Erpresserbande: Berlusconi und die Geister aus der Unterwelt

Von , Rom

Es ist ein seltsamer Krimi: Gangster kidnappten den Buchhalter Berlusconis und forderten 35 Millionen Euro. Dafür versprachen sie belastendes Material über den Intimfeind des Ex-Regierungschefs. Nun nahm die Polizei sechs Verdächtige fest - sie vermutet Verbindungen zur Mafia.

Ex-Regierungschef Berlusconi: Schon wieder ein Krimi Zur Großansicht
REUTERS

Ex-Regierungschef Berlusconi: Schon wieder ein Krimi

Giuseppe Spinelli, Buchhalter und enger Vertrauter Silvio Berlusconis, kam am 15. Oktober erst spät, gegen 22 Uhr, nach Hause. Spinelli war es, der die jungen Teilnehmerinnen bei den "Bunga-Bunga"-Festen mit Tausenden von Euro im Namen seines Chefs entlohnte. Als seine Ehefrau ihm an jenem Abend die Tür öffnete, machten sich zwei vermummte Gestalten über Spinelli her.

Sie schlugen ihm ins Gesicht, zerrten ihn ins Haus, zertraten dem 71-Jährigen die Brille. Einer von ihnen fuchtelte mit einer Pistole herum. "Die bringen uns um!", dachte seine Ehefrau in dem Moment. Aber die Eindringlinge hatten anderes im Sinn.

Gegen zwei Uhr nachts kam ein dritter Mann hinzu. Er war vermummt wie die anderen, trug aber auffällige Schuhe - rot mit schwarzen Bändern, die Farben des Fußballclubs AC Mailand. Dieser Dritte hielt dem zitternden Spinelli ein verblichenes oder angeschmutztes DIN-A4-Blatt vor das Gesicht. Darauf stand, nach dessen Erinnerung, etwas wie "Betrifft Fall Mondadori". Dazu wurde eine Szene beschrieben, mit "Fini und den Richtern der ersten und zweiten Instanz": Fini fordere die Richter beim gemeinsamen gemütlichen Abendessen angeblich dazu auf, Berlusconi in Schwierigkeiten zu bringen.

560 Millionen und ein Intimfeind

Für Berlusconi möglicherweise ein phantastisches Dokument, das ihm in einem Rechtsstreit nützlich hätte sein können. Er wurde nämlich 2011 verurteilt, 560 Millionen Euro Schadensersatz zu zahlen, weil er vor vielen Jahren, bei der höchst umstrittenen Übernahme des Verlagshauses Mondadori, einen Richter bestochen haben soll.

Gianfranco Fini, einst Anführer der postfaschistischen Partei Alleanza Nazionale, enger Verbündeter von Berlusconi und sein Außenminister, ist heute Parlamentspräsident und Berlusconis Intimfeind.

Für Berlusconi wäre das Paket in zweifacher Hinsicht nützlich gewesen: Fini wäre ins Zwielicht geraten; der teure Prozess hätte womöglich neu aufgerollt werden müssen. Die Kidnapper machten eine entsprechende Rechnung auf: Von den dann ersparten 560 Millionen - so rechnete der Vermummte dem Buchhalter vor - wolle man von Berlusconi sechs Prozent. Das mache also, etwas aufgerundet, 35 Millionen Euro.

Diese Forderung solle Spinelli seinem Chef verklickern, dann passiere ihm nichts.

Doch erst am nächsten Morgen, kurz vor acht Uhr, erwischt Spinelli Berlusconi und erzählt ihm alles. Der ist völlig überrascht und beendet das Gespräch nach wenigen Sätzen mit dem Hinweis, dass sein Rechtsanwalt Niccolò Ghedini gleich zurückrufen werde. Der Jurist ruft auch umgehend an - und nun verliert sich die Kenntnis, was genau geschah, im Nebulösen.

Fest steht: Um neun Uhr ziehen die Gangster ab, lassen Spinelli und seine Frau unversehrt zurück. Die werden von Berlusconis Leibwache abgeholt und zum Chef nach Mailand gebracht, in Sicherheit. Berlusconis Anwalt sagt, man habe kein Lösegeld gezahlt.

Die Staatsanwaltschaft geht freilich davon aus, dass doch gezahlt wurde. Das berichten italienische Online-Medien. Warum sonst hätten die Gangster so friedlich abziehen sollen?

Ghedini behauptet, er habe den Behörden den Vorfall noch am gleichen Tag gemeldet. Aber erst am nächsten Nachmittag wurde der Fall offiziell zur Anzeige gebracht. Man habe erst genauer wissen wollen, was passiert sei, und das Ehepaar habe unter Schock gestanden, sagt der Anwalt. Die angeblichen Dokumente und die CD habe man nicht zu Gesicht bekommen. Die ganze Sache sei ein Bluff, die komplette Geschichte völlig unstimmig gewesen, unglaubwürdig.

Aktion der Mafia?

Seither ermittelte die Polizei, heute wurde sie fündig. Sechs Personen wurden festgenommen, drei Italiener, drei Albaner. Regisseur des mysteriösen Krimis war, nach Darstellung der Fahnder, ein allseits bekannter Unterweltler: Francesco L., 51. Bekannt wurde er in den achtziger Jahren durch einen Millionenraub. Die Sache ging schief, er wurde geschnappt, bot sich als Kronzeuge in anderen Verfahren an und kam in ein Zeugenschutzprogramm. Da blieb er nicht lange, sattelte wieder um auf Raub und bekam schließlich 2001 neun Jahre und vier Monate wegen der erpresserischen Entführung eines Militärangehörigen. Für die Polizei gehört Francesco L. zum Mafia-Clan Parisi, im süditalienischen Bari. War es also eine Aktion der Mafia?

Auch seine Landsleute und die drei Albaner, die vermutlich Aufgaben im Umfeld und bei der Logistik übernommen hatten, sind einschlägig vorbestraft, Profis mithin. Sie könnten durchaus in Diensten der Parisi tätig geworden sein. Doch wenn die abstruse Räuberpistole derart dilettantisch inszeniert wurde, wie Anwalt Ghedini es darstellt, und wenn sie am Ende ohne Lösegeld schlicht abgebrochen wurde - "Entschuldigung, war nur ein Versuch!" - spricht das nicht unbedingt für das Werk der Organisierten Kriminalität. Oder verlief das Ende der Aktion vielleicht ganz anders als bis jetzt bekannt?

Auf die Spur der Täter, ließ die Polizei genüsslich durchblicken, sei man auch wegen der rot-schwarzen Schuhe gekommen. Manchmal ist das allzu offene Bekenntnis zum geliebten Fußballclub offensichtlich von Nachteil.

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1. Konfus
kugelsicher99 19.11.2012
Zitat von sysopEs ist ein seltsamer Krimi: Gangster kidnappten den Buchhalter Berlusconis und forderten 35 Millionen Euro. Dafür versprachen sie belastendes Material über den Intimfeind des Ex-Regierungschefs. Nun nahm die Polizei sechs Verdächtige fest - sie vermutet Verbindungen zur Mafia. Erpresserbande wollte 35 Millionen Euro von Berlusconi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/erpresserbande-wollte-35-millionen-euro-von-berlusconi-a-868137.html)
Selten so einen schlecht aufgebauten bzw. geschriebenen Artikel gelesen. Wenn schon in der Einleitung "Krimi" steht, war ich erstmal unsicher, ob es eine reale Geschichte ist oder doch Fiktionales enthält. Dann kommt das Wort Krimi nochmal. Irgendwie falsch benutzt. Dann völlig konfus geschrieben. Eine komplizierte Story wird noch komplizierter gemacht. Anstatt sie runter zu brechen und verständlich zu machen.... nichts.
2. Kugelsicher?
ghibli 19.11.2012
Zitat von kugelsicher99Selten so einen schlecht aufgebauten bzw. geschriebenen Artikel gelesen. Wenn schon in der Einleitung "Krimi" steht, war ich erstmal unsicher, ob es eine reale Geschichte ist oder doch Fiktionales enthält. Dann kommt das Wort Krimi nochmal. Irgendwie falsch benutzt. Dann völlig konfus geschrieben. Eine komplizierte Story wird noch komplizierter gemacht. Anstatt sie runter zu brechen und verständlich zu machen.... nichts.
Na ja, im richtigen Leben ist eben nicht alles kugelsicher, sondern manchmal durchaus etwas konfus.
3. Spon mal wieder
roflem 19.11.2012
Übernimmt ungeprüft was die Italienische Presse verbreitet. Natürlich kommt als nächstes der Balkonsturz des Fini weil das Video ja soooo komprimittierend war. Dann zahlt Benedetti die 650 Millionen zurück an Burlesconi und der legt sie bei Goldman Sachs an. Dafür tritt Monti freiwillig zurück, Sgarbi wird Finanzminister, Giuliano Ferrara rasiert sich, nimmt 80 Kilo ab und Cicciolina wird Europaabgeordnete.
4. Italien müss jetzt erkennen dass ohne Monti
mercadante 19.11.2012
wäre vieles nicht an das Tages Licht gekommen. Dass mehrere Abgeordneten im Parlament ihn nicht mehr ernst nehmen es ist ein großer Verdienst von Napolitano, Monti und die Parteien die ihm unterstutzen, das ist ein riesen Schritt nach vorn, raus aus dem Sumpf. Über dieses Geschehen braucht man sich nicht mal unterhalten, es ist eine totale dumme Geschickte, ein Fünfjähriger könnte es viel besser planen , das zeigt in welche Tiefe der Cavaliere schwimmt .
5. Berlusconi bedroht von der Mafia.
mischpot 19.11.2012
Ha der war gut. Berlusconi ist die Mafia.
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