Dabei handelte es sich unter anderem um eine Liste von Kindern, die im Sommer 1993 an einer Ferienfreizeit in der Pfalz teilnahmen. Die damals bei einem Entrümpler entdeckten Gegenstände seien belanglos gewesen, sagte Breas.

wit/dapd

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