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Erschossener Hamburger Austauschschüler: Todesschütze beruft sich auf Selbstverteidigung

Von , New York

Ein Hamburger Austauschschüler ist in den USA erschossen worden, der Todesschütze wurde nun wegen vorsätzlichen Totschlags angeklagt. Er berief sich im Verhör auf die "Castle-Doktrin", eines der kontroversen Selbstverteidigungsgesetze, die in Dutzenden US-Bundesstaaten gelten.

Ein Amerikaner, der im US-Bundesstaat Montana einen deutschen Austauschschüler erschossen haben soll, ist des vorsätzlichen Totschlags angeklagt worden. Markus K., 29, soll den 17-jährigen Hamburger Diren D. für einen Einbrecher gehalten haben. K. berief sich im Polizeiverhör auf die "Castle-Doktrin", eines der kontroversen Selbstverteidigungsgesetze, die in Dutzenden US-Bundesstaaten gelten.

K. wurde am Montag (Ortzeit) im Ort Missoula der Friedensrichterin vorgeführt. Dabei kamen erste Details des tragischen Falls ans Licht. Der Anklage zufolge hatte K. in seiner Garage eine regelrechte Falle gelegt, nachdem in den letzten drei Wochen zweimal bei ihm eingebrochen worden sei. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Janelle P. habe er Sensoren und ein Videoüberwachungssystem eingerichtet und dann in der absichtlich offenen Garage eine Handtasche als Köder liegengelassen, "damit sie die nehmen würden".

Die elektronischen Sensoren hätten in der Nacht zum Sonntag Alarm geschlagen, hieß es in einer eidesstattlichen Erklärung von Staatsanwalt Andrew Paul. Auf dem Live-Videobild sei jemand in der Einfahrt und in der Garage zu sehen gewesen - offenbar Diren D. Warum der sich auf K.'s Grundstück befunden habe, blieb offen. Janelle P. habe die Videobilder mit ihrem Handy abfotografiert.

K. habe sich mit seinem Gewehr von der Einfahrt her in die Garage geschlichen. Er habe gefürchtet, dass der Eindringling ihm "schaden" könnte. Auch habe er um sein Leben gefürchtet. Deshalb habe er erst in die Garage gerufen, woraufhin jemand mit "Hey" oder "Moment" geantwortet habe. Dann habe K. vier Schüsse ins Dunkle abgefeuert - extra hoch, um "sein Auto in der Garage nicht zu treffen". Die Schüsse hätten zwei Sekunden gedauert. Danach habe er den Notruf gerufen.

D., der an der Big Sky High School die 11. Klasse besuchte, erlitt der Anklage zufolge "ernste Verletzungen" am Kopf und am Arm. Er habe auf dem Garagenboden gelegen, sein Handy neben ihm. Später sei er in einem Krankenhaus in Missoula gestorben.

Sein Mandant sei entsetzt, dass er offenbar auf einen unschuldigen jungen Mann geschossen habe, sagte K.'s Anwalt Paul Ryan. Trotzdem widerspreche er der Anklage. Nach den vorherigen Einbrüchen habe er die Polizei alarmiert, "und nichts wurde unternommen".

Die "Castle-Doktrin" erlaubt Hausbesitzern in Montana die Anwendung von Gewalt, wenn sie sich durch einen Eindringling auf ihrem Grundstück bedroht sehen. Ähnliche Gesetze gibt es in zwei Dutzend US-Bundesstaaten. Etwa in Florida, wo der Nachbarschaftswächter George Zimmerman 2012 den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin erschoss. Zimmerman wurde 2013 vom Vorwurf des bedingt vorsätzlichen Mordes freigesprochen.

Aus der Anklage geht jedoch hervor, dass K. ganze drei Nächte lang auf der Lauer gelegen habe. Einer Bekannten habe er gesagt, dass er nur darauf warte, auf ein "verdammtes Kind" zu schießen. Friedensrichterin Karen Orzech setzte die Kaution für K. auf 30.000 Dollar (etwa 21.600 Euro) fest. Nach deren Hinterlegung kam K. zwei Stunden nach seinem Gerichtsauftritt wieder auf freien Fuß.

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