Ermordeter Dennis Polizei setzt auf neuen Hinweis

Er wurde aus einem Schullandheim gelockt und getötet - zehn Jahre nach dem Mord an Dennis fehlt immer noch jede Spur von seinem Mörder. Doch jetzt gehen die Fahnder einem neuen Hinweis nach, wie sie andeuten. Die Beamten zeigen sich optimistisch.

Dennis' Schlafanzug (Muster): Vermutlich fiel der Neunjährige einem Serientäter zum Opfer
DPA

Dennis' Schlafanzug (Muster): Vermutlich fiel der Neunjährige einem Serientäter zum Opfer


Verden - Vor fast zehn Jahren verschwand Dennis, 9, nachts aus einem Schullandheim im Kreis Cuxhaven. Zwei Wochen später fanden Pilzsammler die Leiche des ermordeten Schülers. Vom Täter fehlt seither jede Spur. Jetzt gehen die Fahnder einem neuen Hinweis nach, von dem sie sich viel versprechen. Die Erkenntnisse könnten auch einen Durchbruch in zahlreichen anderen ungeklärten Fällen bringen. Denn Dennis fiel vermutlich einem Serienmörder zum Opfer.

Es handele sich um eine wichtige Information, die zur Aufklärung beitragen könne, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Verden. Details wollte er aber nicht nennen. Die "Soko Dennis" will am Donnerstag auf einer Pressekonferenz ihre Ermittlungen vorstellen. Vielen tausend Spuren war sie in den vergangenen Jahren nachgegangen - ohne Erfolg. Auch ein DNA-Test an mehreren hundert Männern in Norddeutschland hatte 2008 keinen Verdächtigen ergeben.

Der Unbekannte hatte Dennis in der Nacht zum 5. September 2001 aus dem einsam gelegenen Schullandheim in Wulsbüttel entführt, wo sich der Junge gemeinsam mit seiner Klasse aufhielt. Der Täter konnte auf bisher ungeklärte Weise in das Haus eindringen. Er lockte Dennis vermutlich aus seinem Zimmer, in dem auch andere Kinder schliefen. Später erstickte er den Jungen.

Bundesweites Entsetzen

Der gewaltsame Tod des Neunjährigen aus Osterholz-Scharmbeck bei Bremen sorgte damals bundesweit für Entsetzen - denn es gibt Parallelen zu anderen Fällen, auf die die Fahnder zu diesem Zeitpunkt aufmerksam wurden. 1992 verschwand ein 13-Jähriger nachts aus einem Internat im Kreis Rotenburg. Drei Jahre später wurde ein Achtjähriger aus einem Zeltlager bei Schleswig entführt und getötet. 1998 und 2004 kamen Jungen in den Niederlanden und Frankreich auf dieselbe Weise ums Leben.

In jener Zeit belästigte ein unbekannter Mann in der Umgebung von Bremen mehr als 40 Jungen sexuell: Dabei drang er immer nachts in Häuser, Zeltlager und Landheime ein, überraschte die Kinder und entkam unerkannt.

Nach diesem Muster spielte sich auch die Entführung eines Zehnjährigen in Rheine im Juni 2009 ab. Ein Unbekannter holte den schlafenden Jungen aus einer Jugendherberge und trug ihn in einen Park. Dort musste das Opfer seine Hose ausziehen. Danach ließ der Mann das Kind aber laufen. Der Täter wurde später geschnappt. Mit dem Tod von Dennis hatte er nichts zu tun.

Einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Dennis und den gewaltsamen Tod des zehnjährigen Mirco aus dem niederrheinischen Grefrath schließen die Verdener Ermittler ebenfalls aus. Mirco war Anfang September in seinem Heimatort verschwunden. Im Januar fand die Polizei seine Leiche, nachdem ein Familienvater die Tat gestanden hatte.

jdl/dpa

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