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Ermittlungspanne: "Phantom-Mörderin" ist ein Phantom

Der Fall des "Phantoms von Heilbronn" ist gelöst: Die Kriminelle, der Ermittler seit Jahren nachjagen, hat nachweislich nie existiert. Die an 40 Tatorten sichergestellte DNA-Spur stammt von einer Arbeiterin eines Verpackungsbetriebs in Bayern.

Hamburg - Ende einer millionenteuren Polizei-Panne: Das Rätsel um das sogenannte "Phantom von Heilbronn" ist gelöst. Die an 40 Tatorten sichergestellte DNA-Spur stamme nicht von einer Tatbeteiligten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Volker Link, am Freitag in Stuttgart. "Sie stammt, wie wir heute definitiv wissen, von einer anderen Frau."

Die DNA sei einer Arbeiterin eines Verpackungsbetriebs in Bayern zuzuordnen, erklärte der Präsident des baden-württembergischen Landeskriminalamts, Klaus Hiller. Das Institut für Rechtsmedizin in Homburg habe im Auftrag des Landeskriminalamtes Saarland festgestellt, dass die Spur von einer Arbeiterin stamme.

Das Institut hatte den Angaben zufolge an einem unberührten Wattestäbchen die DNA-Spur gefunden, woraufhin die Frau schließlich ausfindig gemacht werden konnte. Bereits im April 2008 habe die Soko "Parkplatz" eine Expertenkommission gebildet, um eine mögliche Spurenkontamination zu prüfen, sagte Link. Anlass war der Fund der "Phantom"-DNA im Zusammenhang mit einem Dreifachmord an georgischen Autoverkäufern bei Heppenheim. Damals wurden zunächst die Laborabläufe in den Landeskriminalämtern untersucht.

Anschließend wurden rund 300 unbenutzte Wattestäbchen aus der gleichen Bezugsquelle als sogenannte Leerproben geprüft. Dabei wurde keine Verunreinigung festgestellt. Nach erneuten Fällen mit der "Phantom"-DNA, deren Spurenlagen keinen Sinn ergaben, wurde weiter ermittelt. Schließlich stellte das Institut für Rechtsmedizin fest, dass ein noch unbenutztes Wattestäbchen mit der DNA der unbekannten weiblichen Person verunreinigt war.

Die Fehler bei den Ermittlungen wurden nach den Worten Hillers nur durch verunreinigte Wattestäbchen verursacht. Diese Stäbchen würden nun nicht mehr verwendet. "Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen", erklärte der LKA-Präsident.

Es war ein Toter in einer Disco, der die Ermittler im Nachbarland stutzig werden ließ. Am 28. September 2008 starb in Linz ein 21-jähriger Bosnier - fünf Männer hatten ihn im Treppenhaus eines Tanzlokals bei einer Prügelei tödlich verletzt. Auf dem Finger des Opfers fanden Kriminaltechniker wenig später die DNA der in Deutschland gesuchten Serienkriminellen, die sie "das Phantom von Heilbronn" nannten.

Seit Jahren haben Dutzende Beamte in mehreren Ländern mit größtem Aufwand die "unbekannte weibliche Person" gesucht., Von dieser vermeintlichen Person waren an etlichen Tatorten DNA-Spuren gefunden worden, seit Mai 1993, so vermuteten die Fahnder, habe die Frau zahlreiche Diebstähle und Einbrüche begangen, auch an einem Raubüberfall sowie mindestens zwei versuchten und drei tatsächlich erfolgten Morden sollte sie beteiligt gewesen sein - darunter auch an der Erschießung der Polizistin Michèle Kiesewetter, 22, vor knapp zwei Jahren in Heilbronn.

"Für uns entstand daraus der begründete Verdacht, es nicht mit einer unbekannten Frau, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach mit kontaminierten Werkzeugen zu tun zu haben", sagte der Pressesprecher des österreichischen Bundeskriminalamts, Gerald Tatzgern, SPIEGEL ONLINE.

Die Gen-Spur der Gesuchten war auch in Österreich von 2004 bis 2007 bei insgesamt 16 Diebstählen aufgetaucht, in acht Fällen konnten die Täter gefasst werden. Die "Kronen"-Zeitung hatte noch im November 2008 berichtet, in Klagenfurt sei ein mit internationalem Haftbefehl gesuchter Kaukasier festgenommen worden, bei dem die Ermittler die weibliche DNA der Unbekannten gefunden hätten.

Seinerzeit sei eine zweite Probe angeordnet worden. Es sei daher veranlasst worden, sämtliche Stäbchen des Herstellers, die in den österreichischen Sicherheitsbehörden im Umlauf gewesen seien, sofort aus dem Verkehr zu ziehen. "Die Delikte waren auch so unterschiedlich, die konnten nichts miteinander zu tun haben", sagte Tatzgern.

jjc/Reuters/ddp/dpa/AP

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Forum - Wie zuverlässig sind DNA-Analysen?
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1.
lis, 27.03.2009
Zitat von sysopSpurensicherung mit Hindernissen: Ermittler haben jahrelang ein Phantom gejagt. Der Grund: Forensiker haben für DNA-Analysen wohl verunreinigte Wattestäbchen verwendet. Wie anfällig für Irrtümer und Pannen sind DNA-Analysen?
Die Analysen waren doch okay - nur die Wattestäbchen nicht :-)
2. Die absolute Zuverlässigkeit der DNS-Analysen
Kampfbuckler, 27.03.2009
wurde so beeindruckend bewiesen. Damit kann man sogar einer Wattebauschvepackerin gelegentliches Schlampern bei der Arbeit nachweisen, und das sogar bis 1993 zurück. Probleme entstehen erst dann, wenn die richtigen DNS-Analysen zur Polizei und Justiz gelangen und passend zu einem Verbrechen eingeordnet werden sollen. Da wird dann kriminalistischer Spürsinn und logisches Denken gefordert.Und das klappt wohl nicht immer.
3.
Als_Tom, 27.03.2009
Zitat von Kampfbucklerwurde so beeindruckend bewiesen. Damit kann man sogar einer Wattebauschvepackerin gelegentliches Schlampern bei der Arbeit nachweisen, und das sogar bis 1993 zurück. Probleme entstehen erst dann, wenn die richtigen DNS-Analysen zur Polizei und Justiz gelangen und passend zu einem Verbrechen eingeordnet werden sollen. Da wird dann kriminalistischer Spürsinn und logisches Denken gefordert.Und das klappt wohl nicht immer.
Ich möchte hier eine Bresche schlagen für die Verpackerin. Nicht sie ist schuld an der Misere, sondern die oder der die Charge für den Handel freigab. Wenn eine solche Schlamperei seid 1993 vorkahm, dann ist es einfach eine schlampig geleitete und kontrollierte Firma. In der Regel muß jede Charge auf DNA überprüft werden. Hier ist offensichtlich eine solche Kontrolle nicht erfolgt und das ist skandalös.
4. Aw -Kampfbuckler
mainstreet 27.03.2009
Ich habe da irgendwie Hemmungen einfach so über die Wattenbausch-DNA-Spurensicherung loszudiskutieren da dies inhaltlich vorausetzt das man prinzipiell mit der DNA-Spurensicherung einverstanden ist. Die DNA-Spurensicherung ist eine Produkt der neueren Medizinforschung und ich finde Sie generell unethisch. Mag Sie zwar vom Bundestag abgesegnet sein eine öffentliche Diskussion hat es darüber nie gegeben. Ich bin nicht gegen jede Art der Spurensicherung wie Fingerabdrücke aber DNA-Spurensicherung halte ich für menschlich unethisch. Sie ist die Offenlegung des Menschen und der Menschenwürde sein Innerstes wessen zu schützen die oberste Aufgabe der Verfassung ist . Diese Einstellung mag konservativ erscheinen da Sie beinhaltet einen Mörder laufen zu lassen den man möglicherweise feststellen könnte aber ich nehme dies prinzipiell in Kauf. Der Verfall der christlichen Grundwerte sehe ich in der Praktizierung der DNA-Spurensicherung gegeben und ich lehne Sie deshalb kategorisch ab.
5.
Olaf 27.03.2009
Zitat von sysopSpurensicherung mit Hindernissen: Ermittler haben jahrelang ein Phantom gejagt. Der Grund: Forensiker haben für DNA-Analysen wohl verunreinigte Wattestäbchen verwendet. Wie anfällig für Irrtümer und Pannen sind DNA-Analysen?
Anscheinend wurde nicht sorgfältig genug gearbeitet. Der Kriminalbiologe Mark Benecke sagt, dass bei jeder Probenentnahme als Gegenprobe ein unbenutztes Wattestäbchen mit untersucht werden muss. http://www.zeit.de/online/2009/14/benecke-interview-wattestaebchen?page=1 Wenn auf diese Weise verfahren worden wäre, hätte es ja eigentlich nicht zu dieser Panne kommen können.
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